+
Mitarbeiterin Meike Haas, Firmenchef Sascha Henrici, Senior-Chefin Heidrun Henrici und Mitarbeiterin Bettina Maibach (von links) erleben Corona auf ihre eigene Art und Weise.

Gefühl, alleingelassen zu werden

Neben Ärztinnen und Pflegern, Mitarbeitern in Erziehungseinrichtungen haben auch Bestatter häufig Kontakt mit dem Coronavirus. Ein Besuch bei einem Unternehmen in Usingen zeigt: Die Branche fühlt sich von der Politik im Stich gelassen - dabei ist die Verantwortung groß.

Hochtaunuskreis. Besonders betroffen von der Ausbreitung des Coronavirus sind die Bestatter. Dazu gehört auch das noch junge Familienunternehmen Pietät Henrici in Usingen, das in der zweiten Generation von Sascha Henrici geleitet wird.

Als vor zwei Jahren die ersten Corona-Fälle bekannt wurden, breitete sich auch im Hause Henrici die Angst vor dem unbekannten Virus aus. Der junge Firmenchef erinnert sich genau, wie er sich schon ganz früh um Impfungen für seine Familie und für die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens bemühte.

Keine Priorität beim Impfen

»Wir kommen doch neben dem Pflegepersonal als Erste mit dem Virus in Berührung«, begründete er seine Bedenken. Was aber in den Anfängen der Pandemie den politischen Verantwortlichen wohl nicht bewusst zu sein schien, denn Bestatter hatten keine Priorität beim Impfen. Und so waren seine Bemühungen erst einmal vergeblich.

Genau das kann Sascha Henrici auch heute noch nicht verstehen. Wird der Bestatter zu einem Corona-Toten gerufen, sei er doch besonders gefährdet, findet er. Allerdings herrsche bislang Unsicherheit, inwieweit das Virus durch das Berühren des Leichnams übertragen werden kann. »Es war ja noch nichts bekannt«, beschreibt Henrici seine Bedenken. Klar sei aber, dass der Bestatter zwangsläufig ins Krankenhaus müsse, um seine Arbeit zu erledigen - was für andere Menschen untersagt sei. So dürften etwa Angehörige nicht mehr zu im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorbenen Familienmitgliedern. Die Leichname seien in spezielle Leichensäcke verpackt. Übrigens dürfe auch der Bestatter diesen sogenannten Bodybag wegen der Seuchengefahr nicht öffnen, berichtet Henrici.

Die Menschen, die in Seniorenpflege- und -wohnheimen sterben, werden allerdings wie bisher ohne solche Schutzvorkehrungen vom Bestatter abgeholt. Genaue Infos habe es dazu nicht gegeben, bedauert Henrici: »Wir mussten uns also selbst schützen.«

Luftfilter gehören zum Schutz

Also schaffte der Unternehmer Schutzmasken und Schutzanzüge an, die auch heute noch im Einsatz sind, wenn sich er oder seine Mitarbeiter um Corona-Verstorbene kümmern müssten. Handschuhe gehörten sowieso zur Ausrüstung. Mittlerweile seien auch alle Mitarbeiter geimpft sowie geboostert, informiert er. Luftfilter in den für Personal und Kunden geöffneten Geschäftsräumen sowie die obligatorische Plastikabtrennung auf dem Tisch gehören ebenso zum eigenen Eigenschutz. »Wir fragen auch am Telefon schon ab, ob die Angehörigen geimpft sind«, berichtet Heidrun Henrici, die Seniorchefin. Vor allem, wenn die Familie sich ebenfalls infiziert hat oder sich in Quarantäne befindet, laufe fast alles nur per Telefon ab.

Die Zeit, als es mit der Pandemie losging, ist Henrici noch gut in Erinnerung. Auch an die Angst vor dem Unbekannten erinnert er sich noch genau. Er habe sich seinerzeit von staatlicher Seite völlig alleingelassen gefühlt. Seine Mutter Heidrun fügt hinzu, dass der Bestatter in der Pflicht stehe, wenn es bei einer Beerdigungsfeier zu einem Ausbruch kommt. Selbstverständlich würden alle Bestimmungen eingehalten, sagt sie. Das aber sei gerade bei großen Veranstaltungen kaum zu kontrollieren. Denn ein Trauerfall sei immer eine sehr emotionale Sache. Die Leute nähmen sich beispielsweise in die Arme, um sich gegenseitig zu trösten. Aber genau das sei nicht erlaubt und berge die Gefahr der Ansteckung. Dazukomme ein weiterer Aspekt, sagt sie. »Was ist, wenn wir uns infizieren?« Dann müssten alle Mitarbeiter in Quarantäne und der Betrieb stehe still.

Verantwortung liegt beim Bestatter

Die Bestimmungen für Beerdigungen seien derzeit immer noch recht großzügig angelegt, berichtet der Firmenchef. »Und sie sind von Kommune zu Kommune anders.« Für den Bestatter fängt also bereits bei der Terminvereinbarung das Problem an. Denn die Bestimmungen verändern sich laufend und können leicht die bisherigen Planungen über den Haufen werfen. Auch darf an der Beerdigungsfeier niemand teilnehmen, der nicht geimpft ist. Was wiederum der Bestatter überprüfen muss. »Die meist älteren Teilnehmer haben dann aber keinen gültigen Nachweis dabei, weder ein Handy, was viele nicht besitzen, noch den Impfausweis«, berichtet Henrici.

Und noch eins ist ihm aufgefallen: »Die vielen Influenza-Toten der Vorjahre gibt es nicht mehr.« Eins ist Sascha Henrici durch die bisherige Corona-Pandemie klar geworden: »Die brenzlige und schwierige Situation bleibt für alle Menschen noch eine Weile bestehen und betrifft insbesondere uns Bestatter.«

Das könnte Sie auch interessieren