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Die höchstgelegene Taunus-Tür

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Die höchstgelegene Tür im Hochtaunuskreis müssen die Techniker des Hessischen Rundfunks öffnen, wenn sie die Antennenanlagen auf dem Großen Feldbergs warten. ARCHIVFOTO: PIEREN © Red

Usinger Land . Wie ein Fingerzeig ragt der fast 120 Meter hohe, mit Stahlseilen fest abgespannte, in rot-weiß-roten Warnfarben geringelte Rohrmast des Hessischen Rundfunks auf dem Großen Feldberg in den Taunushimmel.

Welche Bedeutung der Sendemast hat, wird zumeist dann erst bewusst, wenn die Antennentechnik dort oben nicht funktioniert oder abgeschaltet wird. Angesichts des meist ausgewählten und guten Fernsehprogramms zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr wären die bevorstehenden Tage ein schlechter Zeitpunkt für eine massive Störung des Sendebetriebes.

Um so einen Black-out zu vermeiden, werden die Antennenanlagen dort oben in luftiger Höhe regelmäßig gewartet. Das letzte Mal war das Mitte Oktober der Fall. Nach Angaben des HR kam es wegen Wartungsarbeiten an der Mastspitze tagsüber im Versorgungsbereich des Senders zu Empfangsbeeinträchtigungen einiger Hörfunk- und sämtlicher Fernsehprogramme.

»Die Wartungsarbeiten an den Antennenanlagen führten von den Morgen- bis in die späten Nachmittagsstunden vorübergehend zu verminderter Sendeleistung oder der Unterbrechung der HR-Programme über UKW und DVB-T2 (Fernsehen)«, teilte der HR mit. Die Drosselung der Sendeleistung war geboten, um den Technikern, die dort oben zu tun hatten, eine möglichst große Arbeitssicherheit zu gewährleisten.

Gebaut Anfang des Jahrtausends

Tatsächlich wurde der Sendemast Anfang des Jahrtausends im Zuge der Umstellung des analogen Fernsehens auf die digitale DVB-T-Technik auf seine heutige Höhe aufgestockt. Platz- und Höhenangst sind für die beiden permanent auf dem Großen Feldberg stationierten Techniker des HR absolute Fremdworte. Denn ein- bis zweimal im Jahr geht es - mit Werkzeug-Rucksack, Sicherheitsweste, Sicherungsseilen und Karabinern ausstaffiert - im Innern des Masts über Leitern und Trittstufen aufwärts. Am Fuße des Rohrmastes öffnen die Betriebstechniker dann die Eingangstür. Die ersten 50 Meter führt ihr Weg im Innern senkrecht aufwärts. Erst dort, wo der eigentliche rot-weiße Gittermast ansetzt, kommen sie wieder an die frische Luft, nachdem sie dort die höchstgelegene Außentür im Taunus geöffnet haben.

Auf dem dortigen kleinen Balkon gönnen sie sich keine Pause und schwingen sich im Gittermasten zu den Sendern empor. »Als wir das analoge terrestrische Fernsehen 2004 im Rhein-Main-Gebiet auf die digitale DVBT-Technik umgestellt haben, wurde unser Sendemast auf die heutige Höhe aufgestockt«, teilt der HR mit.

Alle anderen HR-Sendeanlagen in Hessen werden zentral vom Großen Feldberg aus versorgt. Mit 118 Metern ist der Muttersender des Hessischen Rundfunks aber noch vergleichsweise niedrig. Der Standortvorteil ist der natürliche Sockel des Feldbergs. Außer dem Satellitenempfang und der Internet-Technik als Übertragungswege der Radio- und Fernsehprogramme übernimmt der Funkturm die terrestrische Verbreitung über bodennahe Funkwellen.

Zuletzt ein kleiner Blick in die Geschichte: Der Standort auf dem Feldberg gilt als Pionierstation für die Radio- und Fernsehgeschichte Hessens. 1948 nahm der Hessische Rundfunk seine Sendeanlage auf dem Feldberg in Betrieb. Es war der erste Sender in der Nachkriegszeit, der die Bürger in Hessen mit unabhängigen Radionachrichten versorgte.

Auch als das Fernsehen aufkam, war der Feldberg Pionierstation für die hessenweite Verbreitung. Stereoempfang und das Farbfernsehen waren die nächsten technischen Revolutionen, die auf dem Feldberg gemeistert wurden. Seit 2006 werden Fernsehen und Radio nur noch von diesem Masten ausgestrahlt. 2017 wurde auch die HR-Sendestation in das digitale Antennenfernsehen (»DVB-T2«) eingebunden. Heute ist längst auch das Digitalradio (»DAB+«) etabliert.

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Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir den UA-Lesern jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend. Heute geht es auf den höchsten Taunus-Gipfel.

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