Eine Bahnhof GmbH soll künftig die bauliche und finanzielle Koordination übernehmen - Wird Wolter Geschäftsführer?
(cru). Der Bahnhof in Bad Homburg ist eine der unansehnlichsten Ecken der Kurstadt. Doch das soll sich ändern. Nachdem die Stadt Bad Homburg das Gebäude und das angrenzende Gelände gekauft hat, will sie jetzt eine eigene Gesellschaft gründen, die die Sanierung und den Betrieb des Bahnhofs übernehmen soll.
Oberbürgermeister Michael Korwisi (parteilos) selbst brachte es gestern auf den Punkt: "Der Zustand des Bahnhofs ist nicht mehr hinnehmbar." Das ist zwar nichts wirklich Neues - aber im Rathaus der Kurstadt ticken die Uhren anders: Lange Jahre gammelte der Bahnhof mitsamt seinem Vorplatz und dem angrenzenden Bus-Bahnhof vor sich hin und gab Reisenden eine Visitenkarte ab, die tief in die politische Ausrichtung der feinen Taunus-Stadt blicken ließ.
Doch das änderte sich, als die Stadt anfing, die betroffenen Immobilien aufzukaufen. Inzwischen besitzt sie vom Hochhaus bis zur Post das gesamte Areal (einschließlich des Bahnhofsgebäudes und der Bundeswertpapieranstalt) - und ist damit nicht nur handlungsfähig, sondern prescht geradezu nach vorn: Seit Wochen steht im Bahnhof ein Holztunnel, dahinter sind Arbeiter damit beschäftigt, die kostbaren Bleiverglasungen zu sichern, die die Fenster in dem denkmalgeschützen Bauwerk schmücken. Da das Hochbauamt mit Aufgaben ausgelastet sei, will die Stadt jetzt außerdem eine Bahnhof GmbH gründen, die die Sanierung des Geländes vorantreiben soll, gab Korwisi gestern bekannt. Der Magistrat hat dem Modell bereits zugestimmt, jetzt muss nur noch die Stadtverordnetenversammlung abnicken. Doch die Abstimmung am 5. November gilt als Formsache.
Wie genau diese GmbH aussehen soll, ist noch unklar. Sicher ist lediglich, dass der Verwaltungsrat der gleiche sein wird wie der der Kur- und Kongress GmbH. Nicht nur deshalb ist es verständlich, dass deren Geschäftsführer Ralf Wolter auch als heißer Kandidat für den Posten des Geschäftsführers der neuen Bahnhof GmbH gehandelt wird. Diese soll dann 2010 mit einem Eigenkapital von rund 2,5 Millionen Euro ausgestattet werden und die finanzielle und bauliche Abwicklung der Bahnhofumgestaltung koordinieren. Aber auch hier gibt es noch keine genauen Pläne. Denn darüber, was mit dem Bahnhof geschieht, herrscht noch Uneinigkeit im Bad Homburger Parlament. Von einem Kulturbahnhof ist die Rede, von einem Parkhaus davor, vom Aufkauf des Postgebäudes, vielem mehr.
Sicher ist nur, dass die Stadt mit der geplanten Gründung der Gesellschaft ein Zeichen setzt: Sie will ein Service-Zentrum für Reisende und eine "Sanierung wie aus einem Guss", wie es Korwisi gern umschreibt. Klingt eigentlich vernünftig.