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Dankbar für Besuche

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Einrichtungsleiterin Ursula Staudt hofft, dass Weihnachtsbesuche im Seniorenpark möglich sein werden. © Red

Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir den UA-Lesern jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend. Heute sind wir im Seniorenpark Carpe Diem in Hasselbach.

Hasselbach . Wie wichtig geöffnete Türen für die Bewohner in Altenpflegeheimen sind, wurde auch im Seniorenpark Carpe Diem im vergangenen Jahr schmerzhaft deutlich, als die Eingangstür drei Monate lang für Besucher geschlossen bleiben musste. »Zum Glück stehen seit diesem Jahr Corona-Impfungen für alle zur Verfügung. Gut 90 Prozent unserer Bewohner haben nunmehr bereits die dritte Booster-Impfung erhalten«, sagt Einrichtungsleiterin Ursula Staudt.

Dritte Impfung macht es leichter

»Auch sehr viele Angehörige sind bereits zum dritten Mal geimpft. Das hat die Besuchssituation bis heute ungemein erleichtert. Wir hoffen, dass das auch Weihnachten noch möglich sein wird.«

Der Seniorenpark hat eine auf den ersten Blick gewiss ungewöhnliche Regelung gefunden, der Infektionsgefahr zu begegnen und dennoch Besuchskontakte zu ermöglichen: Besucher dürfen das Haus betreten, wenn sie einen tagesaktuellen Negativ-Nachweis mit dem Zertifikat eines offiziellen Tetzentrums vorzeigen. »Das gilt tatsächlich auch für nicht geimpfte Personen. Aufgrund unserer Fragebögen bei den Eingangskontrollen wissen wir, dass das aber nur ganz wenige sind. Die negativen Tagestests geben uns die bestmögliche Sicherheit, da ja bekanntlich auch geimpfte Besucher infiziert sein könnten«, sagt die 56-Jährige.

Das gesamte 82-köpfige Team wisse, wie wichtig persönliche Kontakte, Berührungen und Umarmungen für die Bewohner sind. »Wir tun deshalb alles dafür, dass unsere Türen offen sind und Bewohner Besuche empfangen können.« Aufgrund der zuvor nie dagewesenen pandemischen Notlage, fehlender Impfungen und Testmöglichkeiten sowie der tatsächlichen Gefahren war im vergangenen Jahr äußerste Vorsicht geboten. »Es war wie Einzelhaft«, schildert Staudt die Situation mit einem eindringlichen Vergleich.

Der Besuchsalltag sah während des Lockdown zum Teil bizarr aus. »Angehörige standen auf den Feuertreppen, und die Bewohner kamen raus auf ihre Balkone und sie unterhielten sich draußen mit großem Abstand«, blickt Staudt zurück. »In einem ersten Schritt der Öffnung, als Impfungen noch weit entfernt waren, durften unsere Bewohner ihre Angehörigen mit Masken in unserem Café sehen. Es war aber eine Plexiglaswand zwischen ihnen aufgestellt.«

Eine erste Besserung trat in diesem Jahr ein, als durch die beginnenden Impfungen der alten Menschen wieder Besuche in deren Zimmern möglich waren. Diese aber erfolgten weiterhin mit Maske, einem Abstand von 1,50 m. Gemeinsames Trinken oder Essen waren untersagt, ebenso, wie Umarmungen.

Dabei wirken regelmäßige Besuche - und diese so oft wie irgend möglich - dem Gefühl der Einsamkeit entgegen. Tatsächlich hat die Einrichtungsleiterin gemeinsam mit ihrem Team die Erfahrung gemacht, dass digital übermittelte Bilder ebenso eine Möglichkeit sind, in Kontakt zu bleiben.

Bilder aus dem Alltagsleben der Angehörigen können in ihrer Bedeutung die persönlichen Besuche aber freilich nie ersetzen.

»Wir arbeiten mit der MYO-App, die ähnlich wie WhatsApp funktioniert«, sagt Ursula Staudt. »Unsere Mitarbeiter machen Bilder der Bewohner beim Nikolausbesuch, vom Plätzchen backen, beim Bingo- oder Skatspielen und versenden diese über die App an Angehörige.«

Diese haben genauso die Möglichkeit Bilder aus dem eigenen Alltag von sich, den Kindern, Enkeln oder Urenkel zu versenden. Heim-Mitarbeiter zeigen diese den Bewohnern, wodurch sich Anknüpfungspunkte bei Gesprächen ergeben. »Auch alte Bilder sind wie Türöffner zu den eigenen Erinnerungen, ähnlich wie Musik oder Gerüche beim Plätzchenbacken«, sagt Staudt. »Überhaupt ist die Vorweihnachtszeit eine tolle Zeit, die so viele verschiedene Sinne der Bewohner anspricht.«

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