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Bis nur noch Staub übrig bleibt

Klappe auf, Müll rein, Klappe wieder zu. So geht es den meisten, wenn sie ihre Abfälle weggeworfen haben. Dann heißt es nur noch, die Tonne an die Straße stellen. Doch was passiert dann? Wo geht der Müll hin, was kann recycelt werden? Und was passiert mit dem Rest? Wir gehen »auf die Spur des Mülls«, im ersten Teil geht es um den Bioabfall.

Hochtaunuskreis. Im Usinger Land haben sich 2014 die Kommunen Grävenwiesbach, Neu-Anspach, Schmitten, Usingen, Wehrheim und Weilrod zusammengetan und ihre Abfallentsorgung gemeinsam ausgeschrieben. 2019 kam Glashütten dazu. »Das macht absolut Sinn«, sagte Dietmar Kuhs vom Planungsbüro für Abfallwirtschaft (PAW), der die Ausschreibung in die Hand genommen hat, denn gemeinsam sei die Entsorgung der Abfälle wirtschaftlicher durchzuführen.

Verpackungsabfälle, Glas, Restmüll, Papier und Kartonagen, Bioabfall, Sperrmüll sowie Grünabfall aus den Grünecken werden getrennt behandelt. Dabei sind die Kommunen nur für die Einsammlung des Mülls zuständig, der Hochtaunskreis für die Entsorgung. Einzige Ausnahme: Die Entsorgung von Altpapier und Altholz fällt ebenfalls in die Zuständigkeit der Kommunen.

Das gehört alles in die Biotonne

2016 wurde kreisweit die Biotonne mit dem braunen Deckel eingeführt. Hier können die Bürger Gemüse- und Obstreste, Fruchtschalen, Lebensmittelreste samt Zeitungspapier zum Einwickeln, Kaffeefilter und Teebeutel, Knochen, Federn, Eierschalen- und -kartons, Speiseöle und -fette in fester Form, Papiertaschentücher, Küchenpapier, Papierservietten, Heu, Stroh und Sägespäne, Topf und Schnittblumen, Unkraut und Rasenschnitt entsorgen. Größere Mengen an Gartenabfällen wie Laub, Rasenschnitt, Strauch- und Heckenschnitt gehören auf die Grünecken.

Biomüll vollständig verarbeitet

Die Abholung der Biotonnen alle zwei Wochen in den wärmeren Jahreszeiten, alle drei Wochen von Dezember bis Februar, wird von der Firma Kilb Vetter Entsorgung im Auftrag der Firma Remondis Region Südwest durchgeführt. Abgeladen wird der Biomüll auf der Deponie Brandholz. »Der Biomüll wird hier vor Ort komplett verarbeitet«, berichtet Standortleiter Thomas Klinkig. In der großen Umladehalle werden die Müllfahrzeuge geleert. Dabei ist gleich zu sehen: Da sind noch viele Fehlwürfe drin, also etwas Plastikbeutel, Glasflaschen und vieles, was nicht mehr erkennbar ist. Das muss aussortiert werden. Ein großer Radlader schaufelt den Müll auf ein Laufband, das zum Schredder führt. Zerkleinert und gesiebt, mit Wasser vermischt und auf 50 Grad erhitzt kommt das Gemenge dann in den Fermenter. »Durch die Hitze wird der Kompost hygienisiert«, erklärt Klinkig. Dann durchläuft der Biomüll innerhalb von 14 Tagen eine große Trommel, wobei er immer wieder vermischt wird. Das dabei entstehende Gas wird aufgefangen, gekühlt und mit Aktivkohle gereinigt. Ein Gasspender dient als Puffer. Das Gas wird mithilfe eines Motors zur Energieerzeugung genutzt. 700 Kilowatt pro Stunde sind derzeit möglich.

»Die Anlage wird weiterentwickelt«, erklärt Klinkig. Dann sollen das Deponiegas mitgenutzt und 800 bis 850 Kilowatt Strom pro Stunde erzeugt werden. Ein Teil des Stroms wird auf der Deponie selbst wieder gebraucht, der Rest wird ins Stromnetz eingespeist. Das kompostierte Material aus dem Fermenter wird derweil abgepresst und so in eine flüssige und ein feste Fraktion aufgeteilt. Die flüssigen Gärreste werden von Landwirten als Dünger für ihre Felder abgeholt und wie Gülle verwendet. Die Landwirte selbst müssen dabei nachweisen, dass sie ihre Felder nicht überdüngen. Die feste Fraktion, die noch stark nach Ammoniak riecht, wird belüftet und gesiebt, der Ammoniak ausgetrieben und neutralisiert. Das Endprodukt ist ein lockerer, erdig riechender, feiner Kompost.

250 Liter Kompost kosten 2,50 Euro

»Wir gehören der Gütegemeinschaft Kompost an«, betont Klinkig. Entsprechend werde das Produkt monatlich geprüft. Auch Privatpersonen können hier am Recyclinghof Kompost abholen - 250 Liter für 2,50 Euro. Die ausgesiebten Reste werden in verschiedene Biomassekraftwerke geliefert. »Die entstehende Rostasche kann zum Beispiel auf der Deponie Wicker noch als Baumaterial verwendet werden«, erklärt Klinkig. Die restlichen Schlacken und Stäube werden beispielsweise in eine Untertage-Deponie verbracht.

Lange Zeit wurde das Material aus den Grünecken im Usinger Land in den Biomassehof nach Grävenwiesbach gebracht, dort gelagert, zerkleinert und gesiebt. Da der Biomassehof derzeit umgebaut wird, damit zukünftig dort auch kompostiert werden kann, wird der gesammelte Grünabfall übergangsweise in Brandholz verladen und entweder zu anderen Kompostanlagen gebracht oder in den eigenen Bioabfallvergärungsanlagen als sogenanntes Strukturmaterial mitverarbeitet.

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