Oberursel ist seit Jahren auf dem Weg zu einem geschlossenen Radwegenetz - Doch auch neues Verkehrskonzept sorgt für politischen Zündstoff
(ua). Oberursel will als Stadt radfreundlicher werden. So viel ist klar. Doch was dafür ganz konkret zu tun ist, ist nach wie vor in der Stadt umstritten. Denn das bereits im November 2008 vorgelegte Radverkehrskonzept gibt noch immer Stoff zur Diskussion.
Dieses Radverkehrskonzept war vom Büro Stete Planung aus Darmstadt erarbeitet und im November 2008 vorgelegt worden. Es sollte so etwas sein wie ein Handlungsrahmen für "eine kontinuierliche Verbesserung des städtischen Radverkehrs bis zum Jahr 2020", hoffte die Stadt. Doch so einfach wie es klingt, gestaltete sich die Sache nicht. Denn die Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung hatten Einwände. Die waren derart unterschiedlich, dass alle Beteiligten Änderungen verschlugen, die schließlich auch aufgenommen wurden. Dazu zählten etwa die Wegweiser der Radrouten. Denn die Landwirte im Ort waren mit der ursprünglich vorgesehenen Ausweisung der Radrouten auf den Wirtschaftswegen nicht einverstanden und übten politischen Druck aus. Also änderten die Verantwortlichen die Beschilderungspläne. "Die Situation für Fahrradfahrer in unserer Stadt ist auf jeden Fall verbesserungsfähig", meint Bürgermeister Hans-Georg Brum. "Ich finde es wichtig, dass wir die Bürger durch ein entsprechendes Angebot an sicheren Wegeverbindungen dazu motivieren, aufs Rad umzusteigen."
Dabei hat der Kampf ums Rad in Oberursel schon Tradition: Bereits 1985 wurde ein erster Radverkehrsnetzplan erarbeitet. Die darin empfohlenen Maßnahmen wurden jedoch nur an wenigen Stellen umgesetzt. Ein geschlossenes und durchgängig gut befahrbares Netz für den Radverkehr existiert in Oberursel noch immer nicht. An den stark frequentierten Hauptverkehrsstraßen sind häufig keine Radverkehrsanlagen vorhanden.
Das neue Radverkehrskonzept sieht unterdessen nun vor, bereits vorhandene Angebote für den Radverkehr zu integrieren. Außerdem soll der Komfort für Radfahrer erhöht und ein geschlossenes Radwegenetz angelegt werden. An der Hohemarkstraße und zwischen "An der Waldlust" und dem Eichwäldchenweg sollen Radfahrstreifen entstehen, Einbahnstraßen sollen für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben werden. Auch auf Busspuren und Wirtschaftswegen sollen Radfahrer demnächst ungescholten in die Pedale treten dürfen. Wieweit diese Pläne jedoch umgesetzt werden, ist noch unklar. Denn die Stadt will freilich nicht nur Radfahrverbände dazu hören, sondern eben alle Beteiligten - und das dürfte zu erneuten Rangeleien führen.