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Auszeichnung für engagierte Übersetzerin

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Anita Djafari unterstützt Übersetzer aus dem Globalen Süden. Dafür hat sie jetzt einen Preis bekommen. © Red

Wehrheim (mai). Das Wort übersetzen hat - je nach Betonung - zwei Bedeutungen. Eine Barke setzt Mensch, Tier und Material von einem zum anderen Ufer über, aber ein »Übersetzer« führt ebenfalls zusammen: Den Autor mit dem Leser, der dessen Sprache nicht versteht. Zusammengesetzt hat der Verband der Übersetzer (VdÜ) einen Preis daraus gemacht: Die »Übersetzerbarke«, die er seit 2004 an übersetzerfreundliche Persönlichkeiten, die sich um die Übertragung von Literatur von einer in eine andere Sprache verdient gemacht haben, vergibt.

Der VdÜ möchte damit die leuchtenden Beispiele herausheben, denn es gebe auch »graue Mäuse und schwarze Schafe«.

In diesem Jahr ging die Auszeichnung, die jeweils mit einem Kunstwerk dotiert ist, an die Wehrheimerin Anita Djafari. Sie ist damit in bester Gesellschaft: 2007 ging die Übersetzerbarke an den Literaturagenten und Übersetzer Denis Scheck, der seit einigen Jahren in der ARD Buch-Neuerscheinungen vorstellt. Anita Djafari war von 2009 bis 2020 Geschäftsleiterin des Vereins Litprom, der sich die Förderung von Literatur und Autoren des Globalen Südens auf die Fahnen geschrieben hat. Sie war Mitbegründerin des »LiBeratur-Preises« und hat die Literatur-Bestenliste, den »Weltempfänger« mitbegründet organisiert und etabliert. Schreibende Frauen aus Afrika liegen ihr besonders am Herzen, denn sie haben es besonders schwer. »Wenn bei uns nur so wenige auftauchen heißt das nicht, dass es sie nicht gibt, sie finden nur niemanden der sie übersetzt. Afrikanische Übersetzer gebe es kaum.«

Dabei sei es für Menschen aus einem anderen Kulturkreis sehr schwer, mit der Übersetzung Ton, Sprache, Emotionen und den Rhythmus des Buches einzufangen und wider zu geben. »Viele übersehen, dass Übersetzen viel mehr bedeutet als Sprachkenntnisse.« Sie seien immens wichtig, und spielten doch keine große Rolle beim Erscheinen.

Schwierige Wortfindungen

Ein solcher »Spracharbeiter« sitze zwei bis drei Monate im stillen Kämmerlein an einem Buch, und oft sei es schwierig, für ein Wort der Ausgangssprache ein deutsches zu finden, das seine Bedeutung exakt auf den Punkt bringe. Mit der Sprache hätten sich auch die Lesegewohnheiten der Menschen geändert. »Früher hat man jedes Wort übersetzt, heute lässt man schon mal eins in der Ausgangssprache stehen und erklärt die Bedeutung.«

Anita Djafari, ist in der Rhön geboren, hat sich schon früh mit Büchern beschäftigt und hatte Lehrer, die ihr Faible förderten. Sie hat Literatur studiert, hat aber immer an der Basis gearbeitet, dort, wo es konkret um Bücher und das Verständnis dafür geht. Die Streiterin für die Literatur ist auch im Ruhestand noch aktiv, etwa als Jurysprecherin des »Weltempfänger«, der regelmäßig eine Literatur-Bestenliste herausgibt.

In der Dezember-Ausgabe weist er auf die Neuauflage des Buches: »Das verlorene Paradies« von Abdulrazak Gurnah hin. Der Autor aus Sansibar ist der aktuelle Literatur-Nobelpreisträger, den in der Buchszene niemand auf dem Schirm gehabt habe, der für Litprom aber kein Unbekannter sei. Anita Djafari hat sich über diesen Preis, den sie ein Jahr nach ihrem Ruhestand erhielt, gefreut. »Es ist herzerwärmend, eine solche Auszeichnung zu bekommen.« Und es zeige, dass sie etwas erreicht habe. Nicht für sich, sondern für Autoren des Globalen Südens und deren Übersetzer.

Ingo Herzke, selbst Übersetzer, nannte sie in seiner Laudatio bei der Preisverleihung »eine überzeugte und hervorragende Netzwerkerin«. Deren Stärke in der Organisation von (Literatur-)Veranstaltungen, wie etwa einiger Gastland-Auftritte bei der Buchmesse, lag. Herzke nannte Djafaris vorbildliches und selbstverständliches Mitdenken und ihre direkte Übersetzungsförderung als zwei Gründe für den Preis. Schließlich kenne sie das Metier aus eigener Erfahrung, hatte es jedoch an den Nagel gehängt, weil sie nicht die nötige Ausdauer hatte. Umso mehr Geduld hat sie nach wie vor bei der Förderung schreibender Frauen des Globalen Südens und der Unterstützung von Übersetzern.

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