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Symbolbild Gericht

Im Februar 2020

Den Falschen vertrimmt: Handgreiflichkeiten nach Fußballspiel vor Gericht

Einem Mann rutscht bei einem Spiel in der Fußballspiel zwischen dem FC Neu-Anspach und der Spvgg. 05/99 Bomber Bad Homburg die Hand aus. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Neu-Anspach . Einmal versuchte fahrlässige Körperverletzung, einmal vollendete: Einem 53-jährigen Friedrichsdorfer war am 22. Februar 2020 nach dem Fußball-Gruppenliga-Duell zwischen dem FC Neu-Anspach und Spvgg 05/99 Bomber Bad Homburg in Neu-Anspach »die Hand ausgerutscht«, wobei es aber nicht den Spieler traf, den es treffen sollte, sondern den, der sich schlichtend und deeskalierend dazwischengestellt hatte.

Die Ohrfeige saß, tat auch weh, hinterließ aber keine bleibenden Schäden beim Irrtumsopfer, wohl aber im Portemonnaie des Friedrichsdorfers, der in dieser Sache jetzt vor dem Bad Homburger Amtsgericht zu erscheinen hatte. Und er hatte Glück, denn das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, vorausgesetzt, er zahlt jeweils 1000 Euro an das Männerzentrum in Frankfurt und den Geschädigten. Er gilt damit nicht als vorbestraft und im polizeilichen Führungszeugnis taucht die Angelegenheit nicht auf. Sie war wohl Ausdruck des aus Sicht des Angeklagten unerfreulichen Spielverlaufs, dessen Sohnemann an dem Tag im Bomber-Leibchen aufgelaufen war.

Ein wenig um die Einstellung kämpfen musste der Verteidiger allerdings schon, denn der Amtsanwalt war zunächst gar nicht so leicht dafür zu haben, das Buch zuzumachen. Solche Fälle bedürften nämlich generalpräventiver Betrachtung und dürften einfach nicht ausarten. Was auch der Richter so sah. Beim Eishockey gerieten sich die bestens gepolsterten Spieler in die Haare. Bei aus dem Ruder laufenden Kreisliga-Events seien es jedoch oft die häufig als ganze Armada von Trainern agierenden Väter der Protagonisten, die sich prügelten, oder im Chor gegen gegnerische Spieler oder Schiedsrichter. »Foul«, »Schiri, du Pfeife« oder auch »Kannnix« skandierten - wie in diesem Fall auch.

So etwas gehe gar nicht, meinte der Richter, vor allem dann, wenn es auch noch handgreiflich werde. Er ließ sich am Ende aber auch auf die Einstellung ein, damit die Sache vom Tisch kam, denn der Verteidiger hatte, ohne dass das aus seinem Munde wie eine Drohung klingen sollte, bereits das Vorhaben annonciert, notfalls über einen Beweisantrag eine Reihe von Zeugen aufzubieten, die erklären könnten, wie es wirklich war. Es könne sich nämlich auch um Notwehr gehandelt haben.

Und so soll es gewesen sein: Schon während der Partie soll der Angeklagte immer wieder despektierliche Aussagen zur Spielweise eines 17-jährigen FC-Kickers gemacht haben, so laut und penetrant, dass der Spieler und auch der 18-jährige Torwart mehrfach um Ruhe auf der Tribüne gebeten haben. Genutzt hat’s nichts, sodass es dem 17-Jährigen entfuhr, der Angeklagte möge doch endlich »die Fresse halten«. Das hat den Mann wohl aber erst richtig ärgerlich gemacht. Er revanchierte sich mit einer Beleidigung aus der untersten Schublade, die sich der aus Pakistan stammende Spieler aber erst von einem des Türkischen mächtigen Spielkameraden übersetzen lassen musste und beim Gescholtenen für Entsetzen sorgte. Die Beleidigung hatte es aber nicht bis in die Anklageschrift geschafft, Nach dem Spiel wollte der Angeklagte den 17-Jährigen offenbar auf dem Weg in die Kabine zur Rede stellen, wobei er, so der junge Mann, jeglichen Abstand vermieden habe und sogar mit einem Schubs zurückgeschoben werden musste.

Nun holte der Vater zur Backpfeife aus, traf aber nicht den 17-, sondern den 18-Jährigen, der sich mit den deeskalierenden Worten »Lass ihn einfach stehen und komm mit in die Kabine« zwischen beide gestellt hatte. Dem irrtümlich Geschlagenen war nicht nach Zoff zumute. Er zog sich auf Anraten des Trainers mit dem ganzen Team in die Kabine zurück. Für den besonnenen jungen Mann war die Angelegenheit spätestens erledigt, als sich der nunmehr Angeklagte fernmündlich auf Vermittlung des Trainers bei ihm entschuldigt hatte.

Wiederholungsgefahr kann ausgeschlossen werden, denn der Sohn des Mannes kickt jetzt für den FC, Täter und Opfer sind inzwischen beim vertrauten »Du«.

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