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Sandrina Schreier, Merle Gauger, Lisa Brodkorb, Laura Born und Svenja Moses übernehmen Verantwortung in der Feuerwehr Laubach.

Frauen in der Feuerwehr

Lieber Schlips statt Halstuch: Fünf Feuerwehrfrauen über ihre Rolle in der Wehr, Gleichbehandlung und Zukunft

Frauen in Feuerwehruniform sind längst keine Seltenheit mehr, in Führungspositionen aber oft schon. Die Feuerwehr Laubach bildet eine Ausnahme. Wir haben fünf Feuerwehrfrauen zum Interview getroffen.

Grävenwiesbach-Laubach. Frauen in der Feuerwehr sind heute keine Ausnahme mehr. Im Nachwuchsbereich der Jugendfeuerwehr ist das weibliche Geschlecht häufig zahlenmäßig gleich vertreten und auch bei den Aktiven ist Sie nicht mehr wegzudenken. In Führungspositionen sind Frauen bei den Brandschützern nach wie vor selten zu finden. Eine leuchtende Ausnahme im Usinger Land bildet die kleine Feuerwehr Laubach.

In Laubach sind ein Viertel der aktiven Feuerwehrleute sind weiblich

Hier sind ein Viertel der 20 Aktiven weiblich. Alle sind in Laubach geboren und übernehmen Verantwortung im Dienst für den Nächsten. Als Gründungsmitglied der Laubacher Jugendfeuerwehr ist die heute 40-jährige stellvertretende Wehrführerin Lisa Brodkorb Pionierin in Sachen weiblicher Brandschutz. Die zweifache Mutter war vor 30 Jahren Teil einer namhaften Jugendfeuerwehr-Damenriege in Laubach, zu der auch Kreispressesprecherin Andrea Nagell oder Grävenwiesbachs Kita-Leiterin Sabrina Butz gehörten. Die Personalsachbearbeiterin Lisa Brodkorb war 1998 erste Frau in der Einsatzabteilung der Feuerwehr Laubach. Seit 2004 ist die Oberlöschmeisterin stellvertretende Wehrführerin.

Die 23-jährige Laura Born erbte das Feuerwehr-Gen von ihrem Vater Stefan. Sie fing 2010 bei der Jugendfeuerwehr an und lernte bei Wettkämpfen und beim Zelten schnell die tolle Gemeinschaft kennen. Damals waren beim Laubacher Feuerwehrnachwuchs die Mädchen schon deutlich in der Überzahl, stellte der Ortsteil als einziger eine oder mehr Mädchenmannschaften in der Gemeindefeuerwehr. Die heutige Soldatin auf Zeit, Born, merkte schnell, dass Führung übernehmen ihr Ding ist. 2014 vollzog sie den Übergang in die Einsatzabteilung. 2017 übernahm sie das Amt der Gemeindejugendfeuerwehrwartin von Vater Stefan. Seitdem ist die Oberlöschmeisterin Laura Born im Gemeindefeuerwehrvorstand die erste Frau.

Fünf Feuerwehrfrauen aus Laubach im großen Interview

Die 24-jährige Svenja Moses startete zusammen mit Born 2010 bei der Jugendfeuerwehr und verinnerlichte schnell ihren großen Spaß an der Jugendarbeit. Seit 2015 ist die Kita-Erzieherin Mitglied der Einsatzabteilung und wurde 2021 als Oberfeuerwehrfrau zugleich Jugendwartin der Feuerwehr Laubach. Als Dritte im Bunde entdeckte 2010 auch die heute 21-jährige Sandrina Schreier die Jugendfeuerwehrund ist seit 2017 Mitglied der Einsatzabteilung. Die Studentin der Erziehungswissenschaften hat ebenfalls ein Faible für Jugendarbeit und trägt als Oberfeuerwehrfrau Verantwortung in der Nachwuchswehr. Mit 19 Jahren ist Merle Gauger das Küken der Laubacher Florians-Damen. Die Landschaftsgärtnerin in Ausbildung, die seit 2012 in der Jugendfeuerwehr war, hat im November 2021 erfolgreich einen Atemschutzgeräteträgerlehrgang absolviert und startet als Feuerwehrfrau ihren aktiven Dienst.

Der UA sprach mit den fünf Brandschützerinnen über ihre Rolle in der Wehr, über die Forderungen und Neuerungen zur Gleichbehandlung sowie ihre jeweilige Zukunft.

Was war der Grund, nach der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung zu gehen?

BRODKORB: Es hatte in der Jugendfeuerwehr echt Spaß gemacht und ich war fester Bestandteil. Also bin ich damals mit Christina Etzel in die Einsatzabteilung gewechselt. Mein Urgroßvater war schon bei der Feuerwehr. Vielleicht liegt das im Blut.

BORN: In der Jugendfeuerwehr habe ich gemerkt, dass Führung mein Ding ist. Das liegt mir. Also wollte ich in die Einsatzabteilung und habe da gleich einen Gruppenführerlehrgang besucht. Ich bin schon zu Hause mit der Feuerwehr aufgewachsen. Das wurde in der Familie Born vorgelebt. Also war das normal für mich. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, keine Feuerwehr zu machen.

MOSES: Ich möchte gerne helfen. Das macht mir Riesenspaß. So bin ich aus der Jugend automatisch da reingewachsen und dabeigeblieben.

GAUGER: Ich habe keine anderen Hobbys, außer als Betreuerin bei den Ferienspielen.

SCHREIER: Primär geht es um die Arbeit für andere. Für sie da zu sein und zu helfen.

Wie sehen Sie die Gleichbehandlung in der Feuerwehr und welche Erlebnisse negativer oder positiver Art hatten Sie?

BRODKORB: Ich hatte mich damals als erste Frau in der Feuerwehr nie belächelt gefühlt, auch wenn ich die Älteren erst überzeugen musste, dass ich anpacken kann und nicht geschont werden will. Ich wollte nie Extrawürste. Das hatte sich alles schnell eingespielt und war normal geworden. Ich war lange auf Kreisebene die einzige Frau in Führungsposition. In mancher Hinsicht bin ich vielleicht nicht die klassische Feuerwehrfrau, weil ich rosa Glitzer und Wimperntusche mag. Da wurde ich im Bekanntenkreis unter den Mädels schon komisch angeguckt, dass ich bei der Feuerwehr bin. Die waren anders. Es ist wertvoll, dass jetzt beide Geschlechter bei der Feuerwehr Dienst tun. Denn es braucht auch seelische Empathie und die richtige Ansprache. Man kriegt als Frau schon mal eher etwas anderes mit. Generell ist es in der Großgemeinde einfach. Alle Feuerwehrkameraden haben uns mit offenen Armen empfangen. Ich kenne keine negativen Erlebnisse oder Vorurteile. Ich selbst bin auch mal die Wadenbeißerin. Etwas Besonderes ist es bei den Klamotten. Da müssen Frauen Männergrößen tragen. Lustig ist bei der Kleiderordnung auch die Unterscheidung zwischen Schlips für den Mann und Halstuch für die Frau. Alle Laubacher Frauen wollen lieber Schlips tragen und können den auch binden. Ich habe schon oft den Männern den Schlips gebunden. Zur räumlichen Trennung in der Umkleide sind wir fünf Laubacher Frauen uns einig. Das ist total egal, denn wir gucken uns nichts ab. Im alten Gerätehaus ging das gar nicht. Darauf kommt es nicht an. Der Hype um die getrennte Umkleide ist zu groß und der Zwang, das machen zu müssen, an den Haaren herbeigezogen. Wir wollen nicht speziell behandelt werden. Wir sind schon viel weiter, als manche denken.

BORN: Als ich meine allererste Beförderungsurkunde erhielt, stand dort Feuerwehrmann. Dann wurde ich zur Oberfeuerwehrfrau befördert. Davor gab es keine Geschlechterunterscheidung beim Dienstgrad. Im Ernst, ich fand das überhaupt nicht schlimm. Im Wehrführerausschuss wurde von Anfang an auf Augenhöhe mit mir umgegangen. Entscheidend ist die Offenheit. Ich finde, die Herren haben sich gut angepasst. Wir sind froh uns zu haben und wir sind froh, dass wir die Jungs haben.

GAUGER: Im Lehrgang hat mir einer immer die Sachen aus der Hand genommen und wollte sie für mich tragen. Ich bin doch kein Zwerg.

BORN: Das ist ein Männerkomplex. Sie wollen es sich selbst beweisen. Man versucht den Frauen zu helfen, aber wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten selbst geholfen. Man versucht angebliche Diskriminierung durch neue Regeln zu beheben und stellt die unterschiedliche Behandlung erst dadurch in den Vordergrund.

GAUGER: Wir sind alle Menschen. Das Geschlecht spielt keine Rolle. Jeder hat Stärken und Schwächen. In der Gemeinschaft fügt sich alles zusammen und jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Im Gartenbau arbeite ich viel mit Männern zusammen. Man macht hier zu viele Probleme, wo gar keine sind.

SCHREIER: Ehrlich gesagt hatte ich mir über die geschlechterspezifische Trennung noch gar keine Gedanken gemacht. Die Feuerwehr ist eine Gemeinschaft, in der so etwas egal ist. Wenn sich jemand angegriffen fühlt, dann wird das geklärt. Das kommt nicht vor.

Welche sind ihre Ziele in der Feuerwehr und was wünschen Sie sich?

BRODKORB: Mein Herz schlägt für Laubach und die Gemeindefeuerwehr. Ich wünsche mir, dass wir gut aufgestellt bleiben und es schaffen noch mehr Frauen hinzuzubekommen. Ich bin gerne mit der Truppe zusammen.

BORN: Ich stelle mir als nächsteS Ziel, den Zugführerlehrgang erfolgreich zu meistern.

MOSES: Mein Ziel ist der Gruppenführerlehrgang.

GAUGER: Kurzfristig ist mein Ziel der Truppführer-Lehrgang. Ich weiß noch nicht, was später ist. Ich mache alles, was gebraucht wird und ich lerne gerne dazu. Ich bin Laubacherin durch und durch. Hier bin ich gerne aktiv. Das ist meine Heimat. Die Gemeinschaft wächst mit allen Erlebnissen, egal ob sie positiv oder negativ sind. Man kann schlimmes auch gemeinsam erleben. An Positives erinnert man sich immer noch.

SCHREIER: Stand jetzt bleibt meine Zukunft in Laubach.

Andreas Romahn

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