99-Jähriger kämpft sich über 42,195 Kilometer
14.09.2010 - HOCHTAUNUSKREIS
Der Inder Fauja Singh ist der älteste Marathonläufer der Welt und startet im Oktober beim Frankfurt-Marathon in der Staffel - 50 Jahre Trainingspause
USINGEN (kie). Fauja Singh, mit 99 Jahren der älteste Marathonläufer, startet am 31. Oktober beim „Commerzbank Frankfurt Marathon“. Der sportliche Oldie aus London ist Weltrekordinhaber der Altersklasse M-90, den er im September 2003 mit 5:40:04 Stunden beim Waterfront-Marathon in Toronto aufstellte. In der Mainmetropole wird es der gebürtige Inder jedoch etwas ruhiger angehen lassen und „nur“ am VGF-Staffelmarathon teilnehmen, bei dem sich vier Athleten die klassische Distanz von 42,195 Kilometern teilen.
Zur Auswahl stehen beim Team-Wettbewerb Teilstücke über zwölf, sechs, zehn und 14,2 Kilometer. Konkret wird die Benennung von Singhs drei (prominenten) Staffelkollegen in den nächsten Tagen. Sicher ist jedoch, dass Fauja Singh den Schlusspart in der Staffel übernimmt und somit über die Ziellinie in der Frankfurter Festhalle laufen wird. „Es ist eine große Ehre für uns, dass er erstmals am Frankfurt Marathon teilnimmt“, sagt Renndirektor Jo Schindler. Mitte Mai kam es beim Luxenburg-Marathon zu einem Treffen zwischen dem Macher des ältesten deutschen Stadtmarathons und dem Inder. Singh lief dort in 3:32:30 Stunden die Halbmarathon-Distanz.
Der gläubige Sikh verfehlte den Weltrekord in der Altersklasse M-95 des Schweden Wiktor Burgren damals wohl nur, weil er unterwegs einmal falsch abgebogen war und deshalb einen Kilometer mehr absolvierte als vorgesehen. „Das waren im Frühjahr sehr emotionale Momente mit Fauja Dingh“, so Schindler weiter. Der drahtige Inder, übrigens Vater von sechs Kindern und 52 Kilogramm leicht, ist rund um die Welt für diverse wohltätige Organisationen aktiv und hält zudem mehr als ein Dutzend Altersklassenrekorde.
Zudem ist er „das Gesicht“ im globalen Senioren-Laufsport, seit er nach einer Trainingspause von einem halben Jahrhundert vor 20 Jahren wieder mit dem Laufen begann. „Fauja ist ein unglaubliches Phänomen“, bestätigt auch sein Trainer und Mentor Harmander Singh, der in Frankfurt seinen bereits 48. Marathonlauf bestreiten wird.
Klar, dass die überragenden Leistungen des Inders in den vergangenen Jahren rund um den Globus für Aufsehen gesorgt haben. So war er zusammen mit Fußball-Legende David Beckham für einen großen Sportartikelhersteller aktiv, bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen war er Fackelläufer und ist momentan Botschafter für Olympia 2012 in London. Singh lebt zwar seit Ende der 70er Jahre in der britischen Metropole, doch bis heute spricht er kein Englisch. Lediglich Panjabi, die Sprache aus seiner indischen Heimatregion, beherrscht er. Seine wenigen Starts kann sich Singh mittlerweile längst aussuchen. Im vergangenen Frühjahr wurde kolportiert, die Veranstalter in New York würden im November 2011 satte 100 000 Dollar bieten, damit er nächstes Jahr als erster 100-jähriger einen Marathon läuft. Auf die etwas sonderbare Offerte reagierte der mobile Senior jedoch recht zurückhaltend. Geld interessiere ihn ohnehin kaum, und der Boston-Marathon im Frühjahr 2011 sei schließlich auch eine schöne Veranstaltung. Was auch immer die sportliche Zukunft bringt - im Oktober wird Singh auf jeden Fall in der Mainmetropole die Laufschuhe schnüren.