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Andreas Rohde und Dominic Merz sind Mitarbeiter der Media Broadcast Satellite GmbH, seit 2019 Betreiber der Erdfunkstelle bei Merzhausen.

Ein Blick hinter die »Kulissen« der Erdfunkstelle Merzhausen

Mit ihren mehr als 135 Antennen dient dieser Teleport als Sende- und Empfangsstelle für Datenverkehr aller Art via Satelliten.

Usingen . PCs prägen längst ebenso die moderne Arbeitswelt, wie Internet und Handys den privaten Alltag. Der Arbeitsplatz von Dominic Merz wirkt mit seinen acht Monitoren, vier Tastaturen, Telefon und einem zusätzlichen Laptop tatsächlich ziemlich beeindruckend.

Von dort aus blickt der System Engineer - mal hochkonzentriert und dann wieder eher ganz beiläufig - über die vor ihm aufgereihten Monitore hinweg auf 36 weitere Bildschirme. Unentwegt flimmern lautlos Bilder über die »Flatscreens« in dem mucksmäuschenstillen Raum.

Wie in einem Science-Fiction-Film

Auf dem ansonsten sehr aufgeräumten, weit gestreckten Desk, wirken die zwei Kugelschreiber und ein Schreibblock irgendwie aus der Zeit gefallen. Vielmehr wirkt die Atmosphäre im sogenannten Network Operation Center (NOC) der Erdfunkstelle wie aus einem Science-Fiction-Film - auch wegen der Satelliten-Empfangsstationen, die draußen vor dem Fenster gen Orbit gerichtet sind.

Arbeitgeber von Dominic Merz ist die Media Broadcast Satellite GmbH (MBS). Vor eineinhalb Jahren hat das Unternehmen den Betrieb der als Erdfunkstelle bekannten Einrichtung nahe Merzhausen übernommen. Mit ihren mehr als 135 Antennen dient dieser Teleport als Sende- und Empfangsstelle für Datenverkehr aller Art via Satelliten.

»Auch, wenn das vielleicht manche Menschen meinen: Wir machen hier nichts Geheimes«, sagt der System Engineer. Die Antennenanlagen sind das Herz der Station und dienen den rund 70 MBS-Mitarbeitern als Infrastruktur für die weltweite Übermittlung von Multimedia-Daten.

Zu den Kunden zählen außer Fernseh- und Radiosendern auch weltweit tätige Firmen, die ihre Unternehmenskommunikation über Usingen abwickeln. Seit dem Boom, der übers Internet zu empfangenden Streaming-Dienste, werden zunehmend auch die Datenmengen für Video-on-Demand-Sendungen über die Erdfunkstelle versendet.

»Auf den Monitoren betrachten wir die einzelnen Dienste in ihrer jeweiligen Übertragungsqualität«, sagt Merz, der es schätzt, im Usinger Land zu leben und zu arbeiten. »Die tatsächliche Qualitätskontrolle wird von Systemen geprüft. Der Blick auf die Bildschirme hilft uns dabei. Sollten die schlauen Systeme technische Schwierigkeiten entdecken, melden sie uns diese sofort über Farb- und Tonsignale.«

Schnelle Reaktion gefragt

Der System Engineer muss dann wie seine sieben Kollegen sofort reagieren und die Störungen beheben. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat Media Broadcast Satellite ein zweites NOC aufgebaut, so dass aktuell zwei Teams völlig unabhängig voneinander arbeiten können.

»Im Falle von Corona-Infektionen in einem Team, kann das zweite Team den Betrieb aufrechterhalten«, erklärt MBS-Pressesprecher Andreas Rohde. Dieses Redundanz-Prinzip ermögliche eine Backup-Funktionalität des Sendebetriebs. Für Datenübertragungen über das Internet sind die 135 aktiven Antennen an den weltweit größten Internet-Knotenpunkt in Frankfurt angebunden.

Die Erdfunkstelle ist Deutschlands größter Teleport. Als unabhängiger Satelliten- und Kommunikationsdienstleister bietet die MBS digitale Dienste ganz verschiedenen Kunden aus allen möglichen Bereichen bis hin zu öffentlichen Stellen an, aber auch maritimen Diensten.

Die vor Jahrzehnten in den 1950er Jahren von der Deutschen Bundespost als Kurzwellenstation gegründete Erdfunkstelle kann sogar bei einem kompletten Stromausfall dank dreier Dieselgeneratoren und großer Notstrom-Aggregate weiter betrieben werden.

»Seit ich vor drei Jahren meinem damals fünfjährigen Sohn erstmals meinen Arbeitsplatz gezeigt habe, geht er noch heute davon aus, dass ich einen wirklich besonderen Job mache«, sagt Merz mit einem Augenzwinkern. »Er sagt, dass ich es wirklich gut habe, weil ich den ganzen Tag fernsehen könne.«

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