Ein Lichtblick für die Artenvielfalt
21.02.2012 - SCHMITTEN
Rodungsarbeiten im „Sanggrund“ und „Am Königsteiner Weg“ beseitigen den „dunklen Wald“ - Bessere Überlebenschancen für seltene Tierarten
OBERREIFENBERG (mg). Noch vor den Rodungsarbeiten im „Sanggrund“ und „Am Königsteiner Weg“ östlich der Königsteiner Straße oberhalb der Hochtaunushalle war kaum ein Durchkommen möglich. Nun sind die Arbeiten zur Entbuschung und Wiederherstellung der Feuchtwiesen und Magerrasen fast beendet. Das geerntete Holz wird abgefahren und die Baumstümpfe werden noch fachgerecht gefräst.
Über Jahrhunderte hinweg war der Hangzug unterhalb des Großen Feldbergs als Weide für Schafe und Rinder genutzt worden, die Wiesen entlang der zahllosen zur Weil hin entwässernden Rinnsale dienten der Heugewinnung. Doch wie an vielen anderen Stellen im Hochtaunus wurden die oft nur schwer zu bewirtschaftenden Wiesen ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts mehr und mehr aufgegeben. Auf den Feuchtwiesen machten sich dichte Staudenfluren breit und allmählich begannen Salweiden und Birken die mühsam kultivierten Flächen wieder für den Wald zurückzuerobern. „Die Landschaft wächst zu, verliert ihre biologische Vielfalt, seltene Tier- und Pflanzenarten sterben aus“, meint Wildbiologe Dr. Dieter Selzer von der unteren Naturschutzbehörde, „und auch der Erholungswert der Landschaft nimmt mehr und mehr ab, wenn sich um die Ortschaften herum dunkle Wälder legen“.
Um das fortschreitende Zuwachsen der wertvollen Kulturlandschaft südlich der Ortslage von Oberreifenberg zu stoppen und vielen heute gefährdeten Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum zurückzugeben, hat die Gemeinde Schmitten schon im Jahr 2001 ein Konzept erstellen lassen. In mühevoller Kleinarbeit wurden die zahlreichen Eigentümer der oft nur handtuchschmalen Grundstücke ausfindig gemacht und in der Mehrzahl davon überzeugt, dass es auch in ihrem Interesse sei, wenn die Gemeinde den Gehölzaufwuchs entfernt, die Staudenfluren abmäht und dafür sorgt, dass wieder Schafe, Rinder und Pferde die Flächen beweiden und künftig offen halten.
Mit der Rodung gehen zwangsläufig Bruthabitate für Vögel verloren. Doch fördert die zunehmende Verbuschung nahezu ausschließlich häufige Arten wie Buchfink und Fitis. Seltene Vögel wie Braunkehlchen und Neuntöter benötigen aber mehr oder weniger offene Landschaften, die noch dazu extensiv genutzt werden müssen. Für sie stellt die Maßnahme eine Chance dar, auch im Hochtaunus zu überleben. Auch an das Wild wurde gedacht: Einzelne Gehölzgruppen bleiben als Rückzugsraum erhalten und die neu entstehenden Wiesen können künftig von Reh und Hirsch als Äsungsfläche genutzt werden - was nicht zuletzt auch dem Bergwald dient, der in Ermangelung geeigneten Futters zunehmend verbissen wird.
Die Kosten für das Projekt, das in enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde beim Hochtaunuskreis, dem Regierungspräsidium Darmstadt und dem Forstamt Königstein umgesetzt wird, trägt die Hessische Landgesellschaft als Erschließungsträger für die Gemeinde Schmitten. Der positive Effekt der Maßnahme für den Arten- und Naturschutz wird als Ausgleichsmaßnahme für das Baugebiet „Oberer Haidgen“ und künftige Eingriffe angerechnet.
Durchgeführt wurden die Arbeiten mittels spezieller Maschinen. „In den ersten Jahren nach Abschluss der Maßnahmen werden die von der Gehölzsukzession befreiten Flächen noch kein schöner Anblick sein“, sagt Diplom-Ingenieur Dr. Jochen Karl, „es dauert, bis sich die Grünlandvegetation wieder einstellt und in deren Gefolge dann auch Türkenbundlilie, Flattergras und Stendelwurz blühen.“ Die Projektsteuerung wurde von Diplom-Ingenieur Rolf Blecher vorgenommen.
Auch Holger Ullrich von der Hessischen Landgesellschaft in Mörfelden-Walldorf machte sich mit dem Ersten Beigeordneten Georg Goik und Schmittens Bürgermeister Marcus Kinkel ein Bild von der etwa zehn Hektar großen Fläche.