Leben auf dem Land

Einkaufen, Ärzte, ÖPNV - In Wehrheimer Ortsteilen ist oft Improvisationstalent gefragt

Klar, die Wehrheimer Ortsteile Friedrichsthal, Obernhain und Pfaffenwiesbach sind schön, aber gerade an der Infrastruktur hapert noch oft.

Wehrheim . Auch vor Corona war es schon manchmal schwierig, in einem der Ortsteile von Wehrheim zu wohnen. Friedrichsthal, Pfaffenwiesbach und Obernhain haben ihre Vorteile - aber auch ihre Nachteile, die sich Tag für Tag zeigen. Eine Umfrage bei den Ortsvorstehern brachte einiges ans Licht.

So weiß Ortsvorsteherin Gitta Wied (SPD), dass viele Friedrichsthaler sich Richtung Bad Nauheim orientieren, wenn es um einen Arztbesuch geht. »Einmal in der Woche eine Sprechstunde hier in Friedrichsthal wäre traumhaft«, so die Ortsvorsteherin. Sie weiß aber auch, dass das illusorisch ist. Auch was Einkäufe angeht, sind die Friedrichsthaler schlecht aufgestellt. »Wer einkaufen muss, muss aus dem Dorf raus«, so Wied. Zwar komme freitags der Lieferwagen aus der Rhön und bringe neben Brot, Wurst, Fleisch und Kuchen auch andere Waren mit, aber die Auswahl sei natürlich begrenzt. »Hier wohnen aber viele Familien, die sich dann organisieren und füreinander einkaufen«, hat Wied beobachtet. Wer sein Rezept in der Apotheke nicht selbst einlösen kann, hat die Möglichkeit, dieses in den Briefkasten am ehemaligen Laden einzuwerfen. Eine Mitfahrerbank, die für jene, die kein Auto mehr haben und nicht auf den Bus warten wollen, gibt es in Friedrichsthal nicht.

In Obernhain gibt es für die Senioren ein Angebot der evangelischen Kirchengemeinde zum Treffen bei Kaffee und Kuchen. Ortsvorsteher Ernst Baum (CDU) hatte vor Corona selbst einen Seniorennachmittag organisiert. Dieser findet derzeit nicht statt. Die Obernhainer fahren mit dem Bus nach Bad Homburg oder Wehrheim, um dort ihre Einkäufe zu erledigen. Im Ort selbst fehle es an Einkaufsmöglichkeiten. Allerdings, so Baum, kommt einmal in der Woche ein Lieferwagen, der gut frequentiert werde, weil dort die nötigsten Dinge eingekauft werden können. Einen Arzt findet man in Obernhain nicht mehr, bedauert Baum. Die Mitfahrerbank werde nicht so gut genutzt, wie erhofft, so der Ortsvorsteher Das funktioniere in Weilrod anscheinend besser.

»Wir haben alles, was wir brauchen, in der Dorfmitte und schnell erreichbar«, freut sich Ortsvorsteher Stefan Velte (CDU) über die Wehrheimer Mitte und die darum liegenden Einkaufsmöglichkeiten. Ärzte, Apotheken, Supermärkte, kleine Fachgeschäfte, Banken und vieles andere mehr seien vorhanden. »Das liegt aber auch an der Politik, die sich darin einig ist, dass nichts auf die grüne Wiese, sondern hier in Wehrheim möglichst leicht zu erreichen sein soll«, so Velte. Das einzige, was er vermisst, ist eine Seniorenresidenz, wie es sie in Usingen gibt. »Dort können die Menschen gut leben, haben ihre Wohnung und werden bei Bedarf betreut«, weiß er, weil er als Schuhmachermeister dort Kunden hat. Im Gespräch mit vielen älteren Wehrheimern hat er herausgefunden, dass dieser Traum von vielen geträumt wird. Es wäre wichtig, da nur so ältere Wehrheimer auch ihren Lebensabend bequem in ihrer Heimatkommune verbringen können.

Kein Pflegeheim, aber ein Angebot an kleinen Wohnungen, nicht nur für ältere, sondern auch für jüngere Pfaffenwiesbacher. Das schwebt Ortsvorsteher Sebastian Sommer (CDU) vor. Er weiß, dass viele, genau wie in Wehrheim, in ihrem großen Haus wohnen und sich eigentlich gerne verkleinern würden. »Aber auch jüngere Leute suchen etwas und wollen sich nicht gleich ein ganzes Haus mieten oder kaufen«, so seine Beobachtung. Was das Einkaufen der älteren Einwohner angeht, könne vieles, aber nicht alles, in der Bäckerei besorgt werden. Auch gebe es wieder einen Metzger und inzwischen sogar zwei Gaststätten. »Wer aber den Wocheneinkauf machen möchte, muss leider schon einmal in der Woche aus Pfaffenwiesbach raus«, so Sommer. Vieles werde auch über die Nachbarschaftshilfe organisiert. Die katholische Kirche unterbreite ein schönes Angebot für die Senioren, welches auch gut angenommen werde. Allerdings musste es coronabedingt in den vergangenen Monaten pausieren. Auch Ärzte gibt es in Pfaffenwiesbach keine.

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