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Symbolfoto Gericht

Im Rückblick

Fehlende Brillen und Bier als Waffe - Das waren die skurrilsten Ausreden vor Gericht in diesem Jahr

Gerichtsberichte gehören zu den Texten, die in Zeitungen am meisten gelesen werden. Nicht immer muss es Mord und Totschlag sein, denn schon Begleitumstände können für Unterhaltung sorgen - wie etwa die skurrilsten Ausreden des Jahres.

Hochtaunuskreis. Auch in diesem Jahr waren viele Angeklagte vor den heimischen Gerichten nicht um eine Ausrede verlegen, um Justitia milde zu stimmen - mit teils skurrilen Argumenten. Gerichtsreporter Heinz Habermehl hat genau hingehört.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten: Weil sich seine Freundin von ihm getrennt hatte, wurde der junge Bad Homburger gewalttätig gegen die Ex und deren neuen Freund. Der 20-Jährige hatte den beiden auf der Straße aufgelauert und seinem Nachfolger gedroht, er wolle ihn umbringen. Dazu warf er seinen Schlüsselbund gegen die Ex-Freundin, die an der Schulter getroffen wurde. Bei Gericht legte er ein Teilgeständnis ab. Er sei manchmal gewalttätig, räumte er ein. Wenn er sich heftig ärgere, schlage er zu Hause gegen die Wand oder den Schrank - der sei deshalb schon kaputt. Die Richterin wandte das Jugendstrafrecht an und verhängte wegen Bedrohung und Körperverletzung 50 Arbeitsstunden. Außerdem gab es für den Mann die Auflage, an einem Anti-Gewalt-Seminar teilzunehmen.

Fußballspielende Kinder führen zu Tritt in den Bauch

Die Faustschläge waren doch nur Spaß: Warum sich die beiden jungen Männer nachmittags in der Friedrichsdorfer Ringstraße schlugen und dabei zeitweise auf dem Boden lagen, blieb unklar. Erst die Zivilcourage und die forsche Aufforderung einer 80-jährigen Frau führten dazu, dass die Männer aufhören, sich zu prügeln. Nun änderte sich die Situation: Die ältere Dame wurde mit Worten unter der Gürtellinie beschimpft. Als dies ihr Sohn (55 Jahre alt) monierte, bezog er von beiden Männern Prügel. Deshalb mussten sich die beiden Täter wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Dort erfuhr die Jugendrichterin von den Angeklagten, dass die Schläge und der »Bodenkampf« zuvor nur Spaß gewesen seien. Das Gericht zeigte Milde, da die Angeklagten bei der Prügelei unter Alkoholeinfluss standen. Der 19-Jährige wurde zu einer Zahlung von 250 Euro verurteilt. Der ein Jahr ältere »Spaßvogel« kam ohne Strafe davon, da er wenige Wochen später einen vierwöchigen Dauer-Arrest antreten musste.

Kickende Kinder und ein Tritt ohne Ball: Laut Anklage hatte der alkoholisierte 48-Jährige in Oberursel einem Nachbarn nach verbalem Streit heftig in den Bauch getreten. Der Anlass waren Fußball spielende Kinder, die der Anwohner weggeschickt hatte, da sie den Ball zu oft gegen die Hauswand geschossen hatten. In der Verhandlung berief sich der Angeklagte dauernd darauf, dass er ein Kinderfreund sei. Minuspunkte hatte er im Gericht angesammelt, da er ständig dazwischen redete und deshalb kurz vor einer Ordnungsstrafe stand. Hinzu kam, dass der Mann vier Monate zuvor ebenfalls wegen Beleidigung und Körperverletzung verurteilt worden war. Dessen jetzige Aussage, er habe nicht getreten, sondern den Nachbarn nur mit ausgestrecktem Bein auf Distanz halten wollen, wurde ihm nicht geglaubt, mit der Folge, dass er 1800 Geldstrafe zahlen muss.

Pistole und zwei volle Magazine „nebenbei“ entdeckt

Mit Lesebrille wäre das nicht passiert: Gegen 12.30 Uhr hatte der 60-Jährige im Bad Homburger Stadtteil Dornholzhausen mit seinem Pkw einen parkenden Wagen angefahren. Das hatte ein Zeuge bemerkt und den 60-Jährigen auf sein Malheur hingewiesen. Dieser besah sich das fremde Fahrzeug und fuhr weg. Die Folge: Anzeige wegen Verkehrsunfallflucht. Im Gericht sagte der Unfallverursacher, er habe keinen Schaden festgestellt, weil er ohne Lesebrille unterwegs gewesen sei. Der »Sehfehler« kostete den Mann 400 Euro. Obendrauf gab es noch einen Führerscheinentzug von sieben Monaten.

Das »leere« Kästchen war zu schwer: Bei einer Hausdurchsuchung wegen Verdachts des Steuerbetrugs hatten die Beamten im Keller einer Bad Homburgerin eine Schachtel gefunden, in der sich eine Pistole und zwei mit scharfen Patronen gefüllte Magazine befanden. Da die 40-Jährige keinen Waffenschein besaß, lag ein Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Die Mindeststrafe hierbei beträgt sechs Monate Haft. Laut Aussagen der Frau hatte sie das Kästchen nach dem Tod ihres Bekannten mit nach Hause genommen. Sie sei der Meinung gewesen, es sei leer, versuchte sie den verbotenen Waffenbesitz zu erklären. Für diesen »Irrtum« gab es vom Gericht eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe von sechs Monaten sowie eine Zahlungsauflage von 1200 Euro.

Geiziger Vater führt zu zweifachem Diebstahl

Geiziger Vater ist schuld an Raddiebstahl: Aus einer Garage im Bad Homburger Stadtteil Ober-Eschbach hatte der 18 Jahre alte Oberurseler zwei Fahrräder im Wert von jeweils knapp 500 Euro entwendet. Die Tat konnte aufgeklärt werden. Nach Aussage des jungen Täters bei Gericht hatte er beide Räder für zusammen 420 Euro über eBay verkauft. Begründet wurde der Diebstahl damit, dass sein Vater seinen Unterhaltspflichten nur in unregelmäßigen Abständen nachkomme. Deshalb habe er, der Sohn, öfters kein Geld. Die Jugendrichterin machte es gnädig und verhängte 40 Arbeitsstunden.

Eine berauschende Autofahrt: Die 20 Jahre alte Bad Homburgerin hatte noch keinen Führerschein aber schon einige Fahrstunden genommen, als sie mit knapp 1 Promille den Wagen ihrer Freundin übernahm - die wiederum hatte mit ihrem Bekannten auf dem Rücksitz Platz genommen. Fahrtziel war Oberursel. Dort sollte weiter »gechillt« werden. Eine Polizeistreife beendete die nächtliche Fahrt. In der späteren Verhandlung erfuhr die Jugendrichterin von der Angeklagten, dass diese nur deshalb das Lenkrad übernommen hatte, weil ihre Freundin und deren Begleiter noch mehr Alkohol getrunken hatten als sie selbst. Die gerichtlichen Sanktion: Die junge Frau musste an einem Verkehrsseminar teilnehmen und zu drei Gesprächen das Jugendamt aufsuchen.

Das „falsche“ Portmonee gegriffen

Kamera im Casino führt zum Dieb: Der Frankfurter und seine Begleiterin hatten beim Verlassen der Homburger Spielbank die von einem anderen Besucher abgelegte Geldbörse an sich genommen und danach die Heimfahrt angetreten. Dank der installierten Kamera konnte der Mann wenig später ermittelt werden und nahm den Anruf der Polizisten auch an. Dass er in der Spielbank die Geldbörse an sich genommen hatte, bestritt er energisch. Doch dann lenkte er ein, als ihm mitgeteilt wurde, dass im Casino überall Kameras hängen und es also eine Aufnahme von ihm gibt. Der Frankfurter kehrte zur Spielbank zurück und übergab die fremde Geldbörse mit vollständigem Inhalt. In der Gerichtsverhandlung bestritt er, die Börse vorsätzlich an sich genommen zu haben. »Es war in dieser Nacht sehr heiß, ich hatte Schweiß in den Augen«, erklärte er der Richterin. Da er keine Lesebrille dabei habe, sei es zu dem Fehlgriff gekommen. Dass die fremde Geldbörse mit einem dicken roten Band versehen war, habe er nicht bemerkt. Der Angeklagte hatte in der Verhandlung Glück, denn das Verfahren wurde eingestellt. Der Grund: Auf den Überwachungsvideos war nicht zu erkennen, ob er oder seine Begleiterin die Geldbörse an sich genommen hatte.

Was hat sich bewegt: Kopf oder Bierflasche? Vor einem Bad Homburger Lokal war es nachts zwischen zwei Personengruppen zum Streit gekommen, in dessen Verlauf ein 26-Jähriger seinem Gegenüber (40 ) eine Bierflasche auf den Kopf schlug. Die stark blutenden Kopfwunde musste anschließend im Krankenhaus getackert werden. Danach war der Verletzte sieben Wochen arbeitsunfähig. Der Angeklagte bestritt eine vorsätzliche Körperverletzung. Das spätere Opfer habe bei dem Streit plötzlich in seine Hosentasche gegriffen. Da habe er selbst geglaubt, der andere ziehe ein Messer hervor. Zum Eigenschutz habe er seine Bierflasche hochgehalten. Durch eine ungeschickte Drehung des anderen sei dieser mit dem Kopf gegen die Flasche gestoßen und habe sich dabei die Verletzung zugezogen. »Das war kein Bewegungsunfall«, stellte die Richterin klar und verhängte eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von neun Monaten sowie 400 Arbeitsstunden.

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