Von Andrea Löbbecke, dpa
Kirn (dpa/tmn) - Soonwald? Wo soll der denn sein? Es ist sicher wahr, dass das Wanderrevier zwischen dem Hauptkamm des Hunsrücks und dem Nahetal nicht zu den bekanntesten Zielen in Deutschland zählt.
Mit dem neuen, 83 Kilometer langen Soonwaldsteig vom westlichen Zipfel der Region bis zum Rhein soll sich das nun aber ändern. Der Soonwald gehört zu den größten zusammenhängenden Wäldern in Deutschland, oft treffen Wanderer über Dutzende Kilometer auf kein Haus. Dennoch ist das Gebiet gut zu erreichen - etwa vom Rhein-Main-Gebiet aus in rund einer Stunde mit dem Auto oder dem Zug.
Auf ihre Kosten kommen vor allem Wanderer, die dichte Wälder und Einsamkeit lieben. Sie können über weite Strecken mit dem Gefühl laufen, dass der Weg allein ihnen gehört. Idealer Startpunkt für die Wanderung ist Kirn an der Nahe im Westen des Soonwalds. Nach einem kurzen Rundgang durch den Ortskern mit seinen hübschen Fachwerkhäuschen führt der Weg schon bald heraus aus dem Tal. Vorbei an der Ruine Kallenfels geht es zum Schloss Wartenstein, wo sich Besucher über den Naturpark Soonwald-Nahe informieren können.
Eine erste Übernachtung bietet sich in Bundenbach an - samt Besichtigung der Schmidtburg. Das weitläufige Gemäuer aus Ober- und Unterburg - heute nur noch eine Ruine - stammt ursprünglich aus dem Jahr 929 und ist damit eine der ältesten Burgen im Nahe- und Hunsrückraum. In unmittelbarer Nähe gibt es auch ein Freilichtmuseum, in dem eine Keltensiedlung nachgebaut wurde.
Weiter führt die Route nach Gemünden - oft durch lichte Eichenwäldchen und mit ein bisschen Kraxelei. Erst geht es hoch zum Teufelsfelsen und dann über große Steinhalden auf dem schmalen Kamm des kleinen Soons bis zum Simmerbachtal. Danach wartet auf den Wanderer ein weiterer kerniger Anstieg zur Burgruine Koppenstein, einem markanten Wahrzeichen des Höhenzuges Großer Soon. Auf dem Weg zur Ellerspring, mit 657 Metern die höchste Erhebung des Soonwaldes, zieht sich der Weg meist als schmaler Pfad neben der Forststraße entlang.
Bei dem Steig, der sich um das Prädikat «Premiumweg» des Deutschen Wanderinstituts bewirbt, wurde sehr auf naturbelassene Routen geachtet - Asphaltstücke sind die absolute Ausnahme. Bekommt er das begehrte Siegel, dann wären mit dem Soonwaldsteig auf gleichbleibend hohem Niveau der Saar-Hunsrück-Steig und der Rheinsteig miteinander verbunden - beides sind ebenfalls Premium-Wanderwege, die hohe Anforderungen erfüllen müssen.
Ist das Guldenbachtal durchquert, beginnt auch schon der Endspurt Richtung Rhein durch den Binger Wald. Erst bleiben die Pfade noch einsam, aber spätestens ab der Gaststätte «Jägerhaus» sind immer mehr Ausflügler und Kindergruppen unterwegs. Kein Wunder: Kleine Wanderer können sich in der «Steckeschlääferklamm» auf die Suche nach versteckten Gesichtern und Fratzen machen, die ein Künstler in die Baumstämme geschnitzt hat. Romantisch wird es im engen und steilen Morgenbachtal, bevor die teilweise mit Geländern gesicherten Wege hinauf zu den Rheinhöhen führen.