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»Angepasster Wildbestand« angestrebt

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Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff (links) hat die Verantwortung für die große Herzbergjagd. © Neugebauer

USINGER LAND (sn). Herbstzeit ist Jagdsaison. Von Oktober bis Dezember finden im Forstamtsbezirk Weilrod, der von der Wetterau im Osten bis zum Weiltal im Westen, von Butzbach im Norden bis zum Taunuskamm im Süden reicht, zwölf revierübergreifende Bewegungsjagden statt. Am Freitagvormittag war die große Herzbergjagd an der Reihe.

Wie Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff erläuterte, nahmen bei dieser Jagd auch Reviere südlich des Taunuskamms, die zum Forstamtsbezirk Königstein gehören, teil. Die Flächen des Nassauischen Zentralstudienfonds wurden ebenfalls durch deren Jagdpächter mit einbezogen sowie Kommunalwaldflächen von Neu-Anspach. Insgesamt seien wohl 120 bis 150 Schützen verteilt gewesen, schätzte Deutschländer-Wolff. Gerade hier im Bereich des Taunuskammes gebe es große Waldschadensflächen, in deren Wiederbewaldung viel investiert werde, so der Forstamtsleiter weiter. Darum habe man für diese Jagd auch eine Nachfreigabe weiterer Stücke von Reh- und Rotwild bei der Unteren Jagdbehörde beantragt.

»Das Rehwild nimmt großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Verjüngung«, betonte er. Rehe suchten sich die Leckerbissen heraus und knabberten die Leittriebe der jungen Bäume ab. »Damit verschwinden Mischbaumarten, die wir haben wollen«, stellte der Förster fest. Und wenn die Bäume dann größer werden, kommen sie ins »schälfähige Alter«, dann wird die Rinde gerne von Rotwild gefressen, wenn nicht genug anderes Futter da ist. So ein Stück Rotwild brauche schließlich etwa vier bis sieben Kilogramm Rauhfutter am Tag. Und aus diesem Grund strebe man einen angepassten Wildbestand an, der nur durch menschliche Eingriffe zu erhalten sei. Bei solch einer Bewegungsjagd werden Start- und Endzeit vereinbart. Die Schützen verteilen sich auf den zwei bis drei Meter hohen Drückjagdständen. Dann gehen die Treiber mit ausgebildeten Stöberhunden los, um das Wild in Bewegung zu bringen. Die Treiber selbst sind oft sogar unbewaffnet. Falls sie ihr Gewehr dabeihaben, dürfen sie aber nur Fangschüsse aus nächster Nähe abgeben oder zur Selbstverteidigung schießen, erklärte Deutschländer-Wolff. Alles andere sei zu gefährlich. Überhaupt müsse jeder Schütze einen Jagdschein haben und einen gültigen Schießnachweis vorlegen, um an solcher Jagd teilzunehmen. Die Drückjagdstände garantierten auch einen steilen Schusswinkel, damit als Kugelfang immer der gewachsene Boden gegeben sei.

Außerdem ist in dem FSC-zertifizierten Wald von Hessen Forst nur bleifreie Munition zugelassen. »Jeder Schuss wird dokumentiert«, betonte der Forstamtsleiter, der an diesem Tag die Gesamtverantwortung für die Jagd hatte. Dafür gibt es die Standkarten, in die jeder Jäger seine Schüsse einträgt, mit dem Vermerk, ob das Stück Wild gefallen ist. Wenn nicht, wird nämlich eine Nachsuche direkt nach Jagdende eingeleitet. Ist diese am gleichen Tag nicht erfolgreich, wird nochmals am nächsten Tag das Nachsuchgespann losgeschickt.

Die gefallenen Tiere werden zu einem zentralen Platz gebracht und dort aufgebrochen, was meist hängend erfolgt. Jedes Reh, jeder Hirsch, jedes Wildschwein erhält eine Nummer, sodass nachvollziehbar ist, welcher Jäger es wann und wo geschossen hat, um welche Tierart es sich handelt, welches Geschlecht und welches Alter es hat.

»Das ist ein hochwertiges Lebensmittel, das wir produzieren«, betonte der Förster. Entsprechend werde die Hygienekette eingehalten. So werde aus diesem Grund auch keine Strecke mehr gelegt, sondern die Tiere kommen so schnell wie möglich in die Kühlkammer. Manchmal sei auch ein Händler mit Kühlwagen direkt vor Ort. Der »Aufbruch«, die Innereien, werden immer in Plastiksäcken mitgenommen und über die Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt. Und trotzdem heißt das traditionelle Beisammensein mit Getränken und einer heißen Suppe nach dem Jagdtag noch immer »Strecke legen«, auch wenn jeweils von jeder erlegten Art nur noch ein Stück präsentiert wird.

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