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Gretel Perner, die Tochter des langjährigen Verlegers, hat einen Schriftsatz aus einer Linotype-Setzmaschine der Druckerei ihres Vaters aufgehoben.

»Für die Zeitung gestritten und gekämpft«

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Usingen . Der langjährige Verleger und Herausgeber des Usinger Anzeigers, Klaus F. Wagner, wurde vor 100 Jahren am 2. Dezember 1921 geboren. Im Alter von 82 Jahren starb er am 8. März 2004 in Usingen.

Nicht nur im Altkreis Usingen, der später innerhalb des Hochtaunuskreises als Usinger Land hervorging, hat sich Wagner um den Lokaljournalismus und dadurch auch um die gesamte Heimatregion verdient gemacht. In seiner aktiven Zeit nahm er auch eine prägende Rolle im überregionalen Pressegeschehen auf Verbandsebene der deutschen Zeitungsverleger ein.

»Für seine Zeitung hat er gekämpft und gestritten, Wegweisungen gegeben, ermutigt und zum Nachdenken angeregt«, schreibt UA-Journalist Arnold Sartoris in einem Nachruf am 9. März 2004. »Als gelernter Bankkaufmann setzte Klaus Wagner gemeinsam mit seinem Vater Richard und Bruder Reinhold das während der Zeit des Nationalsozialismus unterbrochene Aufbauwerk des Usinger Anzeigers fort - nach dem Tod seines Bruders ab 1968 in alleiniger Verantwortung.«

Im Familienbetrieb beschäftigte er in den 1970er und 1980er Jahren zeitweise über 60 Mitarbeiter im kompletten Verlag mit angeschlossener Druckerei - parallel zum 1945 gegründeten Schreibwarengeschäft und Buchhandlung Wagner in der Kreuzgasse.

Sartoris schreibt in seinem Artikel von einer fast »missionarischen Leidenschaft«, wenn sein Chef die Pressefreiheit und den immer wieder bedrängten Berufsstand des Journalismus hochhielt und verteidigte. Dennoch und gerade deshalb suchte er wohl aber auch das klärende Gespräch mit den politisch Verantwortlichen in Stadt und Kreis.

»Wenn der engeren Heimat ›Ungemach‹ von außen drohte, wenn man nach der Fusion des Altkreis Usingens mit dem Vordertaunus zum Hochtaunuskreis bisweilen um den Verbleib bestimmter Einrichtungen im Altkreis fürchten musste, kämpfte Wagner im UA als Berichterstatter und Kommentator dagegen an - und das in der Regel mit Erfolg«, schrieb Sartoris. Prägend seien für ihn und sein Wirken das Bekenntnis zur Heimat und deren Geschichte gewesen, sein mitunter hintergründiger Humor und ein klarer Standpunkt. Berufspolitisch war er von 1960 bis 1991 aktiv im hessischen Verlegerverband im Vorstand tätig. »Klaus F. Wagner setzte sich mit viel Kraft und seinem nicht geringen Einfluss für die Belange einer gesunden Lokalpresse ein«, würdigte der Verband Hessischer Zeitungsverleger seine Verdienste. Zudem war er als Geschäftsführer der Redaktionsgemeinschaft deutscher Heimatzeitungen tätig, ebenso in dem 1967 gegründeten Verband der Lokalpresse.

Profunder Kenner der Heimat

Als profunder Kenner der Heimatgeschichte des Usinger Landes hatte Klaus F. Wagner in seinem eigenen kleinen Walkmühlen-Buchverlag den Schwerpunkt auf heimatkundliche Schriften gelegt. »Die Stadt Usingen verdankt ihrem Mitbürger ein Geschenk von unschätzbarem historischen Wert«, schreibt Sartoris.

Im Jahr kurz vor seinem Tod habe der schwer erkrankte Verleger wesentliche Teile seiner persönlichen Archivbestände an seine Heimatstadt zur weiteren Verwendung übergeben. Diese werden auch im 21. Jahrhundert als wesentlicher Bestandteil des Usinger Stadtarchivs weiterhin als Gedächtnis der Geschichte dieser Stadt wertvolle Dienste leisten. Matthias Pieren

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