Das letzte hessische Raubtier wurde im Winter 1840/41 nahe den Eschbacher Klippen erlegt
"Wolf, Hirsch, Steinbock, Gämse, Wald und Wildnis gehören zusammen. Und der Mensch darf dies nicht trennen, auch nicht in der heutigen Kulturlandschaft." Reinhard Schnidrig vom Schweizer Bundesamt für Naturschutz (BAFU) fordert das Bleiberecht nicht nur für den Wolf. Rund 150 Jahre nach seiner erfolgreichen Ausrottung- der letzte hessische Wolf wurde im Winter 1840/41 in der Nähe der Eschbacher Klippen im Usinger Land erlegt - wird die Suche nach einem Kompromiss im Nutzungskonflikt zwischen Mensch und Tier auch im Taunus drängender.
Der Luchs ist das erste Großraubtier, das in den Taunus zurückgekehrt ist. Auch wenn aus unserer Gegend noch kein vom Luchs gerissenes Reh bekannt ist, macht sich seine Anwesenheit dadurch bemerkbar, dass das Rehwild aufmerksamer wird. Wie lange es dauert, bis auch der erste Wolf bei uns in den ausgedehnten Wäldern auftaucht, kann niemand vorhersagen, aber er kommt näher.
Ausgehend von stabilen Populationen in Ostpolen drängt der Wolf auf uralten Wechseln immer weiter nach Westen. Seit 1995 hat er in Sachsen Fuß gefasst. Seitdem werden einzelne Tiere auch weiter westlich festgestellt. Im Mai 2008 konnte Forstamtsleiter Norbert Teuwsen "Das ist eine positive Sensation" vermelden: In seinem Revier im nordhessischen Reinhardswald streift ein junger Wolf umher, der erste frei lebende hessische Wolf seit rund 150 Jahren! Wahrscheinlich ist er bereits 2006 zugewandert, hat einzelne Fußabdrücke hinterlassen, wurde 2007 erstmals und in den folgenden Monaten immer öfter auch gesehen. Letzte Gewissheit brachte dann ein Foto. Danach verliert sich seine Spur im südlichen Niedersachsen.
Die Freude über die sich abzeichnende Rückkehr des Wolfes ist nicht ungeteilt. Die Ängste vor dem Raubtier, von vielen Vorurteilen über Jahrhunderte genährt, sitzen tief und in den Kreisen der Jägerschaft fürchtet man nichts mehr, als dass er ihnen ins Waidwerk pfuscht. "Wenn sich Großraubtiere bei uns unreguliert niederlassen und verbreiten, können einheimische Huftierarten ihretwegen derart abnehmen, dass man sie jagdlich nicht mehr nutzen kann."
Die Erfahrungen aus der Oberlausitz lehren uns aber auch, dass sich der Wildbestand auf die Anwesenheit der Wölfe einstellt und abgesehen von merklichen saisonalen Schwankungen nicht stark verändert.
Wer mehr zu diesem spannenden Thema erfahren möchte, dem sei das 2008 im Haupt Verlag erschienene Buch "Der Wolf, ein Raubtier in unserer Nähe" wärmstens empfohlen. Frei von Dogmen wartet das reich bebilderte und auch konzeptionell überzeugende Buch mit erstaunlichen Fakten, wahren Geschichten und interessanten Erfahrungsberichten auf. Dr. Ralf Klinger