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Landrat Ulrich Krebs ist zuversichtlich, dass der Hochtaunuskreis trotz finanzieller Probleme gut durch die prognostizierten drei mageren Jahre kommen wird.

Ein weiteres schwieriges Jahr

Hochtaunuskreis. Die Corona-Krise hat auch das Jahr 2021 geprägt. Das gilt im Besonderen für den Hochtaunuskreis, der als Gesundheitsbehörde und Schulträger wieder stark im Fokus stand. Im Interview spricht Landrat Ulrich Krebs (CDU) über Lehren aus der Pandemie, Herausforderungen für Gesellschaft und Verwaltung sowie ein ganz besonderes Jubiläum.

Herr Krebs, dem Jahr 2020 hatten Sie die Überschrift »Anders als erwartet« gegeben - der Titel würde wieder passen…

Ja, vor allem bezogen auf die Politik würde das passen. Wir haben in diesem Jahr gesehen, dass der Wählerwille sozusagen wechselhaft ist. Aber ich würde für 2021 die Überschrift »Zuversichtlich in der Pandemie« wählen. Dass man eine solche Krise in einem Jahr abarbeiten kann, haben selbst die kühnsten Optimisten nicht erwartet. Aufs Jahr gesehen sind wir im Hochtaunuskreis ganz gut mit der Lage fertig geworden - auch wenn es an der einen oder anderen Stelle mal geholpert hat.

Welche Lehren sind aus dem zweiten Corona-Jahr für den Hochtaunuskreis zu ziehen?

Ich denke, es war wichtig, zu sehen, dass man auch mit einer Pandemie leben kann, wenn man entsprechende Vorkehrungen trifft. Und es wurde auch deutlich, welch hohen Wert für junge Menschen der Präsenzunterricht hat. Es geht in den Schulen bei aller notwendigen Digitalisierung ja auch um soziales Lernen und soziales Miteinander. Ich gehe davon aus, dass wir mit den Folgen der Schulausfälle noch lange zu tun haben werden. Für junge Menschen ist es schwerer als für Erwachsene, solche Durststrecken zu überstehen.

Das Impfen gilt weiter als stärkste Waffe gegen das Virus.

Für mich gibt es zum Impfen, wenn man seine Freiheitsrechte in der Gesellschaft wahrnehmen will, keine Alternative. Das möchte ich deutlich sagen. Hier müssen wir weiterhin Überzeugungsarbeit leisten, und dazu kann jeder beitragen.

Wie lange wird es das Impfzentrum in Ober-Eschbach noch geben?

Ich hätte das Impfzentrum im Herbst erst gar nicht geschlossen. Hier zeigten sich Land und Bund sehr schwach gegenüber der Lobbyarbeit der Ärzteverbände. Wir brauchen aber ein Zusammenspiel zwischen Ärzten und Impfzentren. Ich gehe davon aus, dass wir aufgrund der aktuellen und gegebenenfalls noch weiter folgenden Mutanten das ganze Jahr über ein Angebot benötigen werden. Als das zentrale Impfzentrum im Herbst schließen musste, hatten wir an allen drei Klinikstandorten im Hochtaunuskreis kleine Angebote eingerichtet.

Das heißt, es wird auch in Zukunft ein dauerhaftes Angebot zusätzlich zum Impfen in den Arztpraxen geben?

So könnte ich es mir gut vorstellen. Es ist allerdings eine schwierige Diskussion, in der es auch um Einfluss und Geld geht. Viele Hausärzte haben mir gesagt, dass das Zusammenspiel mit dem Impfzentrum gut funktioniert hat. Aber es kamen auch Äußerungen, etwa von der Kassenärztlichen Vereinigung, die die Debatte nicht einfacher gemacht haben und die aus meiner Sicht unnötig waren. Schließlich müssen wir gemeinsam alles tun, dass Impfen im großen Stil möglich ist. Bis zur nächsten Bundestagswahl sind es jetzt fast vier Jahre, deshalb bin ich zuversichtlich, dass diese Diskussion in dieser Härte nicht wieder aufflammt.

Sie selbst haben sich in der Corona-Zeit mit Einschätzungen und Erklärungen stark zurückgehalten.

…weil ich dem vielstimmigen Chor, in dem es so viele Erklärer und Talkshow-Könige gibt, nicht noch eine weitere Stimme hinzufügen wollte. Ich bin der Auffassung, man sollte bei dem Thema den Fachleuten das Wort überlassen. Ich habe meine Aufgabe gemeinsam mit den Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr und Katrin Hechler darin gesehen, dass wir die Bewältigung der Pandemie im Hochtaunuskreis gut organisieren. Das hat bislang sehr gut geklappt, wir haben - auch dank der guten Zusammenarbeit mit den Hochtaunus-Kliniken - hessenweit sehr oft mit die besten Zahlen beim Impfen. Das ist mir wichtiger, als dass ich jetzt noch als zehnter Erklär-Bär auftrete.

Es ist für den Kreis offensichtlich nicht einfach, Mitarbeiter zu finden. In der Ausländerbehörde und bei der Bauaufsicht sind lange Wartezeiten entstanden.

Es hat ja jeder gesehen, dass es einen extremen Mangel an Fachkräften für die Verwaltungen gibt, das ist in der Krise brennglasartig klar geworden. Die Situation der Ausländerbehörde, wo Personal für die Kontaktnachverfolgung abgezogen wurde und es dann zu langen Bearbeitungszeiten kam, ist ein klassisches Beispiel dafür. Wir schaffen nun zwei zusätzliche Stellen in der Ausländerbehörde, um die Probleme anzugehen. Die Ausländerbehörde plant im neuen Jahr einen sogenannten Relocation-Service für Menschen, die aus beruflichen oder privaten Gründen nach Deutschland kommen, und eine elektronische Terminvergabe. Die zuständige Dezernentin Katrin Hechler hat zudem punktuell Wochenendarbeit in der Ausländerbehörde eingeführt, um die Rückstände aufzuarbeiten.

Wie viele Stellen sind derzeit im Kreisamt unbesetzt?

Im Landratsamt gibt es aktuell rund 970 Beschäftigte. Derzeit sind 35 Stellen vakant, die wir in diesem Jahr schnellstmöglich wiederbesetzen möchten. Das Problem der MitarbeiterRekrutierung stellt sich nicht alleine für den Hochtaunuskreis als schwierig dar. Insgesamt haben alle öffentlichen Arbeitgeber das Problem, vakante Stellen durch geeignetes Personal zu ersetzen.

Zum Glück sind die Finanzen des Kreises noch einigermaßen im Lot.

Na ja, wir haben bekanntlich für dieses Jahr einen Fehlbedarf von acht Millionen Euro und mussten uns bei der Aufstellung des Haushaltes schon sehr zur Decke strecken. Gleichzeitig wollten wir den Kommunen den einen Punkt, um den wir die Kreisumlage im vergangenen Jahr gesenkt haben, auch nicht gleich wieder wegnehmen. Bisher konnten wir das Defizit im Kreis-Etat mit den Rücklagen aus den guten Jahren ausgleichen, und ich bin zuversichtlich, dass wir auch durch die prognostizierten drei mageren Jahre gut durchkommen werden. Aber wir sind schon darauf angewiesen, dass die Wirtschaft wieder anzieht.

Apropos Bewegung im Freien - was ist für den Tourismus im Taunus wichtiger: Seilbahn oder gutes gastronomisches Angebot auf dem Gipfel?

Beides. Wobei ich klar sagen will, dass ich für eine behutsame Weiterentwicklung des Plateaus plädiere. Dabei ist es wichtig, alle Beteiligten einzubinden und sich finanziell nicht gegenseitig zu überfordern. Wichtigster Partner ist dort die Gemeinde Schmitten, und es gibt mit dem Hessischen Rundfunk, dem Taunusklub und der Deutschen Funkturmgesellschaft mehrere Eigentümer und Nutzer.

Was verstehen Sie denn konkret unter behutsamer Weiterentwicklung?

Dazuzählt sicher eine Aufwertung des Spielplatzes, der von Familien sehr gut angenommen wird. Ich würde mir wünschen, dass auf dem Plateau zumindest ein Weg barrierefrei ausgebaut wird, denn es gibt auch viele Menschen mit Handicap, die die schöne Aussicht vom Taunusgipfel genießen wollen. Vorstellen könnte ich mir außerdem eine Ertüchtigung des alten Sportgeländes, auf dem das Feldbergsportfest ausgetragen wird. Und zur Weiterentwicklung gehört letztlich auch ein Pflegekonzept, das dann auch von allen Beteiligten einzuhalten ist.

Mit steigender Attraktivität steigen auch die Besucherzahlen.

Man darf dabei nicht nur das Plateau im eigentlichen Sinne betrachten, sondern muss das ganze Areal von Sandplacken über Feldberg bis zum Roten Kreuz sehen. Wir müssten an verschiedenen Stellen attraktive Punkte schaffen und sicherstellen, dass Besucher über die Parkplätze in das Feldberggebiet hineinkommen. Dazu gehört, dass Hessen Mobil mit uns sein Beschilderungskonzept überarbeitet, damit man die Zufahrten zu den Parkplätzen auch gut findet und von jedem Parkplatz in das Feldberggebiet hineinwandern kann. Aber machen wir uns nichts vor: Der Besucherdruck wird bleiben, der Feldberg ist schließlich auch der Hausberg von Frankfurt und der gesamten Region.

Nach der Kommunalwahl im März wurde aus der CDU/SPD-Koalition im Kreistag ein Dreier-Bündnis mit den Freien Wählern - spüren Sie schon einen Unterschied?

Mit FW-Fraktionschef Götz Esser, der auch Bürgermeister von Weilrod ist, gab es bisher schon eine gute Zusammenarbeit. Insofern ist das jetzt kein großer Bruch. Einem international aufgestellten Kreis tut ein Kreistagsvorsitzender mit sardischen Wurzeln (Anm. der Red.: gemeint ist Renzo Sechi, FW) im Übrigen sehr gut. Das passt zu unserer Weltoffenheit und zeigt, dass viele Menschen unterschiedlichster Herkunft hier im Hochtaunus eine Heimat gefunden haben. Aber klar: Es ist jetzt ein Dritter im Spiel, der auch eigene Akzente setzen will.

Wo zeigen sich die FW-Akzente denn schon?

Die Usinger-Land-Themen werden zum Beispiel stärker in den Blickpunkt gerückt. Das betrifft etwa den Ausbau der Radwege, bei dem das Usinger Land natürlich nicht abgehängt werden darf. Das neue Radwegekonzept wird im ersten Halbjahr vorgestellt werden und ist bewusst so konzipiert, dass auch kleinere Ortschaften mit einer Mindestgröße von 500 Einwohnern betrachtet worden sind. Wir versprechen uns von der Umsetzung der Maßnahmen einen wichtigen Impuls im Rahmen der Mobilitätswende.

Zur Mobilität gehört auch der Ausbau der Taunusbahn. Gegner des Projekts zeigen sich standhaft, vom Kreis hört man zu der Kritik nur wenig.

Wir gehen der Diskussion nicht aus dem Weg, aber wir müssen auch nicht immer auf alles und jeden reagieren. Ich glaube, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen im Usinger Land die Chance erkennt, und setze stark darauf, dass wir das Projekt umsetzen können. Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal darauf, einen wasserdichten Planfeststellungsbeschluss hinzubekommen. Dann werden wir auch präzise Angaben zum weiteren Zeitplan machen können. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr die Erneuerung der Leitsicherungstechnik auf der Strecke abschließen können. Mit der Umstellung auf den Winterfahrplan 2022/2023 werden dann auch die ersten Wasserstoffzüge zum Einsatz kommen - auf der Taunusbahnstrecke und auf der Strecke Königstein - Höchst.

Noch ein kurzer Blick auf 2022. Was wird das Jahr aus Sicht des Kreises prägen?

Neben den vielen Projekten, die schon angesprochen wurden, werden wir auch ein bisschen feiern - immerhin wird der Hochtaunuskreis 50 Jahre alt. Dazu werden wir den Jahresempfang im September nutzen, aber auch bestehende Veranstaltungen wie zum Beispiel den Europatag im Mai, der diesmal in Weilrod stattfinden wird. Außerdem werden die Feuerwehren ihre Landestagung 2022 im Taunus veranstalten. Wichtig ist mir, dass wir das Jubiläum zum Anlass nehmen, das Kreis-Bewusstsein zu schärfen und zu zeigen, dass wir auf unsere Heimat im Taunus stolz sind.

Konkrete Wünsche für den Taunusgipfel: Das Feldbergplateau soll, wenn es nach Landrat Ulrich Krebs geht, behutsam entwickelt werden und zum Beispiel einen barrierefreien Weg bekommen.

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