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Fliegende Bäume und Playmobil-Jesus

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Usingen (bur). Die Online-Stadtgespräche der SPD sind nicht nur regelmäßig, sondern meist auch zu sehr konkreten lokalen Themen angesetzt. Am Mittwoch war’s anders. Ganz anders. Und - richtig gut. Eigentlich ging es beim digitalen Treffen um Weihnachten, den ausgefallen Markt und eine gemeinsame Stunde, in der sich die Teilnehmer mit einem Glas Glühwein respektive Wasser zuprosten konnten.

Entwickelt hat sich eine sehr angeregte Debatte um Weihnachten, Familienbräuche, kleine und große Katastrophen und lieb gewordene Traditionen, alle rund um die Feiertage.

Die unter Birgit Hahn als Parteichefin geführte Runde war sich in einem einig: Es ist ein Familienfest. Was für die jüngeren Teilnehmer meist bedeutet: Heilig Abend in trauter Runde, an den Feiertagen folgt die Erscheinungstournee bei Eltern und sonstigen Verwandten. Spielzeug der Kinder einpacken, Geschenke im Auto verstauen und ab zum Treffen mit den Liebsten.

Birgit und Michael Hahn bleiben dieses Jahr zu Hause. Vielleicht, wie der Ehemann schmunzelnd einwarf. Da aber die Kinder kommen, werden seine Reisepläne eher nicht umgesetzt. Und: Dieses Jahr müssen sie den Baum selbst schmücken, denn die stehen dafür erstmals nicht parat, der Bruch mit einer Tradition hat stattgefunden.

Lia Müller hat die Schwiegerfamilie zu Besuch und muss ihre beiden Kinder im Zaum halten die die Tage bis Heilig Abend kaum noch erwarten können. Mit zwei Kindern wird das eher nicht ganz so besinnlich, aber auf keinen Fall langweilig. Und sie freuen sich auf die Feiertage. Helga Lotz dagegen freut sich auf die Enkelkinder aus Frankfurt und braucht das Gewusel um sich - wie übrigens alle unisono betonten, dass erst Kinder das Fest in der Familie richtig rund machen.

Dagegen lassen Evy-Lise Strube und ihr Mann das ganze sehr ruhig angehen am 24. Gemütlich essen, traute Zweisamkeit, und sie wird, Tradition, ihrem Mann Geschichten vorlesen. Beim Speiseplan ist so ziemlich alles dabei - vom Kartoffelsalat bis zum edlen Essen. Der Trend geht aber zum schnellen Menü, damit genug Zeit für die Bescherung bleibt. Die übrigens auch ihre Regeln hat, wie sich herausstellte. Bei Lia Müller etwa packen alle Beschenkten nacheinander aus: »Da wird doch das Geschenk viel mehr gewürdigt, als wenn alle das Papier aufreißen.«

Elche stören beim Ausschlafen

Beim Thema Krippe oder nicht sind die Meinungen eher geteilt. Es soll, den Namen verschweigen wir, statt Krippe in einer Familie auch zwei Elche gegeben haben, die den Weihnachtsfrieden aufgrund ihres elektronischen Innenlebens störten - für die Kinder beim Ausschlafen am ersten Feiertag ein Unding. Zwei Elche machen auch noch keine Krippe, Und dass in einer Familie Playmobil-Figuren die Geburt Jesu mimen - Geschmackssache.

Lotz hat eine richtige Krippe, die vom Vater gemacht wurde und hält sie in Ehren. Das gehöre einfach zum Fest - auch wenn sie noch nicht dazu gekommen ist, sie aufzubauen.

Tradition wird bei ihr großgeschrieben, dazu gehört auch, dass sie ein Weihnachtskonzert besucht, etwa das der Sakropop-Gruppe »The Sign«.

Die Sache mit den Weihnachtsbäumen ist ebenfalls individuell geregelt - bis auf die Tatsache, dass er bei allen erst am 24. in die Stube kommt. Mit echtem Lametta - bei Lotz auf jeden Fall. »Ohne geht gar nicht.« Das echte Lametta gibt es eigentlich gar nicht mehr, da giftig. Und das strähnige Zeug aus Plastik findet nicht immer Gefallen.

Apropos Baum: In einer Familie gab’s sogar eines Jahres so einen Krach um den Schmuck, dass der schwedische Jahrestag Knut vorgezogen wurde und der Baum noch an Heilig Abend aus dem Fenster flog. Nur Isabell Werth, erst jüngst mit der Familie in eine Wohnung gezogen, hat beim Thema Traditionen »Nachholbedarf« - die Familie hatte eine Gaststätte, womit der weihnachtlichen Beschäftigungen eigentlich immer geklärt waren, wie sie schmunzelnd anmerkte.

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