Drei Absagen des Kulturkreises Usinger Land

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USINGEN - (kh). Die Hoffnungen auf eine Öffnung des kulturellen Lebens in Usingen nach Ostern haben sich leider nicht erfüllt. Mit großem Bedauern muss der Kulturkreis aufgrund der derzeitigen Infektionslage und der deshalb gültigen Kontaktbeschränkungen seine nächsten Veranstaltungen absagen werden. Weder die für den heutigen 14. April vorgesehene Filmvorführung "Die Spur der Steine" des Regisseurs Frank Beyer im Kino Neu-Anspach noch die Kulturfahrt mit dem Bus nach Erbach im Odenwald am 9.

Mai können stattfinden. Das für den 25. April geplante Konzert mit "Flautando Köln", in dem vier Musikerinnen 40 verschiedene Blockflöten in der evangelischen Laurentiuskirche zum Klingen bringen wollten, hätte nach den bisherigen Corona-Regeln des Landes Hessen theoretisch umgesetzt werden. Die jedoch am Montag veröffentlichte Verlautbarung des Bundeskanzleramts, das von einer "verschärften Infektionslage" ausgeht, die noch bis zu acht Wochen dauern könne, lässt keine andere Wahl, als auch dieses Konzert jetzt abzusagen.

Dabei hatte der Kulturkreis so viel getan, um gerade dieses Konzert verwirklichen zu können. Schließlich werden die Veranstaltungen lange im Voraus geplant, bis zu anderthalb Jahren, wie Friederike Richter-Wedell im Gespräch mit dem UA betont. "Wir haben das Ensemble lange hingehalten, mussten aber auf den letzten Drücker absagen - das tut weh." Bitter sei das aber nicht nur für Veranstalter und Publikum, sondern insbesondere für die Künstler/innen, die derzeit im ganzen Land praktisch mit einem Berufsverbot belegt würden.

Nach dem umfangreichen Hygienekonzept für den Auftritt von "Flautando" hätte Dr. med. Celestine Morlinghaus-Wolff - die Ärztin ist Mitglied im Kulturkreis - für die Besucherinnen und Besucher des Konzerts sowohl Masken als auch Schnelltests organisiert. Nur Geimpfte oder Getestete hätten Zugang in die Kirche erhalten, wo sie mit ausreichend Abstand den Auftritt des Quartetts hätten genießen können. Die Kontaktverfolgung wäre anhand des Online-Kartenverkaufs gewährleistet gewesen.

"Unser Konzept wurde von Bürgermeister Steffen Wernard ausdrücklich unterstützt", so Richter-Wedell. Allerdings kam vom Kreis-Gesundheitsamt dennoch eine Absage: "Allein das Interesse einer Einzelperson oder einer Gruppe von Personen bekundet noch kein öffentliches Interesse", hieß es in dem Schreiben. Und: "Zusammenkünfte und Veranstaltungen mit vor überwiegend geselligem Charakter stehen aufgrund der aktuellen pandemischen Lage im Regelfall nicht im besonderen öffentlichen Interesse."

Seit 40 Jahren aktiv

Davon abgesehen, dass ein Präsenz-Konzert immer auch ein Gemeinschaftserlebnis ist, die Formulierung "geselliger Charakter" aber mehr an ein Grillfest mit frisch gezapftem Bier und Abstand nur auf Armlänge erinnert - der Kulturkreis sieht seine Arbeit missverstanden: Seit 40 Jahren organisiert er pro Jahr rund 13 Veranstaltungen, zählt 220 Mitglieder und Hunderte Besucher alljährlich. "Man könnte da durchaus von einem öffentlichen Interesse sprechen", meint Friederike Richter-Wedell.

Unabhängig von der Bewertung dieser Frage fiel ihr gestern ein Bericht im UA ins Auge, in dem die Anstrengungen der Bürgermeister im Hochtaunuskreis für eine Öffnungsstrategie beschrieben wird. Darin heißt es, mit einem negativen Coronatest aus einem der örtlichen Testzentren könnten die Bürgerinnen und Bürger zeitlich begrenzt einkaufen, die Gastronomie oder Kulturveranstaltungen besuchen. "Genau das hatten wir ja vor", so Friederike Richter-Wedell, die sich daraufhin noch einmal beim Gesundheitsamt erkundigte. Die Antwort: Bei der Initiative der Bürgermeister gehe es im Wesentlichen darum, auf eine Öffnung vorbereitet zu sein. Das Land Hessen haben drei Modellstädte benannt - Baunatal, Alsfeld und Dieburg - in denen die Test- und Öffnungsstrategie erprobt werde. Erst bei positivem Abschluss könne das Modell auf andere hessische Kommunen ausgeweitet werden.

Auch wenn es "verheerend" sei, dass das ehrenamtliche Engagement, das unverzichtbare kulturelle Identität stifte, dergestalt ausgebremst werde: "Dem Kulturkreis bleibt keine andere Wahl, als sich weiterhin zu gedulden", so Friederike Richter-Wedell. Immerhin: Der Kulturkreis hat eine Gefolgschaft; seit der Pandemie mit all ihren Einschränkungen ist kein einziges Mitglied ausgetreten.

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