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Symbolfoto Gericht

Arzt-Prozess

56.000 Euro für ein Leben: Bad Homburger Arzt wegen fahrlässiger Tötung zu Geldstrafe verurteilt

Ein Arzt aus Bad Homburg ist wegen fahrlässiger Tötung eines Mannes zu einer Geldstrafe verurteilt worden, das Verfahren gegen eine Assistenzärztin ist dagegen eingestellt worden.

Bad Homburg. Ein Arzt aus Bad Homburg muss wegen der fahrlässigen Tötung eines Patienten eine Geldstrafe von 56.000 Euro bezahlen. Er hatte einen Mann, der sich bei einem Fahrradsturz am Hals verletzt hatte, fälschlicherweise ohne Behandlung nach Hause entlassen. Damit wurde dieser Mann vom Unfall- zum Arzt-Opfer: Etwa eine Stunde nach der Entlassung lief er blau an, röchelte, fiel um und wurde bewusstlos. Seine Atemwege waren zugeschwollen.

Mit einem Rettungswagen wurde der Oberurseler noch in eine Klinik gebracht, doch die Ärzte konnten ihn nicht mehr retten. Warum der nun verurteilte Belegarzt der Bad Homburger Klinik nicht dafür gesorgt hatte, dass der Mann stationär aufgenommen wurde, war in den vielen Prozesstagen im Frankfurter Landgericht letztlich unklar geblieben.

Sein Rechtsanwalt hatte versucht, die Schuld auf andere zu schieben - sein Mandant sei lediglich um einen Rat gebeten worden, meinte er. Dabei hätten bei dem Arzt bei der Untersuchung des 74-Jährigen gleich aus mehreren Gründen die Alarmglocken laut läuten müssen.

Hals stark angeschwollen

So war der Hals des Mannes so stark geschwollen, dass er laut Zeugenaussagen aussah »wie ein Frosch«. Seine Stimme wurde immer kloßiger, im Hals zeigten sich Blutungen. Weil er als Herzpatient zur Blutverdünnung das Medikament Marcumar nehmen musste, waren seine Blutgerinnungswerte übel. In dem Prozess sagten sachverständige Ärzte aus, der Mann hätte schon alleine wegen der Kombination Unfall und Marcumar auf jeden Fall zur Beobachtung in der Klinik bleiben müssen. Der Unfallarzt, zu dem der Mann damals im Sommer 2018 zuerst gegangen war, hatte sofort den Ernst der Lage erkannt. Er wies ihn als Notfall in die Bad Homburger Klinik ein, vermerkte dabei das Medikament Marcumar und schrieb: »Erbitte stationäre Einweisung«. Außerdem rief er den nun verurteilten HNO-Arzt an und bat ihn, sich des Patienten anzunehmen.

Ehefrau soll auf Opfer aufpassen

Der 74-Jährige kam in der Notaufnahme zunächst in die Obhut einer Assistenzärztin, diese führte alle nötigen Untersuchungen einschließlich Computertomografie durch. Dann erschien besagter HNO-Arzt, schaute sich den Hals des Patienten an und eröffnete dem überraschten Mann, der sich schon auf einen Klinikaufenthalt eingestellt hatte, er könne nach Hause gehen. Seine Ehefrau solle auf ihn achten. Die Assistenzärztin verließ sich auf die Meinung des erfahrenen Arztes und widersprach nicht. Noch hätte es die Möglichkeit gegeben, den Mann wieder zurück in die Klinik zu holen und damit sein Leben zu retten. Denn zehn Minuten, nachdem er nach Hause gegangen war, stand die tägliche Routinebesprechung der Ärzte der Notaufnahme an. Die Assistenzärztin stellte den Fall des Oberurselers vor und berichtete von der Entlassung. Keiner der anwesenden Mediziner meldete Bedenken an. Die Assistenzärztin war in dem Verfahren im Frankfurter Landgericht ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung angeklagt gewesen, ihr Verfahren wurde wegen geringer Schuld eingestellt. Als Auflage muss sie 4000 Euro an die Witwe zahlen.

Die Geldstrafe, die nun laut Urteil der gut verdienende HNO-Arzt zahlen muss, setzt sich aus 80 Tagessätze à 700 Euro zusammen. Der Staatsanwalt hatte einen etwas höheren Tagessatz beantragt, der Anwalt der Familie plädierte als Nebenkläger auf eine Bewährungsstrafe. Der Rechtsanwalt des Angeklagten meinte dagegen, der Tatbestand der fahrlässigen Tötung sei nicht erfüllt, sein Mandant sei freizusprechen.

Zivilprozess läuft noch

Nun nach dem Strafprozess ist die Angelegenheit für den Arzt noch lange nicht zu Ende: Die Familie hat ihn auf eine Zahlung von Schadensersatz verklagt, der Prozess läuft noch. »Es ist auch möglich, dass er noch Probleme mit seiner Approbation bekommt«, meinte der Richter.

Sabine Maurer

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