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Wehrheim 

Verletzte Vogelspinne mit Puderzucker behandelt

18.09.2009 - WEHRHEIM

Terrarien mit Insekten und Spinnen, teils im XXL-Format lockten viele Besucher ins katholische Gemeindehaus St. Michael

(isa). 48 Terrarien mit exotischen Insekten und Spinnen, teils im XXL-Format lockten am Mittwochnachmittag viele Besucher ins katholische Gemeindehaus St. Michael. Dies war allerding keine Veranstaltung der Kirche, sondern die eines Privatmannes, der schon seit knapp 30 Jahren so von der Spinnen- und Insektenwelt fasziniert ist, dass er inzwischen nicht nur weit über 80 verschiedene Exemplare gesammelt hat, sondern seine Faszination an andere weitergeben möchte. Charly Sperlich aus Helm-stedt stellt in diesen Wochen daher auf einer Tournee quer durch Deutschland seine Tiere aus und war nun eben auch in Wehrheim. Im katholischen Gemeindehaus sei allerdings zu wenig Platz gewesen, um alle 80 Terrarien aufzustellen, erklärte Tochter Shirley Sperlich die in Wehrheim dadurch etwas kleiner ausgefallene Ausstellung. Die Besucher waren aber auch schon von dieser Auswahl beeindruckt und wagten nicht nur einen Blick in die Glaskästen, sondern nahmen auch mal ein Exemplar auf die Hand. Besonders die Kinder hatten weniger Berührungsängste und ließen sich stolz eine Vogelspinne auf die Hand setzen. Die eigentlich eher nachtaktiven Tiere waren etwas träge, so dass sie gut beobachtet werden konnten. Schließlich waren auch seltene Tiere dabei, wie eine Brachypelma Ruhnau, eine aus Mexiko stammende Tarantelart, die erst seit 1997 bekannt ist und sehr teuer gehandelt wird, weil sie nicht nur sehr selten vorkommt, sondern auch durch ihre Schönheit besticht. Je nach Lichteinfall glänzen ein Teil ihres Körpers golden und die Beinbehaarung bläulich.

Aber auch andere seltene und ganz besondere Exemplare konnten bestaunt werden, wie unter anderem eine Radnetzspinne, ein zehn Zentimeter großer Dreihornkäfer, Riesentausendfüßler mit bis zu 30 Zentimetern Länge oder Riesenstabschrecken mit 25 Zentimetern Körpergröße. Zu allen ausgestellten Exemplaren gab es Informationen, unter anderem zu Herkunft, Größe oder besonderen Merkmalen. Schließlich sei "Staunen und Lernen" das Motto und das Hauptanliegen der Ausstellung, betonte Shirley Sperlich.

Manche Besucher würden wohl auch noch den Begriff Gruseln dazu nehmen, denn hier und da konnten sie ein leichtes Schaudern nicht unterdrücken. Eine Besucherin hatte offensichtlich ihren eigenen Mut überschätzt. Sie hatte sich eine Vogelspinne auf die Hand setzen lassen und zuckte dann doch weg, als das Tier sich bewegte. Die Folge: die Spinne, übrigens bereits fast 30 Jahre alt und schon ebensolange im Besitz von Charly Sperling, fiel zu Boden, wobei ihr der Hinterleib aufplatzte. Tatsächlich wurde für diese Vogelspinne mit ihrer ansehnlichen Größe und dem entsprechenden Gewicht eine Fallhöhe von rund einem Meter lebensgefährlich, zumal es sich in der Natur um Bodenbewohner handelt. Im Gegensatz zu unseren heimischen, viel kleineren und leichteren Spinnen, die beim Fallen sofort einen "Sicherheitsfaden" abschießen, kann die Vogelspinne dies nicht und knallte daher ungebremst auf den harten Boden.

Die Veranstalter wussten sich aber zu helfen. Sie konnten die Spinne retten, indem sie sie in ein Schälchen mit Puderzucker setzten, der die Wunde verklebte, sodass diese in der nächsten Zeit hoffentlich verheilt. Dennoch ist die Aufregung erst einmal groß, wenn ein solcher Unfall passiert. "Bei den Kindern sind wir immer besonders achtsam, aber dass ein Erwachsener einfach die Hände wegzieht, wenn die Spinne auf der Hand beginnt zu krabbeln, damit haben wir nicht gerechnet. So schnell konnten wir die Spinne nicht mehr auffangen, obwohl wir daneben standen", zeigte sich Shirley Sperling auch nach der Rettung noch sehr erschrocken.

Ein sehr seltenes Exemplar der Brachypelma Ruhnau. Bild: Schmah-AlbertVergrößern

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