Schmittener Bauausschuss: Wirtschaftsstrukturanalyse beschäftigte Mitglieder des Gremiums - Geschwindigkeitsmessungen
(ek). Nach der Vorstellung der Wirtschaftsstrukturanalyse für die Gemeinde Schmitten, in der für die Feldberggemeinde mit 25 000 Euro pro Einwohner und Jahr eine weit über dem Bundesdurchschnitt liegende Kaufkraft genannt wurde, hinterfragte Utta Dommes (FDP) im Bauausschuss Details zum Kaufkraftabfluss.
Hierfür liegen nach Aussage des Referenten Matthias Böss vom Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main keine konkreten Zahlen vor. Nach Schätzung von Bernd Pfister (FDP), die Böss bestätigte, geht der größte Teil der Schmittener Kaufkraft ins Main-Taunus-Zentrum oder mit den Auspendlern nach Oberursel, Bad Homburg oder Frankfurt. Nach Meinung von Böss müssten bei der Ansiedlung von Einzelhandel die Ortsteilzentren gestärkt werden, "wir müssen weg vom Einzelhandel in Gewerbegebieten."
Pfister wunderte sich, dass der Referent im Zusammenhang mit der steigenden Zahl der Übernachtungen und seiner Forderung nach Förderung des Fremdenverkehrs offensichtlich den klassischen Tourismus vor Augen habe. Der Großteil der Übernachtungsgäste seien Messegäste oder Monteure. Ausschussvorsitzender Roland Tomaschek (CDU) wollte wissen, ob die Nachfrage von Messegästen eine Erhöhung des Angebotes in Schmitten rechtfertige. Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) erklärte dazu, dass die touristischen Nachfragen rückläufig seien und dass auch Messebesucher an Übernachtungen oder Monteure an Verpflegung in der Gastronomie sparten. Zur Klärung empfahl Böss etwa von Studenten eine genauere Analyse durchführen zu lassen. Der Bürgermeister will eine Anfrage beim Taunus-Touristik-Service vornehmen. Utta Dommes verwies auf Erkenntnisse der Tourismusbörse in Berlin, wo die Tendenz zum Kurzurlaub deutlich geworden sei und regte an, Pakete für Kurzurlauber zu schnüren, und diesen beispielsweise zusammen mit Übernachtungen auch Wandertouren anzubieten.
"Wir haben nichts gegen Motorradfahrer, nur gegen die fünf Prozent, die durch Lärm und überhöhte Geschwindigkeit andere in Gefahr bringen", leitete der Ausschussvorsitzende den Tagesordnungspunkt "Standortfestlegung von Radaranlagen" ein. Neben innerörtlichen Geschwindigekeitsmessungen solle auch ein Augenmerk auf die Verkehrsberuhigung gelegt werden, so Tomaschek, der ein Konzept vom Sandplacken bis zum Landstein forderte. Bevor der Bürgermeister die angedachten Standorte vorstellte, sagte er: "Es bleibt festzuhalten, dass wir in Schmitten Motorradfahrer gerne sehen, aber nicht gerne hören." Die Gemeinde habe nicht erst seit dem Aufbegehren der Bürgerinitiative damit begonnen, ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Schon die Festlegung des Gefährdungspotenzials sei nicht einfach, so Kinkel. Für den Bürger zählten die subjektive, gefühlte Wahrnehmung vor seiner Haustür oder mögliche Szenarien in Abhängigkeit von persönlichen Situationen wie Kleinkindern in der Familie. Letztlich aber könne man nur mit Daten der Vergangenheit arbeiten, erklärte Kinkel und sagte: "Auch wenn es mir keiner glaubt, muss ich feststellen, dass es kein Gefährdungspotenzial gibt."
Gleichwohl gebe es ein Potenzial für Radaranlagen, stellte der Bürgermeister fest und nannte als Beispiel die erfolgreiche verkehrsberuhigende Maßnahme mit erzieherischem Effekt in Oberreifenberg. Die bislang dort installierte Anlage könne durch eines der neuen Geräte ersetzt werden und an einem anderen Standort zum Einsatz kommen. Da die Kanonenstraße zwischen Hunoldstal und Hegewiese die am häufigsten befahrene Straße sei, könne in Absprache mit dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) und der Polizei die zweite neue Anlage in Höhe der Forsthausstraße aufgebaut werden. Da hohe Verkehrsaufkommen auch in Schmitten an der Abzweigung nach Niederreifenberg, am Ortsausgang von Niederreifenberg in Richtung Rotes Kreuz oder in der Ortsdurchfahrt Dorfweil zu verzeichnen seien, könnten nach ersten Erfahrungen weitere Standorte für einen begrenzten Zeitraum mobil mit der neuen Anlage bestückt werden. Die feste Installation der Anlagen an diesen Stellen werde wohl vom ASV nicht genehmigt, so Kinkel. Die vorhandene Anlage aus Oberreifenberg soll nach dem Willen der Ausschussmitglieder in der Straße "Zum Feldberg", der meist befahrenen innerörtlichen Straße auf dem Weg zur Schule installiert werden.
Da ab Mai ein weiterer Mitarbeiter für mobile Messungen zu Verfügung stehe, sollen diese erhöht werden. Verkehrsberuhigende Maßnahmen sollten nach Meinung Kinkels nicht nur auf Messungen beschränkt werden. Auch Kontaktschwellen, die vor Ampeln geschaltet werden, oder Geschwindigkeitsanzeigen könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Tomaschek plädierte für Schilder mit Geschwindigkeitsbeschränkungen etwa auf der Straße zwischen Brombach und dem Landstein. Dort sei eine Tempobegrenzung aus Sicht des ASV nicht gerechtfertigt, teilte der Bürgermeister mit, kündigte aber an: "Tempo 60 rund um die Ausfahrt zur Hegewiese kommt jetzt." Die Ausschussmitglieder sprachen sich für eine Weiterführung des Konzeptes aus, wenn im Herbst erste Auswertungen vorliegen.