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Handbemalte Steine erinnern auf einem Gedenkfeld an die während der vergangenen zwei Jahre verstorbenen Bewohner des Seniorenparks Carpe Diem in Hasselbach.

Gedenken an die verstorbenen Wegbegleiter

Hasselbach (map). Gewiss: Im Alltag eines Altenpflegeheimes ist der Tod präsenter als in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Verstorbene Wegbegleiter werden auch dort schmerzhaft vermisst. Deshalb haben sich auch Leitung und Team des Senioren-Parks Carpe Diem Gedanken darüber gemacht, wie Abschiednehmen und Trauer um verstorbene Bewohner ihren Platz im Heimalltag haben können.

»Im Gespräch mit einigen Bewohnern, die einen geliebten Menschen verloren haben, kam immer wieder zur Sprache, dass es ihnen sehr schwer fällt, ihre Trauer auszuleben, weil sie das Grab des Verstorbenen auf dem Friedhof nicht besuchen können«, erklärt Ursula Staudt. Die Einrichtungsleiterin weiß, dass Trauerfeier und Beerdigung nicht selten familiennah in anderen Orten stattfinden. Selbst bei Bestattungen in Hasselbach seien die für gewöhnlich selbstverständlichen Friedhofsbesuche ohne fremde Hilfe nicht möglich oder es bedürfe dafür eines größeren Aufwandes. Viele Bewohner seien nicht mobil und müssten im Rollstuhl transportiert werden.

Besuch auf Friedhof oft nicht möglich

»Für Menschen mit Rollator oder einer Geh-Einschränkung ist auch ein Besuch im Friedwald aufgrund der unebenen Wege nicht mehr zu bewältigen«, berichtet Staudt. »All diesen Menschen fehlt ein Ort zum Trauern. Wir haben daher im Team überlegt, ob und wo wir einen solchen Ort schaffen können.«

Hinter der Einrichtung führt ein ebener Weg abseits der Straße rund um das Gebäude. Seit jeher stehen dort Bänke und bieten einen ruhigen Ort. Auch Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator sind dort immer wieder unterwegs, um eine Runde zu drehen. »Unser Mitarbeiter Guntram Lange hat an diesem Platz seine Ideen umsetzen können und einen Bereich als Erinnerungsgarten geschaffen«, erläutert Staudt. Angelegt wurde ein Beet in Form eines Fisches als christliches Symbol, bestückt mit Blumen, Steinen und einer Engelsfigur.

In Zusammenarbeit mit dem Team der Sozialbetreuung konnten dann den Verstorbenen nahestehende Bewohner in Einzelarbeit Steine in Erinnerung an die verschiedenen Menschen bemalen. Ein Blick auf das dafür vorgesehen Feld zeigt: Die Steine sind individuell in den Lieblingsfarben des Verstorbenen und mit seinem Ruf- oder Kosenamen gestaltet worden. Genau so viel, wie künstlerisch und auch datenschutzrechtlich möglich war, und genug, um sich von den anderen Gedenksteinen abzugrenzen und wiedererkannt zu werden. »Bereits das Bemalen der Steine war ein Teil der Trauerarbeit. Man erinnert sich beim Tun an den Verstorbenen, und es kommen Geschichten zur Sprache, die sonst verloren gingen.« Durch die familienähnliche Wohngruppenform bauen sich langfristige und intensive Beziehungen unter den Bewohnern auf. Wenn ein Mitbewohner einer Gruppe verstirbt, entsteht seit Realisierung des Trauerortes unter den Bewohnergruppen nicht selten das Bedürfnis, gemeinsam einen Erinnerungsstein zu bemalen.

Im Rahmen einer Einsegnungsfeier wurde der so entstandene Garten zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Lehwalder und dem katholische Gemeindereferenten Andreas Schorr eingeweiht.

»Beide gingen während der Andacht auf die Symbolik der Steine ein, die immer wieder in der christlichen Tradition mit der Trauerarbeit verbunden wurde«, berichtet die Einrichtungsleiterin.

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