Altstars und Newcomer „zündeten die Nacht an“
16.08.2010 - GRÄVENWIESBACH
800 Besucher feierten ein gemütliches „Gräven-Woodstock“ - Stars ganz nahe am Publikum
(anr). „Der Zug kommt immer aus einer anderen Richtung“: Heinz Schießer, maßgeblicher Organisator des ersten Open-Air-Konzerts „Gräven-Woodstock“ auf dem ehemaligen Saargelände in Grävenwiesbach, meinte damit nicht die am Werksgelände der Rhein-Main-Deponie unmittelbar vorbeirauschende Taunusbahn, sondern das Feuerwerk musikalischer Vielfalt, das rund 800 Besucher zwischen 16 und 24 Uhr genießen durften.
Bei strahlendem Sonnenschein machten es sich die Besucher, die in Scharen zu Fuß oder per Shuttle-Bus auf das Gelände gelangt waren, mit Liegestühlen, Decken oder Isomatten auf der großen Freifläche des Firmengeländes gemütlich. Entspannung und stille Vorfreude waren angesagt. Solchermaßen selbst ein wenig in die Welt von „Woodstock“ eingetaucht, erlebten die Besucher zur Eröffnung den Auftritt der Instrumental- und Showband „Old Guitar Strings“, die die Musik der 60er Jahre und vor allem die von Johnny Cash wieder aufleben ließen.
Für Abwechslung zwischen den Auftritten sorgte „Klaus der Geiger“ aus Köln, der mit seiner Straßenmusik nostalgische Polit-Klänge verbreitete: „Mit Texten wie „Oma Else baut auf dem Friedhof Haschisch an“, „Nein wir wollen nicht Eure Welt“ oder „Nur nicht lange fragen, denn die Wahl ist ja vorbei“, rüttelte der seit 40 Jahren Straßenmusik machende Alt-Hippie noch einmal wie früher am Establishment. „November“ mit ihren Lokalmatadoren, dem Sänger Jochen Hasmanis aus Riedelbach und Schlagzeuger Paul Zitter aus Hunoldstal, denen der Spaß am Auftritt vor vielen bekannten Gesichtern deutlich anzusehen war, legten mit ihrem Premieren-Auftritt dann einen Zahn zu. Einen besonderen Auftritt hatte dabei Gaststar Rapper Mike Le Rock aus dem New Yorker Stadtteil Haarlem, der derzeit mit Hasmanis an einer Rap-Dokumentation arbeitet und spontan seine Teilnahme zusagte. „Ich komme aus der Stadt und bin jetzt in der friedlichen, freien Natur. Das fühlt sich gut an“, fand der New Yorker Rapper.
Nicht nur angesichts der Begleitung in Gestalt zweier brasilianischer Samba-Tänzerinnen, sondern vor allem wegen der Lieder von Carlos Santana brachte die „Santana Cover Band“ das Publikum bei Hits wie „Lets forget about you“ zum begeisterten Mittanzen. Ganz andere Töne schlug dann Edo Zanki mit seiner Band an, wenn es dem Altstar mit „Weit übers Meer“ oder „Wir zünden die Nacht an“, sowie „Heimkommen“ hervorragend gelang, das Publikum auf seiner musikalischen Reise mitzunehmen. Lautstark erfreut zeigte sich das Publikum von Ulla Meinekes Auftritt, die mit ihren lyrischen Balladen „Wenn zwei zueinander passen“, „Tierfilmer“ oder „Schlendern ist Luxus“ an ihren eigenen Geburtstag und zehn Kilometer entfernt von ihren Geburtsort Usingen genau den richtigen Ton getroffen hatte.
„Ich will als Sänger mit Leib und Seele wieder zurück zu meinen Anfängen und meine Lieder mit dem Publikum teilen,“ erklärte Zanki im Gespräch mit dem Usinger Anzeiger und zeigte sich nach seinem Auftritt sehr zufrieden damit, dass auch in Grävenwiesbach das Publikum zu einer intensiven Konzertkultur beigetragen habe. Den grandiosen Abschluss von „Gräven-Woodstock“ lieferte die Zöller-Band, die mit „The power of love“ oder „Hot love“ das Publikum noch mit einigen rockigen Ohrwürmern für den Heimweg versorgte.
Als Veranstalter zeigte sich RMD-Geschäftsführer Markus Töpfer am Ende des Abends zufrieden damit, dass das in enger Abstimmung mit dem Hochtaunuskreis und dem Roten Kreuz und der Polizei festgelegte Veranstaltungskonzept in allen Bereichen voll aufgegangen sei: „Auch mit den im Vorfeld schwer einzuschätzenden Besucherzahlen sind wir zufrieden und dürfen feststellen, dass sich das Gelände bewährt hat.“
Nach einer regelmäßigen Manöverkritik werde man die Chancen ausloten, solche Veranstaltungen als feste Einrichtung im Kalender der Gemeinde zu etablieren, doch möchte Töpfer hierbei die gesamte Gemeinde mit ihren Vereinen und Organisationen zu entsprechendem Engagement auffordern: „Wir freuen uns, dass wir einen Anstoß geben konnten, und würden auch in Zukunft den Platz zur Verfügung stellen.“