Musik hilft dort, wo die Worte fehlen
07.09.2010 - GRÄVENWIESBACH
Klavier für die Musiktherapie beim IB in Grävenwiesbach
(cju). Ein Klavier ist ein vielseitiges Instrument. Es kann sanft klingen oder hektisch, es kann atonal oder melodisch gespielt werden, es ist mal laut, mal leise. Diese Vielfalt des Instruments nutzt der Musiktherapeut Hansjörg Meyer bei seinen Klienten, die beim IB (Internationalen Bund) in Grävenwiesbach beheimatet sind. Über vierzig Menschen wohnen hier in drei Häusern, wobei das jüngste erst im April eingeweiht wurde. Hier hat auch der Musiktherapeut sein Zimmer. Hell und freundlich ist es, von außen scheint die Sonne hinein und man hat einen schönen Blick nach draußen. Wobei letzteres den Komponisten, so nennt Meyer die Menschen, mit denen er arbeitet, letztlich egal ist. Denn viele sind mehrfach behindert und auf den Rollstuhl angewiesen, haben keine Sprache, nur Laute. „Doch mit Musik erreicht man auch diese Menschen“, so Meyer, der seine Arbeit am Sonntagabend bei einem kleinen Empfang vorstellte. Am Beispiel von Andrea, einer jungen Frau, die beim IB lebt, legte Meyer detailliert die Fortschritte dar, die er mithilfe einer Bezugspflegerin und Co-Therapeutin Stück für Stück erreichen konnte. War Andrea anfangs durch ihre Mehrfachbehinderung passiv-aggressiv mit atonalen Lauten und abweisender Haltung den anderen gegenüber nicht zugänglich, änderte sich ihr Verhalten mit fortschreitender Therapie. Zum Schluss konnte sie sogar Wohlbefinden ausdrücken, ließ Körperkontakt nicht nur zu, sondern suchte ihn auch selbst. Doch ohne Musikinstrumente ist ein Musiktherapeut auch nur die halbe Miete. Und deshalb hatte Programmgeschäftsführer Norman Dießner den Abend initiiert. Er wolle „Danke“ sagen. Danke jenen, die die Anschaffung des Instruments ermöglicht hatten. Wenngleich dieses mit dreißig Jahren schon recht alt sei, so habe es doch einen wunderbaren Klang, lobte Meyer, der gleich die Tasten anschlug und Dießner bei mehreren Gesangsbeiträgen unterstützte. Je später der Abend, desto schöner die Gäste, auch leicht frivol mit einem Lied aus dem Repertoire der Reeperbahn im Herzen Hamburgs. „Das ist meine Überraschung für Sie“, sagte er einer staunenden Heidelore Wehner, die stellvertretend für den Verein „Wir helfen“ dieses Ständchen als Dankeschön erhielt. Das jetzige Klavier klingt gut, ist gut und wird bei den Klienten des IB weiter für Fortschritte sorgen. Denn mit Hansjörg Meyer hat der IB sich einen anerkannten Musiktherapeuten mit immensen Fachkenntnissen besorgt, der nicht nur Theorie dargelegt, sondern sich natürlich auch in der Praxis sehr gut auskennt. „Menschen mit Mehrfachbehinderung haben meistens keine Worte, um ihre Gefühle auszudrücken, dabei hilft ihnen die Musik“, so Meyer abschließend.