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»Die Senioren gehören in die Neue Mitte«

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Hier, im vorderen Teil des Zentrum 60plus, könnte eine Lounge entstehen. Jetzt arbeitet der Seniorenbeirat aber erstmal ein Konzept für die Renovierung seines Raums aus, berichten Volker Kulp (von links), Raphael Eckhard und Harry Euler. © Red

Neu-Anspach (nni). Der Neu-Anspacher Seniorenbeirat möchte gerne sichtbarer werden. Denn »viele wissen nicht, wo wir sind«, sagt Presse- und Informationswart Harry Euler. Der Vorsitzende des Seniorenbeirats Raphael Eckhard sagt, er habe den Standort des Zentrum 60plus auf der Rückseite des Bürgerhauses erst entdeckt, als er vor fünf Jahren beim Seniorenbeirat angefangen habe.

Eckhard lebt seit 35 Jahren in Neu-Anspach und hat 44 Jahre in einem internationalen Chemieunternehmen gearbeitet.

Dabei ist der Seniorenbeirat die Vertretung aller Neu-Anspacher ab dem 60. Lebensjahr - doch diese fühlen sich oft noch viel zu jung, um sich für die Arbeit des Beirats zu interessieren, hat Euler beobachtet. Der Verwaltungswirt hat bis Anfang 2019 bei der AOK-Hessen gearbeitet und war viele Jahre gewerkschaftlich auch auf Landesebene aktiv. Er möchte sein Wissen, das er in Beruf und Ehrenämtern gesammelt hat nun weitergeben.

Der Neu-Anspacher Seniorenbeirat nutzt die Räumlichkeiten in der Gustav-Heinemann-Straße 3 seit rund 25 Jahren. Man entwickele gerade ein Konzept, wie man den Raum aufpeppen könne, so Eckhardt. Der Raum könne neu gestrichen werden, im vorderen Teil sei eine Lounge vorstellbar. In der Mitte des Raums sei dann wie jetzt auch der Aktivitätsbereich für Spiele und kreative Angebote, die wegen der aktuellen Pandemie bis Mitte Januar pausieren. Danebene sind dann wie gehabt die PC-Arbeitsplätze und der hintere Bereich bleibe weiter für die Bandproben. »Ein kleinerer Besprechungsraum, wo man sitzen kann, ohne Gruppen zu stören«, stellt sich Euler vor.

Und auch eine Umgestaltung des Eingangsbereichs fände der 66-Jährige schön. Denn dieser werde häufig nur von den Jugendlichen der ARS zum Chillen genutzt. »Die müssen nicht weg, wir sind offen für Jugendliche«, betont Euler. Der Eingang könnte aber einladender werden.

Im neuen Jahr steht aber zunächst die Überarbeitung der Wahl- und Geschäftsordnung auf der Agenda. Diese sei in ihrer Grundfassung aus dem Jahr 1992, sagt Eckhardt. Es sollen Passagen gestrichen werden, die sich auf Angebote beziehen, die es nicht mehr gibt und Aufgaben konkreter gefasst werden. Leider seien bei der vergangenen Wahl ein paar Dinge nicht optimal gelaufen, so der 66-Jährige.

Gesellige Angebote in der Corona-Pause

Der 66-jährige bedauert, dass die Wahlbeteiligung bei Seniorenbeiratswahlen in Neu-Anspach noch unterdurchschnittlich sei. Steht diese Bevölkerungsgruppe zu sehr im Schatten? Ja, findet Volker Kulp, einer der beiden Stellvertreter Eckhards und früher Gesamtbetriebsratsvorsitzender beim amerikanischen Konzern »Diebold Nixdorf«. Er hat im Neu-Anspacher Koalitionsvertrag nachgezählt, wie viele Seiten den älteren Mitbürgern gewidmet wurden: acht Seiten waren es. »Wenn man überlegt, dass 4300 Menschen schon 60plus sind, da fehlt was«, sagt der 64-Jährige. Diese Zahl werde bis 2030 auf 5000 Menschen steigen, so Eckhardt.

Arbeitsgruppe sammelt Fakten

Insbesondere der Bereich Wohnen im Alter ist eine große Baustelle, die der Seniorenbeirat angehen möchte, aber auch die Mobilität will er verbessern. Aus dem »Torso«, der aus der Entwicklungsmaßnahme Neue Mitte hervorgegangen sei, ergäben sich große Gestaltungsmöglichkeiten, sagt Eckhardt. Dort könne Generationen-Wohnraum, inklusive Wohnraum für ältere Menschen, entstehen. »Die Senioren gehören in die Mitte«, so der Vorsitzende.

»Ein generationenübergreifendes gemeinschaftliches Wohnen wäre ideal.« Ideen habe der Seniorenbeirat schon, aber er brauche die Fakten, so Eckhardt. Und diese liefert die Umfrage unter den 60-Jährigen der ISEK-Arbeitsgruppe »Siedlungsentwicklung und Wohnen« zur Seniorenbeiratswahl (mehr lesen Sie im nebenstehenden Artikel). Ein wichtiges Fazit ist, dass »gerade die unter 70jährigen sich nicht vorstellen können, die Wohnsituation zu verändern oder planen dies auch nicht«, heißt es in der Zusammenfassung.

Dies ändere sich erst, wenn sie auf Unterstützungs- oder Pflegeleistungen durch Dritte angewiesen sind. Altenwohnheime seien nicht gefragt, sondern Seniorenresidenzen und andere Wohnformen, also mit weitergehenden sozialen Kontakten und einer gewisser Selbstständigkeit, heißt es weiter. Ganz oft sei Betreutes Wohnen angekreuzt worden. Ein weiteres Fazit ist: »Wenn es keine Angebote für seniorengerechte Wohnformen gibt, dann gibt es auch keine Bereitschaft zur Veränderung oder entsprechender vorausschauender Lebensplanungen.« Dadurch, dass es weder Kurzzeit- noch Langzeitpflege in der Stadt gebe, seien die älteren gezwungen wegzuziehen, so Kulp

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