Mittwoch, 08. Februar 2012 22:48 Uhr
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Usinger Anzeiger

Wehrheim 

Neue Nutzungskultur für den Winterstein

26.10.2009 - PFAFFENWIESBACH

Was wird aus dem ehemaligen Truppenübungsplatz?

(sn). "Das war lange ein weißer Fleck auf der Landkarte gewesen", sagte Thomas Götz, Sachbereichsleiter forstliche Dienstleistungen und Hoheit des Forstamtes Weilrod, und meinte damit den Bereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes Winterstein bei Pfaffenwiesbach. Und OberMörlens Bürgermeister Sigbert Steffens ergänzte, dass das Gelände für über 30 Jahre aus den Köpfen der Bevölkerung verbannt war. In dieser Zeit sei die Nutzungsstruktur verloren gegangen. Jetzt gelte es eine neue Nutzungskultur aufzubauen, waren sich die Teilnehmer der Gesprächsrunde einig, die sich am Forsthaus Winterstein trafen.

Denn jetzt erobern sich die verschiedenen Nutzergruppen das Gelände zwischen Rosbach vor der Höhe, Pfaffenwiesbach und Ober-Mörlen zurück. Das eigentliche Schießgelände wurde dabei schon von Paintballgruppen, Quad-, Geländewagen- und Motorradfahrern "missbraucht", was mittlerweile durch geeignete Maßnahmen des Forstes, der für das Gebiet zuständig ist, verhindert wurde.

Denn gerade dieser Kernbereich von etwa 70 Hektar Fläche steht unter der Obhut der Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Richtlinie der Europäischen Union. Aber auch die übrigen Flächen stehen als Forstflächen unter dem Schutz des Hessischen Forstgesetzes, des Bundesjagdgesetzes und des Hessischen Naturschutzgesetzes betonte Götz, der die passenden Stellen aus den Gesetzen zitierte. Dabei sei der Satz "Jeder darf den Wald zum Zwecke der Erholung betreten" dem Forst Verpflichtung, aber es gebe natürlich Einschränkungen. So sei das Befahren mit nicht motorisierten Fahrzeugen auf die Wege und Straßen beschränkt, während das Fahren mit Kraftfahrzeugen der Erlaubnis des Waldbesitzers bedürfe.

Das aktuelle Problem im Bereich Winterstein, das den Anlass für dieses Treffen darstellte, ist die Nutzung eines querfeldein verlaufenden Down-Hill-Pfades für Mountainbiker sowie die Nutzung des Weltkulturerbes Limes als Mountainbikestrecke. Bernd Hallmann vom Skiclub Winterstein Bad Nauheim, dem auch eine Mountainbikeabteilung angegliedert ist, erläuterte, was den Limes als Strecke so attraktiv gemacht habe: die Länge, das Gefälle und die Schwierigkeit. Die Rinne auf dem Wall sei allerdings erst in den vergangenen zehn bis 15 Jahren entstanden.

Um die Mountainbiker von der Zerstörung dieses Weltkulturerbes abzuhalten, hat der Forst jetzt an mehreren Stellen Baumkronen über den Weg gelegt. Dr. Jörg Lindenthal, Archäologische Denkmalpflege Wetteraukreis, gab zu, dass sich der Limes optisch nicht von anderen Wällen und Landwehren unterscheide. Allerdings weise eine noch von den Amerikanern an Bäumen angebrachte rot-gelbe Markierung auf den römischen Grenzwall hin, ergänzte Steffens. Denn schon die US-Truppen wollten bei ihren Übungen Rücksicht auf dieses archäologische Bodendenkmal nehmen. Zu dem Downhillpfad, der kurz unterhalb des Wintersteins beginnt, erklärte Hallmann, dass dieser bereits seit 2003 existiere. Damals nutzten die Mountainbiker die manöverfreien Zeiten. 2004 sei ein "Jump", eine Art Sprungschanze gebaut worden. Und zurzeit weist die Strecke, an der sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde trafen, drei Sprünge auf und kreuzt einen Wanderweg.

Für Heinz Sill, Umweltberater der Stadt Rosbach und Revierförster, fehlten in der Runde an diesem Tag Vertreter der Reiter, Wanderer, Jogger, Jäger und eventueller anderer Nutzergruppen, die sich arrangieren und gegenseitig respektieren müssten. Allerdings könne es nicht Ziel sein, für jede Nutzergruppe eigene Wege auszuweisen, betonte Götz. Eher sei es Absicht, die Aktivitäten auf weniger Wege zu konzentrieren, um mehr Ruhezonen für das Wild, insbesondere auch die Wildkatze, zu schaffen, denn zurzeit sei die Wegedichte hier sehr hoch, befand auch Michael Schwarz von der Unteren Naturschutzbehörde des Wetteraukreises.

An diesem Tag konnte und sollte auch noch keine Lösung für das Problem gefunden werden, in dessen Diskussion noch weitere Stellen und Nutzergruppen einbezogen werden sollen.

Der Downhillpfad im Wintersteingebiet, den die Teilnehmer der Diskussionsrunde besuchten, ist illegal angelegt. Bild: S. Neugebauer


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