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Dicke Fragezeichen bei Zeitplan und Kosten

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Von: Matthias Pieren

Auf einem Abschnitt zwischen Wehrheim und der Haltestelle Lochmühle / Saalburg sollen die Bahnen künftig zweigleisig fahren können.
Auf einem Abschnitt zwischen Wehrheim und der Haltestelle Lochmühle / Saalburg sollen die Bahnen künftig zweigleisig fahren können. © map

Der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) sieht nach dem Erörterungstermin keine Hindernisse für die Erteilung des Baurechts für Verlängerung der S 5 bis Usingen. Allerdings wirken sich Lieferengpässe und gestiegene Preise auf das Großprojekt aus.

Hochtaunus -Die Realisierung ist wieder etwas näher gerückt. Jüngst war in Wehrheim der nicht öffentliche Erörterungstermin für die Elektrifizierung der Taunusbahn und damit die Verlängerung der S 5 bis Usingen angesetzt. Dabei handelt es sich um einen Teil des laufenden Planfeststellungsverfahrens (PFV). Formal betrachtet war das also ein weiterer Schritt auf dem langen Weg bis zur Erteilung des Baurechts für das millionenschwere Verkehrsinfrastrukturprojekt im Hochtaunuskreis. Zugleich zeigten sich allerdings auch eine Reihe von Risiken und Unwägbarkeiten - beim Zeitplan ebenso wie bei den Kosten.

"Infolge der - insbesondere durch den Ukraine-Krieg ausgelösten - globalen Materialknappheit und des Fachkräftemangels im Bahnbaugewerbe kommt es derzeit bundesweit zu Lieferengpässen und Verzögerungen bei Planungs- und Bauprozessen", teilte der Verkehrsverband Hochtaunus (VHT) mit. Es sei damit zu rechnen, dass sich diese Problematik auch auf die Elektrifizierung und den Ausbau der Taunusbahn auswirken werde. Die Phase der Bauvorbereitung und -durchführung werde dadurch länger dauern als zuvor angenommen. "Eine genaue Terminierung kann erst nach Vorliegen des Planfeststellungsbeschlusses erfolgen", so der VHT, der Bauherr und Auftraggeber des Projektes ist.

Es spricht demnach vieles dafür, dass der ins Auge gefasste Betriebsstart zum Fahrplanwechsel im Dezember 2023 nicht eingehalten werden kann. Wäre bis Ende diesen Jahres Baurecht geschaffen, müssten - um den Zeitplan zu halten - nicht nur innerhalb eines Jahres die Ausschreibungen und die anschließende Vergabe der Bau-Aufträge erfolgen. Es müssten auch die Elektrifizierung der Bahnlinie, der Umbau des Bahnhofs Usingen und zweier doppelgleisiger Abschnitte sowie die Fertigstellung des neuen elektronischen Stellwerks Usingen abgeschlossen sein.

50 Bürger bei Erörterungstermin

Das Ende des Planfeststellungsverfahrens wird zwar für Ende des Jahres erwartet - eine verbindliche Zusage gibt es aber nicht. "Eine Prognose, wann mit dem Abschluss gerechnet werden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich", hieß es nach dem Erörterungstermin vom zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt (RP).

Beim Erörterungstermin, bei dem nach Angaben des RP etwa 50 Bürger und Institutionen die Antworten des Verkehrsverbandes Hochtaunus auf die jeweiligen Einwände gegen das Projekt erhielten, wurde der VHT auch mit der Frage nach der weiteren Kostenentwicklung und Wirtschaftlichkeit des Projektes konfrontiert. "Inzwischen sind die Weltmarktpreise für Stahl, Aluminium und Kupfer um jeweils mehr als 50 Prozent angestiegen, von Handwerks- und Energiepreisen ganz zu schweigen", trugen etwa die Eheleute Wilfried und Ulrike Kohlmeier vor. Die Gesamtkosten dürften ihrer Einschätzung nach daher weit über der zuletzt veröffentlichten Kalkulation von 120 Millionen Euro liegen.

Von dieser Zeitung auf eine zu erwartende massive Kostensteigerung seit der letzten Schätzung aus dem Jahre 2019/2020 angesprochen, teilte der VHT mit, dass die Preisentwicklung, insbesondere bei Baustoffen, sehr dynamisch sei: "Derzeit kann nicht abschließend beurteilt werden, wie sich die ökonomische Lage in einigen Monaten darstellt. Wir werden die Projektkosten in den kommenden Monaten neu aggregieren und die Einflüsse der Marktentwicklung berücksichtigen", so der Bauherr.

Dass einzelne Bürger und Anlieger dem Projekt kritisch gegenüberstehen, sei dem VHT bewusst. "Wir hoffen, auch diese Personen durch einen zufriedenstellenden Umsetzungsprozess des Erörterungstermins letztlich von der Richtigkeit und Wirksamkeit des Vorhabens überzeugen zu können", teilte der VHT-Vorsitzende und Landrat Ulrich Krebs (CDU) mit. Planerisch seien gute Lösungen für die unterschiedlichen Belange gefunden worden. Aus Sicht des VHT stünden der Erteilung des Baurechts "keine Hindernisse entgegen".

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