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In diesem Jahr wandert die Muttergottes-Statue wegen Corona nicht in Oberreifenberg von einer Herberge zur nächsten, sondern bleibt bei Ursula Großmann.

Corona stoppt Marias Wanderung

Oberreifenberg . Christen kennen die Geschichte der vergeblichen Herbergssuche von Maria und Josef, wie sie im Lukasevangelium aufgeschrieben ist. Die Szene ist traditioneller Bestandteil der Krippenspiele. Es gibt noch andere Traditionen, die die Herbergssuche zum Thema haben, die kaum jemand kennt und die langsam aussterben. In Oberreifenberg bekommt die Muttergottes vom 15.

Dezember bis Heiligabend bei gläubigen Katholiken eine Unterkunft. Der Brauch ist auch in anderen Gegenden bekannt unter dem Namen Wandermuttergottes.

Noch zwei Muttergotteskreise

Es geht darum, dass eine Madonnenstatue jeden Abend in eine andere Gastfamilie gebracht wird. In Oberreifenberg gibt es aktuell nur noch zwei Kreise, in denen eine in Privatbesitz befindliche Marienfigur in der Vorweihnachtszeit auf Wanderschaft geht - wenn nicht gerade Corona ist.

Ursula Großmann hat in diesem Jahr einen neuen Weg gefunden, um im Gebet vereint mit den anderen Frauen ihrer »Herbergsgruppe« die Tradition weiterzuführen. Eigentlich wären am 15. Dezember mit Einbruch der Dunkelheit neun Frauen zu ihr gekommen, um per Los zu entscheiden, wer die Statue wann über Nacht bei sich zu Hause beherbergt. Vor der sogenannten »Muttergottesverlosung« hätten die Frauen gemeinsam gebetet und alte Adventslieder gesungen, die inzwischen in der Kirche nicht mehr zu hören sind. Danach zieht normalerweise jede Frau ein Los. Wer die Nummer eins hat, nimmt die Figur mit nach Hause und bringt sie am nächsten Abend zu derjenigen, die die Nummer zwei gezogen hat. So bekommt Maria jeden Tag eine neue Herberge. An Heiligabend, kommt Maria zur Nummer Neun und bleibt dort bis Mariä Lichtmess am 2. Februar. Erst dann kommt sie wieder zurück zu Ursula Großmann.

Die 79-Jährige hat wegen Corona sicherheitshalber die Muttergottesverlosung abgesagt. »Wir sind ja alles ältere Leute und da will man nichts riskieren, auch, wenn man geimpft ist«, meint sie. Deshalb bleibt die Muttergottesstatue in diesem Jahr in ihrer Obhut. Doch sie hat allen Teilnehmerinnen eine Kerze gebracht und selbst die Nummern verteilt, wer wann dran ist. »Dann können die Frau, die die Maria gebracht hätte, und diejenige, die sie erhalten hätte, trotzdem zu einem verabredeten Zeitpunkt beten, wenn auch jeder für sich.« Wer welche Gebete spricht, ist jedem selbst überlassen.

Tradition reicht Jahrzehnte zurück

Eine Tradition. Wie alt die Tradition ist, kann Großmann nicht genau sagen. Sie weiß nur, dass sie vor rund 60 Jahren in den Kreis ihrer Tante Elli Hartmann aufgenommen wurde. »Das war damals nicht leicht, weil es genug Herbergsleute gab«, erzählt sie. Heute sei das anders. Sie selbst hat die Figur, die nach ihrer Schätzung aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen müsste, 2003 von ihrer Tante übernommen. Großmann weiß, dass vor ihrer Tante vier Generationen, diese Statue für die Herbergssuche hatten. »Vielleicht waren es auch noch mehr«, mutmaßt sie.

»Am Anfang, als ich den Kreis übernommen habe, konnte ich immer noch ein paar neue Herbergsgeber gewinnen, aber heute wollen Jüngere bei so etwas nicht mehr mitmachen«, bedauert sie. Das sei auch der Grund gewesen, warum Roland Usinger, um seinen Kreis zu erhalten, Teilnehmer einer anderen Gruppe aufgenommen habe.

Und das ist auch der Grund, warum der Muttergottes-Kreis von Anneliese Brendel seit drei Jahren nicht mehr stattfindet. Die inzwischen 90-Jährige hatte mit Ingrid Hering zwar eine Nachfolgerin gefunden, aber es mangelt an Teilnehmern. Daher hat diese Muttergottesstatue bei Brendels Tochter Beate Beuth-Wagner ein neues und dauerhaftes Zuhause gefunden.

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