Kreuzzug gegen das Jakobskreuzkraut
27.07.2010 - HOCHTAUNUS
Pferdehalter nehmen Kampf gegen Ausbreitung der Pflanze auf - Menschen drohen irreparable Leberschäden
USINGER LAND (sn). Gelb blüht es jetzt vielfach an Straßenrändern, auf Wiesen und Brachflächen. Verschiedene Korbblütler sind es, Rainfarn, Wiesenpippau, Johanniskraut und auch das Jakobskreuzkraut. Letzteres hat, wie auch die meisten seiner über 20 Verwandten in Deutschland, die unangenehme Eigenschaft giftig zu sein, was auf die darin enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide (PA) zurückzuführen ist.
Für den Menschen bedeutet das im Allgemeinen kein Problem, da diese Pflanze keiner essbaren Pflanze zum Verwechseln ähnlich sieht. Jakobskreuzkraut und andere Kreuzkrautarten sind, obwohl von der Weltgesundheitsorganisation als stark leberschädigend, embryonen- und erbgutschädigend sowie krebserregend eingestuft, nicht in der deutschen Giftpflanzendatenbank als giftige Pflanze benannt. Das Berühren und anschließende „Hand-in-den-Mund-Stecken“ ist nach Erkenntnissen der Experten nicht gesundheitsschädigend. Die Aufnahme von PA hat keine kurzfristigen Auswirkungen, jedoch tritt nach Wochen, Monaten oder Jahren eine nicht mehr rückgängig zu machende Schädigung der Leber auf. Der Giftgehalt des Jakobskreuzkrauts kann bei Weidetieren, vor allem Pferden, sogar zum Tode führen. Normalerweise meiden die Tiere diese Pflanze aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe. Jedoch in Jungpflanzen und vor allem in getrockneten Pflanzen, also dem Heu, wirkt dieser Schutzmechanismus nicht. Als tödliche Dosis gilt bei Pferden 40 bis 80 Gramm Frischgewicht je Kilogramm Körpergewicht. Rinder sind weniger empfindlich, jedoch wurde auch ein Übergang des Giftes in die Milch nachgewiesen. In den vergangenen Jahren hat sich das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) stark ausgebreitet, was einerseits auf die Unkenntnis über die Toxizität, aber auch auf veränderte Pflegeintensität von Straßenbegleitgrün und auf stillgelegte landwirtschaftliche Flächen zurückzuführen ist.
Besonders Pferdehalter haben jetzt den Kampf gegen die Ausbreitung der gelb blühenden Pflanze aufgenommen. Ulrike Wendel vom Berghof in Rod an der Weil fordert: „Die Straßenränder müssten jetzt gemäht werden“. Denn nur so könne eine Ausbreitung von dort auf ihre Weiden unterbunden werden. Sie sei ständig dabei, das Kraut, wo sie es sehe, abzuschneiden oder besser auszureißen und im Müll zu entsorgen. „Ich habe mir schon die Finger wund gezerrt“, klagt sie. Auf ihren Wiesen und Weiden hat sie den Befall im Griff, aber aus angrenzenden Flächen fliegen immer wieder Samen auf ihre Grundstücke.
Auch die Pferdehalter Claudia Dienstbach und Thomas Guckes in Riedelbach kämpfen den Kampf gegen die „Windmühlenflügel“. Guckes geht sogar mit dem blauen Müllsack in der Hand die Straßen rund um Riedelbach ab, um hier das Jakobskreuzkraut in Schach zu halten. Dr. Britt Friebertshäuser vom Veterinäramt des Hochtaunuskreises bestätigte, dass das Jakobskreuzkraut ein sensibles Thema sei. Wenn Weiden ordentlich gepflegt seien, bestehe normalerweise kein Problem. Dem Veterinäramt seien zurzeit auch keine Fälle einer Vergiftung bekannt. Dr. Kerstin Fey von der Klinik für Pferde - Innere Medizin, Gießen, berichtete, dass etwa alle zwei bis drei Jahre ein Fall mit schweren Leberveränderungen in der Gießender Pathologie untersucht werde, „bei denen aufgrund der mikroskopischen Untersuchung es dann naheliegt, an eine Vergiftung mit Kreuzkraut zu denken“.
Ob es sich dabei um Vergiftungen mit Jakobskreuzkraut handelte, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Da die Giftigkeit bekannt ist, sollte aber die weitere Ausbreitung verhindert werden. Vor allem müsse darauf geachtet werden, dass es nicht in Heu oder Silage gelangt.
Weitere Infos im Internet: www.jakobskreuzkraut.info.