Stets bemüht, den anderen in den Mittelpunkt zu stellen
24.09.2011 - BAD HOMBURG
Prinz Asfa-Wossen Asserate zu Gast beim Unternehmerinnen-Netzwerk in Bad Homburg
(kat). Der dunkle Anzug sitzt perfekt, die violett-gemusterte Krawatte setzt dezente Akzente und hinter der dunkelgerahmten Brille schaut es mal blitzgescheit, mal ernst und bisweilen auch ein wenig spitzbübisch: Keine Frage, Prinz Asfa-Wossen Asserate macht eine überzeugende Figur. Das Unternehmerinnen- Netzwerk Bad Homburg hatte den äthiopisch-deutschen Unternehmensberater und Autor jetzt eingeladen, um mit ihm über „Business-Etikette“ zu sprechen.
Der Rahmen war stilvoll und durchaus angemessen gewählt: Im Gotischen Haus hatten sich die Gäste versammelt, die von Nicole Garrelts, Sprecherin des Netzwerks, begrüßt wurden. Nachdem die Besucher die Möglichkeit hatten, an zwei verschiedenen Führungen im Haus teilzunehmen, fand das Gespräch mit Asfa-Wossen Asserate statt, der von Marga Wolpert, Vera Brosinger und Ruxandra-Maria Jotzu, drei Mitgliedern des Netzwerks, befragt wurde. Diese nahmen unter anderem die Bücher des Deutsch-Äthiopiers zum Anlass, den Begriff der „Manieren“ näher zu beleuchten. Denn in seinen Büchern „Manieren“, „Ein Prinz aus dem Hause David und warum er in Deutschland blieb“ sowie „Draußen nur Kännchen“ hat sich der Autor mit europäischen und speziell deutschen Umgangsformen beschäftigt.
Manieren seien „eine Symbiose aus Form und Inhalt“, konstatierte Asserate und fügte hinzu: „Es ist richtig, dass es eine große Rolle spielt, wie man sich kleidet. Doch der Inhalt ist viel wichtiger.“ Eine innere Haltung, die Herzensbildung sei entscheidend. Mithin erkenne man einen Menschen mit Manieren daran, wie er sich im Umgang mit anderen verhalte. So müsse man stets darum bemüht sein, den anderen in den Mittelpunkt zu stellen. „Wenn Sie das beherzigen, können Sie eigentlich nichts mehr falsch machen“, so Asserate.
Doch manchmal, so Ruxandra-Maria Jotzu, gebe es diese Kunden, die nicht akzeptierten, dass man als Unternehmer auch einmal Feierabend habe. Was ist also zu tun, um den anderen, den Kunden, nicht zu verprellen? „Ich denke, wir haben das Dienen mit Freude verlernt“, sagte der Unternehmensberater. Und hier brauche es dringend Vorbilder, „und da fände ich es schön, wenn etwa unsere Politiker damit anfangen würden, sich selbst wieder als Diener ihres Volkes zu sehen“, schmunzelte der Gast. Zudem müsse jeder im Umgang mit dem anderen genügend Zivilcourage haben, um Grenzen zu setzen. Dazu bedürfe es guter und präziser Worte, mit dem dezenten Hinweis, dass es für alles eine Zeit gebe. „Und wenn das alles nicht hilft, dann könnten Sie so etwas sagen, wie ,Na ja‘...“
Gerade von Schülern werde er bei seinen Besuchen immer wieder gefragt, was sie denn davon hätten, wenn sie immer höflich seien und gute Manieren hätten. Darauf antworte er immer: „Eigentlich nichts, aber vielleicht einen gesunden Schlaf.“
Welche Kommunikationsform, Telefon oder E-Mail er denn bevorzuge, wollte Vera Brosinger wissen. Er habe erst vor zwei Jahren damit angefangen, E-Mails zu schreiben, sei aber nicht grundsätzlich abgeneigt, wenn die Verfasser sich an einige Grundregeln hielten. Abkürzungen oder Anglizismen erteilte er eine Absage. „Ich würde es vorziehen, wenn wir so schreiben, wie wir es von unseren Deutschlehrern beigebracht bekommen haben“, sagte er unter dem Beifall des Publikums. Allein das Briefeschreiben gerate zusehends in Vergessenheit, und damit verschwinde auch ein Stück Romantik. „ Sie können nun einmal keine E-Mail parfümieren“, machte Asserate eine hilflose Geste in Richtung der Frauen auf dem Podium. Von der Romantik ging es gleich weiter in Richtung Männer, über die der 62-Jährige in einem seiner Bücher sagt, dass es ihr Sinn für Absurdität sei, der das Besondere an Männern ausmache. Dass Männer absurd seien, wollte Marga Wolpert nicht so recht gelten lassen und hatte eine Übersetzung parat: „Kann man vielleicht sagen, Männer sind ungewöhnlich?“, fragte sie. Und der gut gelaunte Gast antwortete prompt: „ Ist Ihnen das auch schon aufgefallen?“
Und kurz darauf wurde es auch schon wieder ernst, als Asfa-Wossen Asserate von der größten Herausforderung unserer Zeit sprach: „Wir müssen die Gesetze des Marktes mit der Menschlichkeit versöhnen.“ Er prophezeite, dass es angesichts der katastrophalen humanitären Situation in Afrika eine Massenbewegung über Gibraltar nach Europa geben werde. Europa und seine Politiker müssten endlich aufwachen, und aus der Haltung heraus kommen, dass man alles und jeden unterstütze, solange dieser nur die Macht innehabe. So habe Silvio Berlusconi etwa noch wenige Wochen vor dessen Sturz Gaddhafi empfangen und ihn geküsst. „Der küsst ja auch alles“, warf eine Besucherin ein und hatte damit die Lacher auf ihrer Seite.
Weitere Infos: www.unternehmerinnen-badhomburg.de.