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Symbolfoto Wahl

Bewerbungsfrist endet

Bisher nur ein Kandidat für Usinger Bürgermeister-Wahl

Die Bewerbungsfrist für Kandidaten der Bürgermeister-Wahl in Usingen endet am 29. November. Bislang gibt es erst einen Kandidaten - und der ist in der Stadt bestens bekannt.

Usingen. Dass sich die AfD bei einem Kandidaten für die Direktwahl des Bürgermeisters enthält, ist verständlich oder, wie Fraktionschef Michele Ciarlo betonte: »Man muss die Kirche im Dorf lassen, und Bürgermeister werden heißt auch, viele Abläufe der Vergangenheit zu kennen, um möglichst allen Bürger gerecht zu werden. Wir sind eine frische Fraktion, die gerade daran arbeitet, die Anträge und die Interessen unserer Mitbürger zu verstehen und umzusetzen, da wäre es illusorisch und unverantwortlich, jetzt bereits auf den Bürgermeister Posten zu schielen.« Und somit ist die erste Fraktion aus dem Kandidatenkarussell ausgeschieden.

Nummer zwei: die FWG. Auch hier ist von einem Gegenkandidaten für Bürgermeister Steffen Wernard keine Rede - und der hatte seinen Hut längst in den Ring geworfen.

Bleiben die Grünen. Nur Magistratsmitglied und Sprecher Raymond Hahn betonte am Telefon, dass man keinen Kandidaten stellen werde. »Wir haben lange intern gesprochen und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.« Die Grünen sehen das Problem, was bei Wahlen derzeit alle haben: Wahlkampf auf Augenhöhe ist durch die Pandemie kaum möglich. Und gegen einen Amtsinhaber anzutreten, der seinen Job mache, wenngleich man natürlich hier und da Kritik anbringe, sei schwierig.

SPD will auch nicht

Die SPD hatte hinter verschlossenen Türen bereits abgewunken, denn als Koalitionspartner einen Gegenkandidaten zu stellen, käme vielleicht nicht ganz so gut. Zudem ist man, so hört man aus internen Kreisen, mit dem Job des Amtsinhabers zufrieden.

Bleibt die FDP, über die man ja in den vergangenen Monaten auf der Straße vieles hörte, was die Bürgermeisterwahl betrifft. Immer wieder gehandelt wurde Ralf Müller als Gegenkandidat. Doch die Partei hat sich anderweitig entschieden. Und so kam von Ralf Müller ein Zweizeiler auf die Anfrage dieser Zeitung: »Die FDP wird in 2022 keinen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Wir konzentrieren uns in den kommenden Jahren auf unsere parlamentarische Arbeit.«

Damit könnte man dem Amtsinhaber eigentlich bereits heute zur dritten Amtszeit gratulieren. Macht man aber nicht, denn die Frist für eine Bewerbung läuft erst am Montag, 29. November, Punkt 18 Uhr ab. Bis dahin kann sich (fast) jeder um den Posten des Bürgermeisters in Usingen bei der Wahlleiterin in der Wilhelmjstraße 1 in 61250 Usingen schriftlich bewerben. Unattraktiv ist das Gehalt nicht, bezahlt wird nach Besoldungsgruppe B 2. Unattraktiv sind dagegen die Arbeitszeiten mit meist einer 7-Tage-Woche, vielen Nachtsitzungen und der damit verbundenen Stelle als Prügelknabe.

74 Unterschriften sind nötig

In 14 Tagen also ist Stichtag, was allerdings knapp werden könnte. Denn für Privatpersonen, die das Amt anstreben und die nicht durch eine im Parlament vertretene Partei unterstützt werden, gelten einige Voraussetzungen.

Wählbar sind alle Deutsche im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes oder Staatsangehörige eines der übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit Wohnsitz in der Bundesrepublik, die am Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet haben. Nicht bewerben können sich Straftäter.

Und in den verbleibenden 14 Tagen müsste sich ein potenzieller Bewerber noch um Unterschriften bemühen, um 74, um genau zu sein. Denn wer keine Partei hinter sich hat oder bereits Bürgermeister ist, muss doppelt so viele Unterstützerunterschriften bei der Bewerbung vorlegen, wie Parlamentarier in der Stadtverordnetenversammlung sitzen - und dort sind’s 37. Handschriftlich und persönlich von den Unterstützern unterzeichnet, Kopien zählen nicht. Entsprechende Formblätter sind im Themenportal Wahlen des Landes unter www.wahlen.hessen.de/kommunen/direktwahlen zu finden.

Es gibt noch die eine oder andere Bedingung, die aber eigentlich alle gut zu erfüllen wären. Immerhin wäre dann das Wort »Wahl« mit Leben gefüllt. Derzeit gibt’s nur die Wahl Ja oder Nein. Und auch wenn nur eine Ja-Stimme ausgezählt würde, wäre Wernard wieder Bürgermeister. Graue Theorie.

Gewählt wird am Sonntag, 6. Februar, die Stichwahl wäre dann am 20. Februar 2022. Und die derzeitige Amtszeit von Bürgermeisters Steffen Wernard endet am 7. Juni. Der 8. wäre also der Amtsantritt des »Neuen« - ein Mittwoch übrigens. Wer sich bewerben will, sollte dies am besten noch vor dem Stichtag tun, damit die Wahlleitung auf mögliche Formfehler aufmerksam machen kann und man noch Zeit hat, nachzubessern.

Und was sagt Bürgermeister Steffen Wernard zu seinem derzeitigen Alleingang? »Nichts. Wir warten den Stichtag ab und sehen, ob die Situation so bleibt«, meinte er kurz und knapp.

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