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Mordprozess um falsche Ärztin Meike S.: Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe

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Von: Maja Yüce

Eine falsche Ärztin aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist am Landgericht Kassel angeklagt.
Eine falsche Ärztin aus dem Schwalm-Eder-Kreis ist am Landgericht Kassel angeklagt. © Archivfoto: Dieter Schachtschneider

Drei Menschen soll Meike S., die sich in Fritzlar als Ärztin ausgegeben hat, ermordet haben. Die Staatsanwaltschaft Kassel fordert nun die Höchststrafe.

Fritzlar/Kassel – Im Mordprozess gegen die falsche Ärztin Meike S. fordert die Staatsanwaltschaft Kassel die Höchststrafe für die 51-Jährige: lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem mehrstündigen Schlussvortrag in nicht öffentlicher Verhandlung vor dem Landgericht Kassel am Mittwoch beantragt, die Angeklagte wegen Mordes in drei Fällen, wegen versuchten Mordes in zehn Fällen und wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen – allesamt in Tateinheit mit unerlaubter Verabreichung von Betäubungsmitteln – zu verurteilen.

Fritzlar/Kassel: Niedrige Beweggründe bei falscher Ärztin Meike S. vermutet

In den Fällen des Mordes sowie des versuchten Mordes hat die Staatsanwaltschaft jeweils das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe als erfüllt angesehen. Demnach geht sie davon aus, dass die Angeklagte den Tod der jeweiligen Patienten billigend in Kauf genommen hat, also mit einem sogenannten bedingten Vorsatz gehandelt hat.

Hinzu kommen: Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung und Missbrauchs von Berufsbezeichnungen sowie wegen Missbrauchs von Titeln. Des Weiteren beantragte die Staatsanwaltschaft in ihrem Schlussvortrag die Anordnung eines lebenslangen Berufsverbots, bezogen auf alle Heilberufe, die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von über 162 000 Euro und die Einziehung von Computern und Urkunden als Tatmittel. Der Einschätzung der Staatsanwaltschaft schloss sich der Vertreter der Nebenklage, Carsten Drastik, in seinem Plädoyer an.

Fritzlar/Kassel: Ursprünglicher Vorwurf: Falsche Ärztin soll fünf Menschen getötet haben

Der ursprüngliche Vorwurf: Meike S. soll am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar zwischen 2015 und 2018 fünf Menschen getötet haben, bei deren Operationen sie für die Narkose zuständig war. Sie hat laut Anklage nie ein Medizinstudium abgeschlossen und sich mit falschen Angaben die Einstellung als Ärztin erschlichen.

Allerdings ist laut Staatsanwaltschaft in zwei Fällen, die als Morde angeklagt wurden, ein ursächlicher Zusammenhang der Behandlungsfehler und dem Tod der Patienten nicht nachzuweisen. Daher gehe man in diesen Fällen nun von versuchtem Mord aus, so Dr. Stephan Schwirzer, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Hauptverhandlung wird am Mittwoch, 11. Mai, 9 Uhr, mit dem Schlussvortrag der Verteidigung fortgesetzt. Die Angeklagte kann sich danach im sogenannten „letzten Wort“ äußern. Bislang hatte Meike S. vor Gericht geschwiegen. (Maja Yüce)

Besondere Schwere der Schuld

Mord in drei Fällen und die besondere Schwere Schuld, so lautet die Bewertung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage im Prozess gegen die „falsche Ärztin“ Meike S.. Folgt das Gericht in seinem Urteil der Einschätzung, dass die Schuld von Meike S. besonders schwer wiegt, wäre nach Ablauf der Mindestverbüßungszeit von 15 Jahren die sonst zulässige Aussetzung des Rests der lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgeschlossen. 

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