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Der Tod kostet in Wehrheim nicht nur das Leben

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Von: Inka Friedrich

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Für die Friedhöfe in Wehrheim tritt eine neue Gebührensatzung in Kraft. © Inka Friedrich

Umsonst ist der Tod - und der kostet das Leben. Und zwar immer mehr, muss man hinzufügen, wenn man die letzte Ruhe in Wehrheim findet. Das geht aus der neuen Friedhofordnung hervor.

Wehrheim. Umsonst ist der Tod - und der kostet das Leben. Und zwar immer mehr, muss man hinzufügen, wenn man die letzte Ruhe in Wehrheim findet. Damit sich das Sterben zumindest für die Verwaltung wieder rechnet, wurde die alte Friedhofsordnung zu Grabe getragen. Die war sowohl was allgemeine und rechtliche Vorschriften als auch Gebührensätze angeht in die Jahre gekommen; eine Kostendeckung war nicht mehr gegeben. Die Gemeindevertretung hat in ihrer jüngsten Sitzung im ausgehenden Jahr daher einer Neufassung der Gebührensatzung einstimmig zugestimmt.

Satzung auf 50 Seiten an moderne Maßstäbe angepasst

Auf über 50 Seiten passt sich die neue Satzung modernen Maßstäben an. Neben korrigierten Preisen für Beerdigungen finden sich dort nach unten korrigierte Belegungszeiten für Grabstellen. »Wir haben die Belegungszeit einer Grabstätte von 40 auf 30 Jahre heruntergesetzt. Denn wenn man betrachtet, dass viele Menschen nach einer solch langen Zeit selbst Rentner sind, die sich dann um die Grabpflege kümmern müssen, dann halten wir 40 Jahre einfach für zu lang«, argumentierte Bürgermeister Gregor Sommer sowohl im Haupt- und Finanzausschuss als auch in der Gemeindevertretersitzung, die kurz vor Weihnachten stattfand.

Klar ist: Das Sterben wird teurer. Das soll es aber auch. Denn Gemeinden sind darauf angewiesen, dass sie kostendeckend arbeiten. Auch bei Beerdigungen. War in Wehrheim bislang von Gemeindeseite eine Kostendeckung von 80 Prozent üblich, so werden nun 90 Prozent abgedeckt. Dies spiegelt sich deutlich in den Preisen für Grabstätten, Nutzungen der Trauerhalle oder den Bestattungsgebühren wider (siehe unten) Neu finden sich in der Friedhofssatzung nun auch die Gebühren für anonyme Beisetzungen, die in der vorherigen Satzung so noch nicht verankert waren.

Ohnehin habe sich das Bestattungswesen verändert, erklärte Sommer kurz vor dem Beschluss der Gemeindevertreter. Seien vor Jahren noch Erdbestattungen die Regel gewesen, so würden mittlerweile die Urnenbestattungen überwiegen. »Das Verhältnis von 70 Prozent Erdbestattungen zu 30 Prozent Urnenbestattungen hat sich in den letzten Jahren um Hundertprozent gedreht. Das ist eine enorme Verschiebung«, findet der Bürgermeister. Ebenso seien von den Bürgern immer neue Bestattungsformen gewünscht - beispielsweise die immer mehr gefragte Waldbestattung.

Waldbestattungen werden nun geprüft

»Die haben wir in die Gebührenordnung jedoch noch nicht eingearbeitet«, sagt Sommer. Zunächst wolle man in der Gemeindeverwaltung abwarten, wie gut eine Kostendeckung durch die neue Gebührensatzung erreicht werde. In einem künftigen Schritt würden dann auch die Waldbestattungen als Begräbnisform eingearbeitet werden. Diesbezüglich gebe es noch einige Dinge zu klären - wie beispielsweise die Zuwegung, die Verkehrssicherung und Fragen der Waldbewirtschaftung. »Diese Fragen werden wir im kommenden Jahr intensiv angehen«, versprach der Verwaltungschef.

Warum Wehrheim im Vergleich zu umliegenden Kommunen jedoch immer noch vergleichsweise »preiswert« Bestattungen anbieten könne, liege an einer Mischkalkulation, die es ermögliche, die selben Leistungen kostengünstiger anzubieten, erklärte Kämmerer Benjamin Sturm auf Nachfrage von FDP-Politiker Klaus Schumann. Ein Grund sei beispielsweise auch, dass in die Wehrheimer Trauerhallen noch keine größeren Neuinvestitionen geflossen seien, was sich ebenfalls in den Gebühren wiederfinde. »Investieren wir hier, dann müssen wir auch bei den Gebühren mit anderen Zahlen rechnen«, erklärt Volker Minet von der Gemeindeverwaltung. Zudem, so vermutete Sturm, rechneten die anderen Kommunen bei der Kostendeckung vermutlich mit 100 Prozent ab.

Die neuen Friedhofsgebühren in der Gemeinde Wehrheim

Im Vergleich zur bisherigen Friedhofssatzung wird bei der Wehrheimer »Familie Mustermann« eine Beerdigung nach neuen Richtlinien deutlich teurer. In unserer Rechnung enthalten sind die Gebühren für die fünftägige Trauerhallennutzung, ein pauschaler Trägerlohn, Bestattungsgebühren sowie Überlassungsgebühren der Grabstätte.

Wie viel eine Beerdigung letztlich kostet, hängt jedoch auch davon ab, wie lange der Leichnam in der Leichenhalle aufbewahrt wird, wie viele Träger engagiert werden oder welche Grabform gewählt wird.

Durchschnittliche Kosten für eine Erdgrabstätte / Reihengrab: Bisher mussten dafür bei obengenannter Rechnung 1600 Euro gezahlt werden. Nun würde die gleiche Leistung 2410 Euro kosten – 810 Euro mehr. – Wahlgrab: Bisher mussten dafür 1800 Euro gezahlt werden. Nun würde die gleiche Leistung 2610 Euro kosten – ebenfalls 810 Euro mehr. – Wiesengrab: Bisher mussten dafür 2325 Euro gezahlt werden. Nun würde die gleiche Leistung 2835 Euro kosten – 510 Euro mehr.

Durchschnittliche Kosten für eine Urnenbestattung: Hier hängt es stark davon ab, ob eine anonyme Bestattung, eine Reihenbestattung, eine Wahlbestattung, die Bestattung in einer Urnenwand oder aber eine Erdbestattung gewünscht ist.

Bestattung in einer Urnenwand / Reihengrabbestattungen: Bisher etwa 1060 Euro, künftig etwa 1440 Euro – das wären etwa 380 Euro mehr. – Anonyme Bestattung: Bisher etwa 960 Euro, künftig etwa 1360 Euro – das wären etwa 400 Euro mehr. – Wahlgrabstätte: Bisherige Kosten etwa 1060 Euro, künftig etwa 1510 Euro – das wären also etwa 450 Euro mehr.

Erdbestattung einer Urne / Reihengrabbestattung: Bisher etwa 1260 Euro, künftig etwa 1540 Euro – das wären etwa 280 Euro mehr. – Anonyme Erdbestattung: Bisher etwa 1160 Euro, künftig etwa 1560 Euro – das wären etwa 400 Euro mehr. – Wahlgrabbestattung: Bisher etwa 1260 Euro, künftig etwa 1610 Euro – das wären etwa 350 Euro mehr. INF

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