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Von außen sieht das Roder Backes gar nicht so schlecht aus. Der Ofen im Inneren ist allerdings nur mit sehr viel Geld wieder in Gang zu bringen.

Dorfgemeinschaft könnte Backhaus kaufen

Rod an der Weil (as). Gemünden hat ein »Backes«, und auch in Emmershausen, Altweilnau, Oberlauken und Niederlauken raucht der Schornstein. Backhäuser gibt es nicht oder nicht mehr in Hasselbach, Cratzenbach, Riedelbach, Finsternthal, Mauloff und Neuweilnau. Backeshäuschen im »Ruhestand« finden sich dagegen in Winden und in Rod an der Weil, da ist der Ofen schon lange im wahrsten Sinne »aus«, weil kaputt.

Während die Backesfeste, etwa in Emmershausen, Gemünden oder Oberlauken, jahrelang gesellschaftliche Ereignisse zur Aufrechterhaltung dörflicher Traditionen waren und nach zwei Pandemie-Sommern schmerzlich vermisst wurden, hat man auch in Rod die Hoffnung, das kleine Bruchsteinhäuschen in zweiter Reihe an der Weilstraße eines Tages wieder in Betrieb nehmen zu können, nie so ganz aufgegeben. Vor allem beim Heimat- und Brauchtumsverein war die Rede immer mal wieder darauf gekommen. Passiert ist aber nichts, weil das, was hätte passieren müssen, nicht passiert ist: Es hätten sich Leute finden müssen, die es richten. Das ist selbst in der einstigen Backeshochburg Oberlauken, wo das Häuschen mit hohem Aufwand saniert wurde, Feste mangels Personal immer mal wieder abgesagt werden mussten, ein Problem. Ein Jammer, eigentlich. Mit Wunschdenken allein wurde aber noch kein Backhaus mit Leben, oder noch besser, mit Broten gefüllt. Die wären in Rod auch sündhaft teuer, denn so propper das Häuschen auch nach außen wirkt - der Ofen ist so kaputt, dass mindestens 50 000 Euro nötig wären, ihn wieder in einen benutzungsfähigen Zustand zu versetzen. Sagen jedenfalls Fachleute und glauben die Politiker.

Fördergeld aus IKEK-Programm?

Überlegungen, sich den ganzen Spaß vom Land über das Dorferneuerungsprogramm IKEK bezuschussen zu lassen, gab es zwar, sie wurden aber wieder aufgegeben, nachdem sich für die Gemeinde Weilrod die Möglichkeit aufgetan hatte, den Saalbau Felsenkeller zu kaufen und ihn zu einem Dorfgemeinschaftshaus umzugestalten. Man war zu der Auffassung gekommen, dass die Bürger davon mehr hätten als von einem noch so kuscheligen Backes.

Jetzt gibt es im Ortsbeirat zaghafte Überlegungen, wonach sich die Gemeinde vielleicht von dem Häuschen trennen könnte, Ortsbeiratsmitglied Reimund Moses (FWG) hatte davon gehört. Mario Lauth (FWG) sagte, dass in der Arbeitsgruppe Gemeindliche Liegenschaften durchaus über Gebäude gesprochen werde, bei denen man sich einen Verkauf vorstellen kann, weil sie nicht mehr genutzt werden und die Kommune finanziell belasten. Das Roder Backes gehöre in diese Kategorie, sagte Lauth und nannte sogar einen theoretisch denkbaren Preis: »Einen Euro, oder so.«

Allerdings sei bei diesen Überlegungen schon ein Auge darauf zu werfen, was mögliche Kaufinteressenten dann damit vorhaben. Wenn diese Nutzung ein gewisses öffentliches Interesse bediene, sei es möglich. Lauth weiß aber auch, dass es mit einem Streichholz nicht getan ist: »Das richtige Anheizen ist eine Wissenschaft für sich und macht vor allem Arbeit.«

Ob sich tatsächlich Leute finden, die bereit sind, für so viel Geld einen total maroden Ofen zu reparieren, um dort wieder Backesfeste zu organisieren? Ortsvorsteher Klaus Fuchs (FWG) ist da skeptisch: »Bis jetzt war alles nur Strohfeuer.«

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