Querschnittsgelähmter Elmar Fischer startet wieder bei Wettbewerben - Immer mit Sicherheitspilot am Himmel unterwegs
KIRCHHEIM/TECK (sch). „Da hast du die Wahl zwischen Resignation und Weitermachen“, sagte Elmar Fischer, Segelflugpilot und Teilnehmer beim renommierten Hahnweide-Wettbewerb, der bei schwierigsten Wetterbedingungen dem internationalen Teilnehmerfeld alles abverlangte. Seine Bemerkung galt aber dem Besonderen daran: Fischer ist querschnittsgelähmt, sitzt im Rollstuhl und trat gegen lauter gesunde Gegner an.
Der Autounfall des 37-Jährigen ist 16 Jahre her und Segelflieger Fischer hat nicht resigniert, sondern es mit zähem Willen zurück ins Cockpit geschafft. Was überhaupt nicht selbstverständlich ist, denn an Piloten werden, anders als bei Autofahrern, erheblich höhere Anforderungen an die Gesundheit gestellt. So ist eine regelmäßige Prüfung beim Fliegerarzt vorgeschrieben und seine Flugtauglichkeit, die war natürlich erst einmal dahin. Doch der Traum vom Fliegen und seine Hartnäckigkeit brachten Fischer zurück in die Luft. Gerne zitiert er Reinhard Meys Lied „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Der Luftsportclub Bad Homburg (LSC) ließ für sein langjähriges Mitglied, das sich stark in der Vereinsarbeit engagiert, den Hochleistungs-Doppelsitzer „Duo XLT“ mit einer zusätzlichen Handsteuerung ausrüsten. Anstelle der Fußpedale kann Fischer so seine linke Hand zur Kontrolle des Seitenruders einsetzen. Dazu kommt ein Sicherheitspilot, der immer im zweiten Sitz mitfliegt. Beim Hahnweide-Wettbewerb, dem ersten nach seinem Unfall, war dies Fluglehrer Jörg Moses.
Großer Zusammenhalt
Sieben Monate lag Fischer damals nach dem Unfall, der sein Leben fundamental veränderte, im Krankenhaus. Und als der Segelflugsportler zurückkam, „wusste anfangs keiner im Verein, wie man mit mir umgehen soll. Ich aber auch nicht, wie mit mir selber“. Für alle war es ein gemeinsames, gegenseitiges Lernen. Bewährt hat sich damals wie heute die traditionell enge Gemeinschaft der Segelflieger, die ihren Sport nie alleine, sondern immer nur zusammen ausüben können und an gegenseitige Hilfe gewöhnt sind. So gut der Querschnittsgelähmte heute in den normalen Segelflugbetrieb integriert ist, so steht er doch besonderen Schwierigkeiten gegenüber: „Ich kann nicht einfach zum Platz rausfahren und losfliegen, ich muss immer erst den Sicherheitspiloten organisieren. Dann ermüde ich schneller als andere und brauche für die Flüge auch eine viel längere Vorbereitungszeit. Aber das Fliegen ist so traumhaft und Natur und Landschaft von oben zu genießen, das ist einfach irre.“
Beim Streckensegelflug kommt es darauf an, thermische Aufwinde, die durch das Aufsteigen der von der Sonne erhitzten Luft entstehen, zum Höhengewinn zu nutzen. Das geschieht durch steiles Kreisen, denn die Aufwindpakete haben nur einen kleinen Durchmesser. Mit dieser Höhe wird dann geradeaus zum nächsten durch Wolken markierten Aufwind geglitten und dort erneut eingekreist - „Kurbeln“ nennen das die Segelflieger. So reisen sie mit einem sägezahnartigen Höhenprofil über der Landschaft, beobachten die Wetterentwicklung, navigieren nach Karte oder elektronisch und beobachten den Luftraum, um anderen Flugzeugen auszuweichen. Oft über sechs, sieben, acht Stunden lang, wobei Strecken von bis zu 1000 Kilometern zurückgelegt werden. Beim Wettbewerb gewinnt, wer dies als Schnellster schafft.