Kritische Rede zum 50-jährigen Vereinsjubiläum des UTHC
06.07.2010 - USINGEN
Vereine sind die Säulen der Gesellschaft - Erstmals Ehrenmitglieder - Ideales Paar gekürt
(pw). Eine sehr beachtete Festrede hielt der erste Vorsitzende des Usinger Tennis- und Hockey-Clubs (UTHC), Dr. Wilhelmus Beijer, anlässlich der akademischen Feier im Kümmelsalon der Usinger Stadthalle.
Inhaltlich beeindruckte sie zum einen so sehr, dass jeder darauf folgende Grußwort-Redner - und derer gab es viele - direkt Stellung bezog. Zum anderen, weil Beijer ganz persönlich und ihm „sehr am Herzen liegend“ mit gekonnt geschliffenen Worten, das Verhältnis „Verein, Ehrenamt und Politik“ eindringlich, mit leisen, aber durchaus hörbaren Tönen, kritisch beleuchtete.
Vereine seien eine der wichtigsten Säulen der Gesellschaft, stellt Beijer fest. Durch das seiner Meinung nach immer größer werdende Bedürfnis nach Unterhaltung und Dazugehörigkeitsgefühl bei der intensiven Freizeitausnutzung erfülle der Sportverein eine immer wichtigere Funktion. Beijer allerdings habe eher das Gefühl, und nimmt dabei die Politik aufs Korn, dass die öffentliche Hand recht stiefmütterlich mit Vereinen, was die finanzielle Unterstützung betrifft, umgehe. Vereine hätten oftmals keine direkte oder entscheidende Lobby, die Zuständigkeiten seien leider über viele Ämter und Gremien verteilt. Somit könne ein Verein nur lebendig bleiben und Leistung anbieten, wenn es Menschen im Verein gäbe, die freiwillig und fast immer ohne Vergütung ihre Freizeit einsetzen und das Angebot so gestalten, dass andere es gerne in Anspruch nehmen und ihren finanziellen Beitrag leisten.
Das Ehrenamt sei die Basis jedes Vereins. Und somit sei ehrenamtliche Vereinsarbeit letztendlich auch die Basis für das Wohlergehen der Gesellschaft, betont Beijer. Viel zu oft werde das Ehrenamt als selbstverständlich hingenommen, lobende Worte oder Schulterklopfen sei bestenfalls der Maximallohn. Wesentlich öfter gebe es Vorwürfe bis hin zu Beschimpfungen, wenn alles nicht so organisiert sei, wie es sich ein zahlendes Clubmitglied vorstelle, drückt sich der Vorsitzende klar aus. Diese Art der Bewertung des Ehrenamtes führe deutlich dazu, dass sich immer weniger Mitglieder bereit erklären, ein Ehrenamt überhaupt zu übernehmen. Die Identifikation mit dem Verein werde zunehmend geringer, ebenso das Engagement des Einzelnen für das Vereinswohl, hob Beijer mahnend hervor. Heute sei die erste Prämisse zum Eintritt in den Verein gegen Zahlung eine bestimmte Leistung zu beklommen. Und dabei vergesse man, dass diese Leistung nur von ehrenamtlich tätigen Clubmitgliedern umsonst zur Verfügung gestellt werde. Leider würde dieser Umstand in den Ansprüchen der konsumorientierten Mitglieder keine Rolle spielen, setzt der Vorsitzende nach. Noch gebe es eine einigermaßen friedliche Koexistenz zwischen von Firmen betriebenen Ballsport-, Fitness- oder Tenniszentren und gemeinnützigen Vereinen.
Die Vereinsorganisation müsse derart effizient gestaltet werden, dass die zahlreichen Aufgaben nicht auf wenige, sondern auf viele Schultern verteilt werden. So könne ein Aussterben des Vereins durch schlechte persönliche oder finanzielle Organisation vermieden werden. Der UTHC sei aus diesem Grunde schon seit einigen Jahren mit einem erweiterten Vorstand, bestehend aus Teams, aktiv tätig. Man könne zwar viel selbst tun, aber hier seien ganz gezielt auch die Politik sowie die politischen Gremien ins Boot zu nehmen, äußert sich Beijer unumwunden in Richtung der eingeladenen Politiker zum Festakt aus Kommune, Bund und Land. Beijer verlangt Vereinsbezuschussungen; Aufwertung des Ehrenamts; finanzielle, steuerliche oder sonstige Vergünstigungen und gleiche Bewertungskriterien für alle Vereine. Glücklicherweise sei im Usinger Land in dieser Hinsicht Einiges verbessert worden. Wenn sich die Politik auch zukünftig vor Augen halte, dass ein Vereinsleben für die Gesellschaft lebenswichtig ist, sei man auf dem richtigen Weg. Der UTHC jedenfalls habe sich nie gescheut, neue Wege zu gehen. Sei es die Jugendarbeit mit dem professionellen Trainer Carlos Tarantino, die Integration der Hockey-Abteilung oder der Kauf der Traglufthalle. Stolz zeigte sich Beijer vor allem darüber, dass die Clubanlage zu mehr als 90 Prozent mit eigenen Händen und mit eigenen finanziellen Mitteln geschaffen wurde. Und schmunzelnd fügte er hinzu, dass man nicht umsonst sage, der UTHC habe „die schönste Sonnenterrasse in Usingen“.