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»Die Jugendlichen sind frustriert«

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Ferienspiele 2019: Jugendpfleger Gunther Gräfe (6. von links) mit seinem Team freuen sich auf die Zeit, die unter dem Motto »Märchen« stand. Diese Ferienspiele sind nun seit zwei Jahren so nicht mehr möglich gewesen. © Jung

Wehrheim . Die Skifreizeit der Jugendpflegen wird auch in diesem Jahr nicht stattfinden können. Die Jugendzentren im Apfeldorf aber sind geöffnet. Wie läuft es derzeit mit der Jugendarbeit dort? Wir haben mit Jugendpfleger Gunther Gräfe gesprochen. Er klagt den schulischen Stress an, den viele Schülerinnen und Schüler auszustehen haben und wünscht sich mehr freie Zeit für diese.

Wie läuft die Jugendarbeit derzeit?

Gräfe: Da läuft coronabedingt leider nur ein »Sparprogramm«.

Sind die Jugendzentren geöffnet und wenn ja unter welchen Vorkehrungen und wann?

Gräfe: Das JUZ Wehrheim ist geöffnet - montags und mittwochs von 18 bis 21 Uhr . Das JUZ Obernhain ist geöffnet montags von 18 bis 21 Uhr. Die Jugendlichen orientieren sich an den empfohlenen Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Da sich die pandemische Lage ja verschärft, weichen sie davon auch nicht ab, um die Jugendzentren offen zu halten. Betreut werden die beiden Jugendzentren unter anderem auch von Tanja Kaspar, Teamerin des Kreises.

Gibt es Projekte, die ausgefallen sind oder ausfallen werden?

Es gibt einige Projekte, die so nicht stattfinden können: Unsere Skifreizeit, die in Kooperation mit den anderen Kommunen im Hintertaunus gewöhnlich im Januar stattfand, haben wir wieder verschieben müssen und hoffen, dass es in den Osterferien dann klappt. Ausfallen mussten auch Kreativ-Projekte wie ein neues Jugendchorprojekt mit der Perspektive auf einen Auftritt beim Weihnachtskonzert der Brothers & Sisters (das ja auch ausfallen oder online stattfinden muss, wenn wir das bis dahin hinbekommen). Ebenso Bastel- und Backaktionen für die älteren Ferienspielkinder in der Adventszeit, die ich aus Hygiene- und Platzgründen auch habe absagen müssen. Was aber unterm Strich nicht heißt, dass diese Projekte komplett gestrichen sind. Die Konzepte dafür bereits in der Tasche zu haben, ist schon mal viel wert und erspart einiges an Stress vor und bei der Durchführung. Das gilt auch für ein Musical, für das nur der Startschuss und ein »sicherer« Aufführungstermin fehlt.

Was ist mit den Ferienspielen im nächsten Sommer 2022?

Gräfe: Bei den Ferienspielen bin ich optimistisch, dass diese 2022 wieder mindestens so stattfinden können, wie in diesem Jahr. Da war ja fast alles möglich und an Schnelltests und das Hygienekonzept hatten sich bis dahin ja auch fast alle Teilnehmer und Teamer schon gewöhnt. Da bin ich gerade in der Planung. Ausschreibung, Unterlagen und Anmeldung werden wie gewohnt im Februar auf der Webseite zum Download bereitstehen.

Wie erleben Sie die Jugendlichen derzeit?

Gräfe: Also mal abgesehen, dass im Herbst viele Menschen (egal ob jung oder alt) etwas »durchhängen«, machen viele Jugendliche schon einen außerordentlich gestressten und frustrierten Eindruck. Der Druck in der Schule ist für viele, mit denen ich zu tun habe, zu hoch. Es scheint, dass alles, was in der Online-Phase nicht geschafft wurde, jetzt mit Druck nachgeholt werden muss und dann immer noch mehr darüber hinaus. Es bleibt kaum noch Zeit für einen entspannten Ausgleich, wenn man nach der Schule dann noch spät nach Hause kommt, Hausaufgaben machen muss, eine Präsentation vorbereiten und dann auch noch für drei Klausuren lernen soll, die in der nächsten Woche anstehen. Ein normaler Arbeitnehmer hat in der Regel eine 40-Stunden-Woche. Und mit ein bisschen Glück ist nach einem 8-Stunden-Tag dann Feierabend. In vielen Jahrgangsstufen kommt man damit längst nicht mehr hin. Und das Wochenende sollte eigentlich ja zur Erholung da sein… das hat sich auch gewaltig geändert und der Erholungswert geht mittlerweile bei vielen gegen null. So ist der ganze Stoff einfach zu viel und es besteht kein oder kaum noch Freiraum für Dinge, die Freude machen. Dann verwundert es auch nicht, dass Jugendliche in diesem System aufgeben, weil sie einfach nicht mehr können. Das ist sehr traurig. Diese Beobachtungen sind ja absolut nicht neu und weitgehend bekannt. Ich frage mich nur, was endlich passieren muss, damit sich in dieser Schulstruktur etwas zugunsten der Kinder und Jugendlichen in eine positive Richtung verändert.

Gibt es von Ihrer Seite aus Hilfe?

Gräfe: Ob ich etwas anbiete in dem Bereich? Ja, da gibt es meinerseits seit mittlerweile zehn Jahren ein Schülercoachingangebot, um die Schüler aufzufangen, so gut es unter den derzeitigen Bedingungen eben geht. Interessenten können sich gerne per E-Mail bei mir (Jugendpflege@Wehrheim.de - die Red.) melden.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Gräfe: Also trotz Corona bleibt genug zu tun: Bürokram, Planung diverser Aktionen im neuen Jahr, die Ferienspiele, Inventur des Ferienspielmaterials und alles andere drumherum, die zwei offenen Jugendzentren, sowie das JUZ in Pfaffenwiesbach, dessen Renovierung noch abgeschlossen werden muss, das Schülercoaching, die Konzeption eines neuen Online-Hörbuch-Projektes im Falle eines neuen Lockdowns. Für das neue Jahr hoffe ich, die beiden anderen Jugendzentren in Pfaffenwiesbach und Friedrichsthal für jüngere Jugendliche wieder öffnen und beleben zu können. Ich würde auch gerne wieder die beliebten Workshops (Musik und Basteln) anbieten und auch einen Foto-Workshop für Kinder und Jugendliche. Wenn da etwas schönes bei rauskommt, können wir einen Kalender für 2023 drucken lassen. Ebenfalls sammle ich gerade Ideen für eine regionale »Jugendarbeit-im-Hintertaunus-Website«, um Jugendlichen dort übersichtlich über alle Angebote, Jugendzentren, Ansprechpartner und Notfallnummern regelmäßig zu informieren. Ideen, Gedanken und Vorbereitungen für all diese Sachen sind ein guter Motivator. Langweilig wird mir garantiert nicht.

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