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Vereinschef Jens Kröger (links) und Eberhard Schrimpf präsentieren stolz das umfangreiche Buch zum Jubiläum »600 Jahre Schützenwesen in Usingen«. FOTO SEIFERT

600 Jahre Schützengeschichte

Usingen. Am Sonntag nach St. Johannstag im Jahre 1422 folgten die Usinger Schützenbrüder einer Einladung der Schützengesellen aus Frankfurt und machten sich samt ihrer Armbrust auf den Weg zu einem Wettstreit an den Main auf. Dieses Ereignis markiert zu Recht den Beginn des Schützenwesens in der Buchfinkenstadt, und wird durch einen sogenannten »Ladebrief«, der heute im Frankfurter Stadtarchiv aufbewahrt wird, nachgewiesen.

Vor nunmehr also fast 600 Jahren fand dieses Ereignis statt. Anlass für den Usinger Schützenverein, im nächsten Jubiläum zu feiern. Macht die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie den Schützen keinen Strich durch die Rechnung, dann soll es im Juni und Juli 2022 verschiedene Jubiläumsveranstaltungen geben. Außerdem ist der Schützenverein im kommenden Jahr Ausrichter des Laurentius-Marktes. Und der wird ebenfalls ganz im Zeichen der 600-Jahr-Feier stehen.

Erstes Schützenfest im Jahr 1524

Wer bereits vor den Feierlichkeiten mehr über die lange Geschichte des Schützenwesens in Usingen erfahren möchte, der sollte sich unbedingt das neue Buch »600 Jahre Schützenwesen in Usingen« beschaffen, das Eberhard Schrimpf und Vereinschef Jens Kröger nun der Öffentlichkeit präsentiert haben. Auf fast 200 Seiten wird die lange Geschichte der Schützen in Usingen erzählt. Bereits um das Jahr 1400 herum soll sich eine Schützengilde in Usingen formiert haben. Ein erstes großes Schützenfest in der Buchfinkenstadt ist für das Jahr 1524 nachgewiesen. Für den besten Schützen bei diesem Fest wurde damals ein Ochse ausgelobt, heißt es in der Chronik.

Das reichlich bebilderte Buch erzählt aber auch von der Zeit, als Usingen unter Fürst Walrad zur Residenzstadt aufstieg und aus der Schützengilde eine Bürgerkompanie wurde.

Spannend liest sich der Text über die Aufstellung des »Bataillons Usingen« im Jahre 1814: Damals hatte Herzog Friedrich August nach preußischem Vorbild einen Landsturm aufgestellt und dem Usinger Amtmann Emminghaus das Kommando darüber übertragen. In diesem Bataillon bildeten die Usinger Schützen eine gesonderte Kompanie. Eine erste eigene Schießhalle für die Usinger Schützen wird im Jubiläumsbuch für das Jahr 1850 genannt. Sie befand sich im »Adler-Garten«. Unter der Überschrift »Das organisierte Schießen beginnt« beschreiben die Autoren die weitere Entwicklung des Schützenvereins in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aus der Schützengesellschaft wurde 1887 der Schützenverein. Ein neuer Vorstand unter dem Schützenmeister Wilhelm Menche nahm sogleich seine Arbeit auf und schon im Juli des gleichen Jahres lag eine überarbeitete Schießordnung vor.

Neuanfang nach Zweitem Weltkrieg

Breiten Raum nimmt das Kapitel über die Vereinsentwicklungen im 20. Jahrhundert im Buch ein: Es wird vom ersten Schützenball 1905 und schließlich vom Bau eines ersten eigenen Schützenhauses in der Gemarkung »Im Steinhöhlchen« 1920 berichtet. Das Schützenhaus musste allerdings nach dem Zweiten Weltkrieg auf Befehl der US-Besatzungsbehörden zerstört werden. Erst zu Beginn der 1950er Jahre durfte der Schützenverein wieder aktiv werden.

Auf dem Vereinsgelände errichteten die Schützen mit sehr viel Eigenleistung zwischen 1958 und 1960 ein neues Vereinshaus. Verkleinerte Baupläne und Fotos von der Bauphase haben Eberhard Schrimpf und Jens Kröger selbstverständlich im neuen Buch untergebracht.

Über die zahlreichen Aktivitäten der Schützen in den 1970er bis 1990er Jahren führen die Autoren den Leser schließlich in das Vereinsgeschehen und den Schießsport der 2000er Jahre. Ausführlich wird über den Bogensport berichtet, der seit 2003 beim Usinger Schützenverein fest im Programm verankert ist. Nicht zuletzt greifen die Autoren allgemeine Themen aus dem Schützenwesen in ihrem Buch auf. So wird die Entstehungsgeschichte des Gewehrs ebenso beleuchtet wie das Thema »Frauen im Schießsport« oder die lange Tradition der Schießscheiben.

Das Buch im Hardcover kostet 20 Euro und kann bei der Amts-Apotheke in Usingen oder im Schützenhaus (immer freitags ab 19.00 Uhr, nicht am 24. und 31. 12. 2021 erworben werden. Online ist das Buch unter www.sv-1422-usingen.de ebenfalls zu beziehen.

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