Samstag, 04. Februar 2012 16:12 Uhr
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Usinger Anzeiger

Weilrod 

„Infektion ist eine Bürde, aber auch eine Chance“

01.09.2010 - ROD AN DER WEIL

Schirin Bogner zu Gast beim ersten Flohmarkt in Rod zugunsten des Vereins „Aids-Aufklärung“ - 700 Euro überreicht



(sn). „Es ist eine Bürde, aber ich begreife es auch als eine Chance“, sagt Schirin Bogner über ihre HIV-Infektion. Die 25-Jährige ist seit ihrer Geburt HIV-positiv und hat auch ihre Eltern durch diese Krankheit verloren. Am Samstag war sie zu Gast beim ersten Flohmarkt in Rod an der Weil zu Gunsten des Vereins „Aids-Aufklärung“, Frankfurt.

Gemeinsam mit Eva Hartgenbusch hat die damals 16-Jährige das Buch „Ich wollte hundert Jahre werden“ über ihr Leben mit dem HI-Virus geschrieben, das im Jahr 2001 erschienen ist. Ihre Chance sieht sie jetzt darin, dass sie in Schulen für den Verein „Aids-Aufklärung“ ehrenamtlich unterwegs ist und dort mit den Jugendlichen ins Gespräch kommt. Bogner will jetzt ihr Fachabitur nachmachen und anschließend Sozialarbeit studieren. Sie hofft dann auf eine Festanstellung im Aids-Präventionsbereich, denn auf dem freien Arbeitsmarkt hat sie aufgrund ihrer Bekanntheit und ihrer Infektion keine Chance.

Hildi Keul von der „Aids-Aufklärung“ betrachtete es als einen großen Vorteil, dass zurzeit Bogner und ein HIV-positiver Mann, beide mit unterschiedlichen Biografien, die Mädchen und Jungs getrennt über Sexualität und Aids informieren können. Denn diese Aufklärung ist gerade in einem sensiblen Alter nötig. Die Jugendlichen seien immer sehr interessiert und sehr bewegt, wenn sie mit ihr sprächen, betonte Bogner. Sie berichtet auch, dass an der Frankfurter Universitätsklinik, wo sie selbst auch in Behandlung sei, zurzeit 60 infizierte Kinder betreut würden. Bundesweit seien etwa 200 Kinder betroffen. In Deutschland sei der HIV-Test im Mutterpass immer noch nicht vorgeschrieben, wie in Österreich, wo sie herstammt. Dort sei es dadurch gelungen, die Rate von Neugeborenen mit HIV-Infektion auf null zu senken.

„Ich finde es großartig, dass es solche Menschen gibt“, freute sich Bogner und meinte damit Sabine Rockhoff aus Cratzenbach, die zwei HIV-infizierte Kinder adoptiert hat und immer wieder welche in Pflege nimmt. Aber sie lobte auch die Organisatorin des Flohmarkts, Christina Stupp aus Hasselbach. Diese konnte Keul und Bogner abschließend 700 Euro überreichen, die sich aus den Einnahmen des Kaffee- und Kuchenverkaufs, den Standgebühren, Spenden und der Tauben-Start-Gebühr zusammensetzen. Denn Lars Mannsbart aus Langenbach war mit 30 Tauben angereist, die die Kinder mit Briefchen versehen starten lassen durften. Für den Flohmarkt hatten einige angemeldete Standbetreiber wegen des unbeständigen Wetters wieder abgesagt, aber trotzdem herrschte hier auf dem Rewe-Parkplatz eine gute Stimmung. Und bei den trotzdem aufgebauten Ständen, die zwischendurch immer wieder unter Regenplanen verschwanden, ging doch so mancher „Floh“ über den „Ladentisch“.



Fabienne Dreyer liässt beim Flohmarkt zugunsten der Aids-Aufklärung eine der Tauben von Lars Mannsbart starten. 	Foto: S. Neugebauer

Fabienne Dreyer liässt beim Flohmarkt zugunsten der Aids-Aufklärung eine der Tauben von Lars Mannsbart starten. Foto: S. Neugebauer


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