Abiprüfungen im Usinger Land starten: "Bestens gerüstet"

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USINGEN - (inf) Dieser Mittwoch ist vermutlich ein Tag, dem ein Teil der hessischen Oberstufenschüler mit Schrecken, der andere mit einer gewissen Sehnsucht entgegengesehen hat. Denn am Mittwoch beginnen für die Schüler der Oberstufe die Abiturprüfungen. Das erste Fach ist Chemie. Die diesjährigen Haupt-, Real und Oberstufenschüler der Abschlussklassen sind jedoch auch der allererste Jahrgang, der komplett unter Pandemiebedingungen für seinen Schulabschluss lernen musste und nun auch geprüft wird.

Aus diesem Grund war das vergangene Jahr für die Schüler alles andere als leicht. Sozialkontakte in der Schule wurden rar, die Möglichkeit zum Treffen mit Freunden auch. Schüler mussten lernen, sich im Distanzunterricht selbst zum Lernen zu motivieren, was in einigen Fällen problemlos, in anderen schlechter klappte. Sind die Schüler also auf das Abi überhaupt richtig vorbereitet?

Ja, findet der Schulleiter der CWS, Hans-Konrad Sohn. "Bei uns war die größte Sorge der Abiturienten tatsächlich, dass sie ihr Abi nicht machen können", so der Schulleiter. Gerade die Abiturklassen seien deutlich weniger gebeutelt gewesen als andere Schüler, da sie ja einen Großteil der Zeit trotzdem im Präsenzunterricht gesessen haben und von den Schließungen am wenigsten betroffen gewesen sind.

Viele Schüler hätten sich zudem ausreichend zuhause vorbereiten können. Die einzige Schwierigkeit habe tatsächlich für die Sportabiturienten bestanden. Der Schulleiter erklärt: "Die Schüler konnten ja seit letztem Herbst nicht in die Hallen oder die Schwimmbäder." Erst seit Februar hätten lediglich die Abschlussjahrgänge wieder im Hallenbad für die Abschlussprüfungen trainieren können. Doch auch hier sei das Kultusministerium den Schülern entgegengekommen. "Es gab die Möglichkeit, die Liste der Sportarten, in denen man sich prüfen lassen wollte, zu erweitern." Und so hätten einige Schüler, die sich vorher im Schwimmen prüfen lassen wollten auf einmal Badminton anstatt Schwimmen auf die Liste geschrieben.

In anderen Fächern jedoch sieht Sohn keine Probleme bei den Abiturprüfungen auf seine Schüler zukommen. Zudem hätte das Kultusministerium für die Prüfungen eine verlängerte Arbeitszeit zugelassen: für Leistungskurse eine halbe Stunde, für Grundkurse 25 Minuten. "In der Zeit können die Schüler rausgehen, frische Luft schnappen, die Maske absetzen oder aber durchschreiben, wenn sie das wollen", erklärt der Lehrer. Auch im Auswahlverfahren des Zentralabiturs sei es in diesem Jahr einfacher für die Prüflinge. "Die Lehrer haben einen Vorschlag mehr bekommen. So kann beispielsweise ein Thema umgangen, werden, das in diesem Jahr coronabedingt unter den Tisch gefallen ist."

Auf die Prüfungen unter Coronabedingungen sei man jedoch gut vorbereitet. "Wir haben 67 Prüflinge in diesem Jahrgang, doch die schreiben nicht alle gleichzeitig. Denn es sollen nach Möglichkeit nicht mehr als 25 Prüflinge in einem Raum sein", erklärt der Schulleiter. Der einzige Termin, an dem alle gemeinsam schreiben würden, sei Mathematik. Um dafür zu sorgen, dass auch dann alle Schüler an den schriftlichen Prüfungen teilnehmen können, sei die Mensa, die auch als Aula dient, zweigeteilt. Zudem werde an diesem Tag auch der Wilhemji-Salon als Prüfungsraum zur Verfügung stehen. So sei eine Prüfung an einem Tag durchaus vertretbar.

Zudem würden alle Schüler bei den Prüfungen eine Maske tragen. Lediglich diejenigen Prüflinge, die einen tagesaktuellen Test vorlegen können, dürfen die Maske sogar auch abnehmen. Doch ob die Schüler das auch tun werden, da ist sich Sohn nicht sicher. "Ob sie ihre Maske abnehmen, ist eine Frage der Abwägung. Ich weiß nicht, ob die Schüler es riskieren wollen, sich zu infizieren und dann nicht mitschreiben zu können", sagt Sohn.

"Ein Allheilmittel ist Digitalunterricht nicht"

Öffnen, schließen, öffnen schließen. Nachdem angekündigt war, die Kinder nach den Osterferien in die Schule schicken zu können, ist nun doch wieder Homeschooling angesagt. Doch wie sehen das eigentlich die Lehrer? "Ich mache mir weniger Sorgen um die guten Schüler, die werden ihren Weg gehen. Sondern eher um diejenigen, von denen wir nichts mitbekommen. Da werden wir erst in Zukunft sehen, wen wir im Distanzunterricht vollkommen abgehängt haben", erklärt Schulleiter der CWS Hans-Konrad Sohn gegenüber dem Anzeiger. Und dabei seien auf dem Gymnasium ja noch bildungsnahe Kinder zu finden. "Ich möchte nicht wissen, wie das in Haupt- und Realschulzweigen gerade aussieht."

Seit einem Jahr sind die Kinder mehr oder minder im Homeschooling. Doch wer sich denkt, dass die Kinder den ganzen Tag in Videokonferenzen sitzen, der täuscht sich. "Wir haben festgestellt, dass eine solche Konferenz kein Allheilmittel ist. Die Schüler sollen ja lernen, selbstständig zu arbeiten. Darum hätten die Schüler einmal in der Woche in den Hauptfächern eine Digitalkonferenz, in den Nebenfächern alle zwei Wochen. In der Zwischenzeit reichen die Schüler ihre Arbeiten ein.

Eine Beurteilung der Schüler, die momentan so ganz anders arbeiten, als in all den Jahren zuvor, ist deutlich schwieriger. "Klassenarbeiten zu schreiben, ist überhaupt nicht möglich", bekennt der Schulleiter. Denn wie genau soll gewährleistet werden, ob ein Schüler während der Arbeit Hilfe von Eltern oder Geschwistern bekommt? Aufgrund dessen sei es für Lehrer momentan deutlich schwieriger zu beurteilen, wie der Wissensstand der Lernenden konkret ist. Eines sei den Lehrern jedoch bereits jetzt klar. "Der Wissenszuwachs, den wir in diesem Jahr erreicht haben, ist deutlich weniger, als in den anderen Jahren zuvor, da machen wir uns alle keinerlei Illusionen drüber." Doch diesbezüglich stelle sich die Frage, ob es künftig überhaupt alleine auf das Wissen ankomme, das ein Schüler über die Jahre angehäuft habe. "Denn das Wissen, das sich Schüler nun über Technik und Digitalisierung angeeignet haben, ist enorm."
Zudem sei es nicht sicher, selbst wenn der Unterricht wieder aufgenommen werde, was die Lehrer dann erwarten würde. "Die Schüler sind auf keinen Fall die Gleichen wie noch vor dem Distanzunterricht. Aufgrund der Zeit, in der sie ihre Freunde nicht treffen konnten und sich selbst zum Lernen motivieren mussten, werden wir höchstwahrscheinlich auf ganz andere Persönlichkeiten treffen, als auf diejenigen vor dieser Zeit."

Klar sei aber schon heute, dass es nicht alle Schüler schaffen werden. "Sorgen machen uns vor allem diejenigen Schüler, von denen wir keinerlei Rückmeldung bekommen. Wir schreiben zwar Briefe an die Eltern, aber von einigen bekommen wir keine Resonanz. Uns fehlt dort die Handhabe." Da die Lehrer im Distanzunterricht oft auch nicht kontrollieren könnten, ob ein Schüler sich am Unterricht tatsächlich beteilige (die Kameras sind oft abgeschaltet wegen der Bandbreite), wisse man auch nicht, ob die Schüler abgelenkt seien oder nicht.

Doch was ist, wenn die Pandemie nicht in einem Jahr vorbei ist? Oder in zweien oder dreien? "Dann werden wir andere Wege finden müssen, die Schüler zu beurteilen", sagt Sohn. Vielleicht sollte man dann darüber nachdenken, ob man dann das bisherige System zwischen Versetzung und Wiederholung umkehren sollte. "Ein Weg wäre, einen Schüler nur dann zu versetzen, wenn er bestimmte Leistungen erbracht hat. Alle anderen müssen die Klasse wiederholen, was dann der Normalzustand wäre. Heute ist es ja umgekehrt", überlegt der Schulleiter.

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