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Usinger Anzeiger

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Willensstark zurück ins Cockpit

21.05.2010 - WETTER

Querschnittsgelähmter Elmar Fischer startet wieder bei Wettbewerben - Immer mit Sicherheitspilot am Himmel unterwegs



KIRCHHEIM/TECK (sch). „Da hast du die Wahl zwischen Resignation und Weitermachen“, sagte Elmar Fischer, Segelflugpilot und Teilnehmer beim renommierten Hahnweide-Wettbewerb, der bei schwierigsten Wetterbedingungen dem internationalen Teilnehmerfeld alles abverlangte. Seine Bemerkung galt aber dem Besonderen daran: Fischer ist querschnittsgelähmt, sitzt im Rollstuhl und trat gegen lauter gesunde Gegner an.

Der Autounfall des 37-Jährigen ist 16 Jahre her und Segelflieger Fischer hat nicht resigniert, sondern es mit zähem Willen zurück ins Cockpit geschafft. Was überhaupt nicht selbstverständlich ist, denn an Piloten werden, anders als bei Autofahrern, erheblich höhere Anforderungen an die Gesundheit gestellt. So ist eine regelmäßige Prüfung beim Fliegerarzt vorgeschrieben und seine Flugtauglichkeit, die war natürlich erst einmal dahin. Doch der Traum vom Fliegen und seine Hartnäckigkeit brachten Fischer zurück in die Luft. Gerne zitiert er Reinhard Meys Lied „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“. Der Luftsportclub Bad Homburg (LSC) ließ für sein langjähriges Mitglied, das sich stark in der Vereinsarbeit engagiert, den Hochleistungs-Doppelsitzer „Duo XLT“ mit einer zusätzlichen Handsteuerung ausrüsten. Anstelle der Fußpedale kann Fischer so seine linke Hand zur Kontrolle des Seitenruders einsetzen. Dazu kommt ein Sicherheitspilot, der immer im zweiten Sitz mitfliegt. Beim Hahnweide-Wettbewerb, dem ersten nach seinem Unfall, war dies Fluglehrer Jörg Moses.

Großer Zusammenhalt

Sieben Monate lag Fischer damals nach dem Unfall, der sein Leben fundamental veränderte, im Krankenhaus. Und als der Segelflugsportler zurückkam, „wusste anfangs keiner im Verein, wie man mit mir umgehen soll. Ich aber auch nicht, wie mit mir selber“. Für alle war es ein gemeinsames, gegenseitiges Lernen. Bewährt hat sich damals wie heute die traditionell enge Gemeinschaft der Segelflieger, die ihren Sport nie alleine, sondern immer nur zusammen ausüben können und an gegenseitige Hilfe gewöhnt sind. So gut der Querschnittsgelähmte heute in den normalen Segelflugbetrieb integriert ist, so steht er doch besonderen Schwierigkeiten gegenüber: „Ich kann nicht einfach zum Platz rausfahren und losfliegen, ich muss immer erst den Sicherheitspiloten organisieren. Dann ermüde ich schneller als andere und brauche für die Flüge auch eine viel längere Vorbereitungszeit. Aber das Fliegen ist so traumhaft und Natur und Landschaft von oben zu genießen, das ist einfach irre.“

Beim Streckensegelflug kommt es darauf an, thermische Aufwinde, die durch das Aufsteigen der von der Sonne erhitzten Luft entstehen, zum Höhengewinn zu nutzen. Das geschieht durch steiles Kreisen, denn die Aufwindpakete haben nur einen kleinen Durchmesser. Mit dieser Höhe wird dann geradeaus zum nächsten durch Wolken markierten Aufwind geglitten und dort erneut eingekreist - „Kurbeln“ nennen das die Segelflieger. So reisen sie mit einem sägezahnartigen Höhenprofil über der Landschaft, beobachten die Wetterentwicklung, navigieren nach Karte oder elektronisch und beobachten den Luftraum, um anderen Flugzeugen auszuweichen. Oft über sechs, sieben, acht Stunden lang, wobei Strecken von bis zu 1000 Kilometern zurückgelegt werden. Beim Wettbewerb gewinnt, wer dies als Schnellster schafft.

Leider war der Hahnweide-Wettbewerb mit sehr schlechtem Wetter, viel Regen und Kälte „gesegnet“. So kam es an fünf Tagen zur „Neutralisation“, nur an dreien konnte das Duo Fischer/Moses mit dem Duo XLT (das neueste Flugzeug des Vereins) an den Start gehen. Am ersten Tag schaffte man die gestellte Aufgabe - ein Dreick von nur 205 Kilometern Länge (schon an dieser kleinen Aufgabe ersieht man die schlechten Wetterbedingungen) - mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 88 Stundenkilometern. Was immerhin Platz sechs von 24 Teilnehmern bedeutete.

Spannender Wettkampf

Am zweiten Tag kam das Feld zwar noch in die Luft, wurde aber dort wegen Wetterverschlechterung neutralisiert, musste also unverrichteter Dinge wieder zurück und landen. Am vierten Tag kam der dritte und letzte Flug zustande. Fischer/Moses schafften mit nur 97 Kilometern die geforderten 145 Kilometer zwar nicht, konnten aber dank des eingebauten Hilfstriebwerkes („Turbo“) eine Ackerlandung vermeiden und zum Flugplatz zurückkehren. Auch dieser Flug wurde später nicht gewertet, da zu viele Teilnehmer die Minimalstrecke von 100 Kilometern nicht geschafft hatten - die Sportordnung fordert 25 Prozent.

„Es war spannend, gerade der Wechsel von brauchbarem zu schlechten Wetter. Oben auf der Alb war es manchmal sogar gut“, so ein zufriedener Fischer, der im ersten Wettbewerb als Behinderter mit seinem Copiloten Gesamt-Sechster wurde - eine ausgezeichnete Leistung. „Und die Gewissheit, dank des Motors abends nach Hause zu kommen, war doch eine große Beruhigung.“ Denn normalerweise landen Segelflieger bei ausbleibender Thermik auf Äckern. Was zwar nicht gefährlich ist, aber das Abbauen des Flugzeugs auf dem Feld und die sich anschließende stundenlange Rückholaktion per Hänger, die möchte Fischer heute lieber nicht mehr erleben.

Elmar Fischer (links) und Jörg Moses bereiten sich auf einen gemeinsamen Wettbewerbsflug vor.	Foto: Schwager

Elmar Fischer (links) und Jörg Moses bereiten sich auf einen gemeinsamen Wettbewerbsflug vor. Foto: Schwager


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