+
Dr. Peter Bermbach lebt seit 1960 in Paris, pflegt aber bis heute Kontakte nach Usingen und Frankfurt. ´

Ein Zeichen ausgeprägter Heimatverbundenheit

Usingen . Heimatverbundenheit im erweiterten Sinne kann sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise zeigen. Im Falle von Dr. Peter Bermbach, der seine Kinder- und frühen Jugendjahre in Usingen verbracht hat, und in dieser Zeit auch viele Eindrücke vom nahen Frankfurt sammeln durfte, drückt sich Heimatverbundenheit durch eine ganz besonderen Geste aus:

Er hat dem Städel Museum in Frankfurt ein Bild geschenkt.

Der promovierte Romanist und Kunstliebhaber, der viele Jahre als Journalist und Filmemacher rund um den Globus unterwegs war, lebt seit 1960 in Paris. In den Taunus und nach Frankfurt kehrt er aber zu Besuchen und Veranstaltungen regelmäßig zurück. Er hat bis heute dort noch eine kleine Wohnung.

Das Gemälde, das Peter Bermbach vor einigen Monaten an das Städel übergeben hat, ist 1839 entstanden. Es zeigt »Faust und Gretchen mit Mephisto und Frau Marthe im Garten«; eine wichtige Szene aus Goethes Faust-Tragödie.

Der Schöpfer des Kunstwerks, August Barthélemy Glaize (1807-1893) wird den französischen Historien- und Genremalern der Romantik zugerechnet. In Montpellier geboren, bildete sich Glaize in Paris fort und schuf in seinen späteren Jahren überwiegend geschichtsphilosophische Werke oder malte biblische Szenen.

Spannend liest sich die Geschichte, die mit dem Erwerb des Bildes verbunden ist. In Peter Bermbachs Lebenserinnerungen, die im Oktober unter dem Titel »Vom anderen Ufer« in Buchform und vor kurzem bereits in 2. Auflage erschienen sind, beschreibt er, welche »Umwege« er nehmen musste, bis er 1979 endlich das Gemälde erstehen konnte. Zunächst entdeckt Lebenspartner Jacques das Ölbild im Schaufenster einer kleinen Galerie am Montmartre in Paris. Als die beiden wenig später die Galerie gemeinsam aufsuchen wollen, ist sie zu: »für immer geschlossen.«

Zwei Jahre später begegnet Peter Bermbach »Faust und Gretchen« in einem kleinen Antiquitätenhof in der Nähe des Hafens von Nizza. Der Händler scheint die dargestellte Szene nicht zu kennen, verlangt aber für das Bild eine recht hohe Summe, die das Budget des passionierten Kunstliebhabers deutlich überschreitet. Also wird wieder nichts aus dem Tête-à-Tête zwischen »Faust und Gretchen« in Peter Bermbachs Pariser Stadtwohnung. Aber bekanntlich sind ja aller guten Dinge drei. Und tatsächlich soll Peter Bermbach ein drittes Mal mit diesem Bild in Kontakt kommen: »Wir sind in einem der größten Auktionshäuser Europas, dem Pariser Hôtel Drouot, das alle Kunstliebhaber und Sammler der ganzen Welt kennen. Ein Galerie bietet das Bild unter dem neutralen Titel »Liebespaar« zum Verkauf an. Auch hier kein Wort von Goethe oder Mephisto. Und der Preis ist noch höher als in Nizza«, erzählt Peter Bermbach in seinen Lebenserinnerungen. Aber kurz entschlossen ersteigert er jetzt das Bild, mietet einen kleinen Lastwagen und fährt es nach Hause.

Dort bekommt es für die nächsten vier Jahrzehnte einen »Ehren-Platz« über der Biedermeier Kommode neben dem weißen Marmor-Kamin im Schlafzimmer, und Peter Bermbach »verbringt fortan jede Nacht, die er in seiner Pariser Wohnung weilt, mit dem berühmten Liebespaar«, wie er augenzwinkernd anmerkt.

Wie umgehen mit diesem Kunstwerk?

Doch im letzten Jahr stellt sich Peter Bermbach auch mit Blick auf sein Alter, die Frage: Wie umgehen mit diesem edlen Kunstwerk? Die Lösung: Es soll in ein Museum. Die Entscheidung fällt auf das Städel in Frankfurt. »Für mich ist das Städel eines der besten deutschen, wenn nicht sogar europäischen Museen, wenn es auch kleiner als die Pinakothek oder die Berliner Museen ist. Ich durfte es als Schüler bereits kennen- und lieben lernen, habe seinen Aufbau nach dem Krieg miterlebt und bin bis heute nie »daheim«, ohne auch dorthin zu pilgern«, sagt Peter Bermbach.

Immer dann, wenn die Mutter geschäftlich nach Frankfurt fuhr (die Familie betrieb in Usingen ein führendes Feinkostgeschäft), durfte Schulbub Georg-Peter sie begleiten. Waren alle Lieferverträge unter Dach und Fach, ging’s für die Mutter häufig zu einer Modistin am Roßmarkt, Peter hingegen durchstreifte währenddessen die Museen. »Jahre später studierte ich an der Uni in Frankfurt, hörte unter anderem auch Vorlesungen in Kunstgeschichte. Da waren Studien im Städel sehr ratsam«, erzählt Bermbach.

Erfreut zeigt er sich darüber, dass neben dem gestifteten Bild eine kleine Hinweistafel seinen Namen und den seines Lebenspartners Jacques Paul Dauriac als Stifter nennt.

Für das Frankfurter Museum ist es das Glaize-Gemälde in der Tat eine Bereicherung. Wie Dr. Alexander Eiling, Sammlungsleiter im Städel erklärt, schließt das Bild eine Lücke in der Sammlung im Bereich der französischen Salonmalerei. »Anfang des 20. Jahrhunderts konzentrierte sich der ehemalige Städel Direktor Georg Swarzenski auf den Impressionismus. Erst in den letzten Jahrzehnten kam es auch hierzulande zu einer Neubewertung der klassischen Historienmalerei, die wir nun auch wieder in die Galeriehängung integrieren«, berichtet Dr. Elling, und betont, dass sich das Städel über die Schenkung von Peter Bermbach sehr gefreut hat.

Eine Nähe zum Schöpfer

Seinen neuen Platz gefunden hat das Gemälde in der Galerie des 19. Jahrhunderts neben Werken von Delacroix und Millet. Im Saal davor ist das berühmte Tischbein-Portrait von Goethe zu sehen, so dass durchaus auch die Nähe zum Schöpfer des Faust hergestellt ist. Aus Sicht des Kunsthistorikers Dr. Eiling hat der Maler die Szene anspielungsreich und gefühlvoll umgesetzt. »Das Gemälde ist ein gutes Beispiel dafür, wie intensiv Goethes Werk auch auf die französischen Künstler gewirkt hat«, konstatiert Alexander Eiling.

Wer in Kürze mal wieder einen Besuch im Städel plant, um vielleicht eine der drei aktuellen Sonderausstellungen (Nennt mich Rembrandt, Marc Brandenburg, Zeichen der Freundschaft) zu besuchen, der sollte unbedingt einen Blick auf den Neuzugang aus Paris werfen ( Galerie des 19. Jahrhunderts im ersten Obergeschoss, Saal 2). Infos unter www.staedelmuseum.de .

Das könnte Sie auch interessieren