Spannende Literatur ganz ohne Blut und Brutalität
03.09.2010 - NEU-ANSPACH
Nele Neuhaus liest zum Auftakt der Neu-Anspacher Kulturwoche im Bürgerhaus
(ek). Als Auftakt zur Neu-Anspacher Kulturwoche las Nele Neuhaus am Mittwochabend im Bürgerhaus aus ihrem neuesten Taunuskrimi „Schneewittchen muss sterben“. Nebenbei verriet sie auch eine ganze Menge über die Recherchen, die ihren Büchern vorausgehen, oder darüber, wie sie Geschichten und Figuren entstehen lässt. Rund 250 restlos begeisterte Zuhörer hingen der sympathischen Autorin regelrecht an den Lippen.
„Mit wenig Geld und viel Kreativität haben wir bei der Gestaltung der diesjährigen Kulturwoche viel erreicht,“ stellte Bürgermeister Klaus Hoffmann in seiner Begrüßung fest und freute sich, dass die beliebte Krimiautorin nach Neu-Anspach gekommen war. Wie Marlies Schwarze am Stand der Neu-Anspacher Buchhandlung Weddigen mitteilte, ist das „Schneewittchenbuch“ von Nele Neuhau das am meisten verkaufte Buch des Jahres, obwohl es erst im Juni erschienen ist. Doch so erfolgreich war die Autorin nicht immer. Ihre ersten Bücher habe sie im Selbstverlag veröffentlicht und den Vertrieb in die Buchhandlungen kurzerhand über die Fahrzeuge des familieneigenen Betriebes - eine Fleischfabrik - organisiert, verriet Nele Neuhaus.
Heute gehen ihre Bücher weg wie die berühmten warmen Semmeln, und der Verlag hat die ursprünglich vorgegebenen 400 Seiten für ihren neuen Krimi großzügig auf 535 Seiten erweitert. Wer ihr zuhört, weiß, was den Charme ihrer Krimis ausmacht. Auch wenn sie weitestgehend auf Blut und Brutalität verzichtet, gelingt es ihr, Spannung aufzubauen und den Leser und Zuhörer mitfiebern oder auch mitleiden zu lassen. Sie baut interessante Charaktere und Handlungsabläufe auf und schaut hinter die gesellschaftlichen Kulissen. „Ich recherchiere so gut wie möglich“, sagte sie und erzählte einige Anekdoten, die für Heiterkeit im Saal sorgten. Wichtige Quellen sind für sie die Fachleute in der Rechtsmedizin in Frankfurt, aber auch die echten Kriminalbeamten in Hofheim. Ihren Lesern sei sie es schuldig, das sie wisse, wie lange es dauert, bis man ein Kfz-Kennzeichen ermittelt hat, oder wann überhaupt eine Telefonüberwachung möglich ist. Anregungen zu ihren Figuren hole sie sich aus dem richtigen Leben, und für den Namen von Opfern oder Tätern hielten nicht selten Kunden aus der Firma ihres Mannes her, gab sie augenzwinkernd zu.
„Seitdem ich Krimis schreibe, sehe ich die Welt aus einem anderen Blickwinkel“, stellte Nele Neuhaus fest und erzählte: „Wenn ich heute spazieren gehe, vermute ich hinter so manchem Busch eine Leiche.“ Informativ und humorvoll machte Nele Neuhaus Geschmack auf den Konsum ihrer Taunuskrimis, und in der Pause und nach der Lesung signierte sie fleißig ihre Bücher.