Kunst und Kult mit Jazz und Jux bleiben hoffähig
02.09.2010 - GEMÜNDEN
Buntes Hofkonzert von und mit Prof. Dr. Horst Seibert
(ek). Einen Sommerabend mit Kunst und Kult und Jazz und Jux hatte Professor Dr. Horst Seibert für das Hofkonzert in seinem Anwesen in Gemünden versprochen. Auch wenn die junge Sängerin Julia Haase aus Friedrichsthal und das Neu-Anspacher Duo Jazz-Cosy am Samstagabend ausgefallen waren, war das Programm bunt wie immer: Ein gewagter aber auch gelungener Spagat zwischen Operette, Chorgesang, Seemannsliedern, Blues, Folk und Pop.
Die besondere Mischung, gepaart mit dem entsprechenden Niveau der Darbietungen und dem reizvollen Ambiente scheint das Erfolgskonzept zu sein, warum das Hofkonzert inzwischen zu den kulturellen Höhepunkten in Gemünden gehört. Als Benefiz-Konzert wurde die Veranstaltung zudem von privaten Sponsoren unterstützt. Und die Gemündener Vereine, die Freiwillige Feuerwehr, die Landfrauen und der Schützenverein, kümmerten sich um Bestuhlung und Beleuchtung sowie Speisen und Getränke. Der Spendenerlös kommt dem Hilfsverein Usinger Land, „Wir Helfen“, der öffentliche Hilfe-Einrichtungen wie Kinderkliniken und Hospize unterstützt, sowie dem Verein zur ganzheitlichen Förderung der Gesundheit (Ganz), der unter anderem alleinerziehende Mütter und Väter in Notsituationen betreut, zugute. Der Knüller des Abends war mit Sicherheit eine als „Operettenradikalkonzentrat“ angekündigte demokratische Sparversion der Operette „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“. Zwei Sänger (Horst Seibert und Jutta Schiliro) ersetzten ein 19-köpfiges Gesangsensemble, dafür durften alle stimmberechtigten Zuhörer bei den beliebten Melodien mitsingen, Adolf Bauer an der Zither ersetzte ein 40-köpfiges Orchester, als Berliner Trikotagenvertreter wirkte Klaus-Dieter Bartel mit seiner echt Berliner Schnauze in einer Sprechrolle mit, und das Ganze dauerte vor dem witzigen Unterhosen-Bühnenbild nur unterhaltsame 15 Minuten statt zweieinhalb Stunden.
Gastgeber Seibert, der sich mit seiner Bassbariton-Stimme nicht nur der Klassik verschrieben hat, stimmte in einem weiteren Auftritt „Amazing Grace“ an, wobei er wie bei „Great Dream from Heaven“ von Klaus Dreßel an der Gitarre begleitet wurde. Dreßel blieb auf der Bühne, um dann mit Jürgen Golbs-Lussem dem Blues zu huldigen. Als Duo „Inside Blues“ sind die beiden Gitarristen und Sänger in ihrem Element, und mit Titeln wie „Going up the country“ von Canned Heat oder „Wonderful tonight“ von Eric Clapton zeigten sie, dass sie den Blues verinnerlicht haben, und waren dabei ganz nah dran am Publikum.
Das waren auch „Die fidelen Seelüd“, der Shantychor aus Hasselbach, unter Leitung von Michael Rumpf, die gekonnt und mit Erfolg gegen die düsteren Wolken am Himmel ansangen. Mit „What shall we do with the drunken sailor“ oder dem „Hamburger Veermaster“ hielten auch sie Kurs auf gute Stimmung und animierten bei „La Paloma“ die begeisterten Besucher zum Mitsingen. Als Überraschungsgast präsentierten die sangesstarken Hasselbacher bei ihrem zweiten Auftritt die talentierte Jessica Rumpf, die als Solistin mit „Seemann, lass das Träumen“ überzeugte und nicht enden wollenden Applaus für ihre Version von „Amazing Grace“ erhielt.
Inzwischen nicht mehr wegzudenken beim Hofkonzert sind die „MEOs“, das Monday Evening Orchestra. Die sieben singenden und Gitarre spielenden Frauen hatten „Nun, Freunde“ von Hannes Wader oder „Über sieben Brücken“ von Peter Maffay im Gepäck aber auch den Gospel-Klassiker „O Happy Day“. Der Wernborner Chor „Da Capo“ zeigte unter Leitung von Andreas Mlynek seine ganze Bandbreite von Gospel über Ragtime bis Pop und zu einem anspruchsvollen Stück aus dem walisischen Musik-Projekt Adiemus.
Nach dem offiziellen Ende des gelungen Hofkonzerts feierten ein Großteil der diesjährigen Hof-Stars und etliche begeisterte Besucher noch gemeinsam im Hof und der gemütlichen Scheune.