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Klaus Rüb Pfarrer in Grävenwiesbach

Abschied mit Wehmut: Pfarrer Rüb geht in den Ruhestand

In Grävenwiesbach wird zum Jahresende die Pfarrstelle frei. Nicht nur Pfarrer Klaus Rüb, auch seine Kollegin Pfarrerin Iris Berg-Ebert geht in Rente. Unserer Reporterin stand der Pfarrer zum Abschied noch einmal Rede und Antwort.

Das neue Jahr wird für Sie ein besonderes: Sie gehen in den Ruhestand. Welches Gefühl löst dieser neue Lebensabschnitt bei Ihnen aus?

So ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wenn jetzt die ganzen »saisonalen« Veranstaltungen ablaufen - da ist dann die letzte Seniorenfeier, wozu wir als Kirchengemeinden mit der Kommune einladen. Da war die letzte Synode. Da ist dann eben auch die eine oder andere letzte gottesdienstliche Feier wie das Erntedankfest. Bei der Seniorenfeier ist das nicht tragisch, da werde ich ja künftig als Teilnehmer eingeladen (schmunzelnd).

Wie lange arbeiten Sie als Seelsorger und welche Stationen haben Sie durchlaufen?

Nach meinem Examen war ich für zwei Jahre als Vikar in Nieder-Erlenbach und anschließend für ein halbes Jahr als Krankenhausseelsorger im Nordwest-Krankenhaus. Seit 1987 bin ich auf der Pfarrstelle II in Grävenwiesbach.

Was hat Sie bewogen, Pfarrer zu werden? Gab es ein einschneidendes Erlebnis?

Durch die Erfahrung in verschiedenen Ferienjobs war mir schon immer klar: Ich wünsche mir einen Beruf, bei dem ich mit Menschen zu tun habe. So stand dann in der Abi-Zeitung als Berufswunsch Sonderschulpädagogik. Das »Du könntest doch Theologie studieren und Pfarrer werden« meines Reli-Lehrers (und Pfarrers) habe ich damals noch abgetan.

Aber letztlich habe ich mich selbst überzeugt, dass der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, so vollkommen erfüllt wird. Und ich habe bei meiner Ordination in Grävenwiesbach gesagt: Ich möchte mit der Gemeinde alt werden! Ich denke, das ist gelungen. Zudem gibt es keinen Beruf, der abwechslungsreicher ist als der unsere: Zwischen Jung und Alt, Freude und Trauer - alles ist da und in der Regel auch in stetem Wechsel.

Konnten Sie Ihre selbst gesetzten Ziele und Vorstellungen in Ihrem Berufsleben verwirklichen?

Ich habe dieser Tage gerade zu einem Freund gesagt, dass es nicht immer einfach ist, wenn man in alten Strukturen (und die gibt es in der christlichen Kirche nun mal - immerhin ist das Modell ja schon über 2000 Jahre alt und unser konfessioneller Zweig auch schon über 500) etwas verändern will. Und ich glaube, dass es uns (und da kann ich nur meine Kollegin und die Kirchenvorstände mit einbeziehen) gelungen ist, ein paar alte Zöpfe abzuschneiden und neue Frisuren daraus zu machen. Das lässt sich gar nicht an großen Beispielen zeigen, sondern das sind Prozesse, die über viele Jahre laufen, ob das im Bereich von Gottesdiensten, Kindergottesdiensten, Ferienspielen oder Jugendarbeit war.

Worauf sind sie stolz, wenn Sie an die Jahre in Grävenwiesbach zurückdenken? Was konnten Sie für die evangelische Kirchengemeinde erreichen?

In der Kirche zählen ja wie überall Erfolge: Vor ein paar Jahren wurden Kollegen gelobt, denen es gelungen war, etliche Menschen zum Wiedereintritt in die Kirche zu überzeugen. Natürlich spürt man eine gewisse Enttäuschung, wenn vertraute Menschen der Kirche den Rücken kehren, das liegt aber auch in unserer Zeit. Von daher war mir immer wichtig, die Menschen an der Kirche zu halten, und ich denke, das ist uns gelungen, weil wir auch meistens vor Ort und dabei waren, wo unsere Menschen sind. Ich weiß nicht, ob ich stolz darauf sein will, wenn man so richtig Geld ausgeben muss, aber es erfüllt mich schon mit Stolz, dass wir es gemeinsam im Kirchenvorstand geschafft haben, dass unsere »Gut Stubb«, wie es ein Bürgermeister mal genannt hat, also unsere Kirche, innen wie außen und die Mauerumfriedung wunderschön renoviert dastehen.

Worauf ich aber mit einem gewissen Stolz zurückblicke ist, dass es uns gelungen ist, gemeinsam mit meiner Kollegin Iris Berg-Ebert 33 Jahre lang als Team zusammenzuarbeiten mit den jeweils gewählten Kirchenvorständen. Nicht zu verhindern war leider die Stellenkürzung auf eineinhalb Stellen.

Sie haben viel im Bereich der Ökumene für Grävenwiesbach umgesetzt. Reicht Ihnen das oder gibt es noch Ziele, die sich zu erreichen lohnen?

Das ist auch etwas, worauf wir hier in Grävenwiesbach stolz sein dürfen: Die gute Zusammenarbeit der beiden Kirchengemeinden. Da wird ausreichend viel getan. Mir ist so am Ende meiner Amtszeit auch nichts präsent, was da noch mehr sein könnte.

Wie geht es für die evangelische Kirchengemeinde in Grävenwiesbach ohne Sie weiter? Gibt es schon einen Nachfolger?

Na ja, es geht immer weiter! Ohne überheblich zu sein, war es sicher eine gute Zeit mit uns. Aber es wird auch eine Zeit ohne uns geben, vielleicht wird die anders sein, aber bestimmt auch gut, und nach so vielen Jahren wird’s doch auch Zeit für neuen Wind. Zunächst müssen jetzt die Stellen ausgeschrieben werden, dann muss sich jemand finden, der zu uns in den Hintertaunus kommen mag, und dann wird man weitersehen. Interessant ist es schon, als Pfarrer in Grävenwiesbach - hätten wir’s sonst so lange ausgehalten?

Bleiben Sie als Grävenwiesbacher Bürger der Gemeinde erhalten? Oder ziehen Sie an einen anderen Ort?

Ich werde weiterhin Grävenwiesbacher Bürger sein, weil wir in der Gemeinde in diesen Jahren schon auch Wurzeln geschlagen haben.

Wie sieht Ihr Alltag künftig aus? Was treibt einen Pfarrer im Ruhestand so um? Neue Hobbys oder Reisen? Haben Sie schon einen Plan erstellt?

Wir haben ein Grundstück, und ich will endlich einmal in Ruhe mein Hobby, die Modelleisenbahn, ausleben. Hinzu wird ganz sicher das eine oder andere Buch kommen. FOTO: PV

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