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Bei Bio-Imker Andreas Kramer besteht die Bienenwohnung natürlich aus Holz.

Weniger Ertrag, aber gutes Gefühl

Grävenwiesbach-Naunstadt (msc). Als Bio-Imker steht Imker Andreas Kramer in der Pflicht. Denn so ohne Weiteres erhält kein Betrieb den Zusatz »Bio«. Da spielen Themen wie Nachhaltigkeit und der Erhalt von natürlichen Ressourcen eine wichtige Rolle. Dass Bio-Landwirte strenge Kriterien wie den Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide sowie herkömmliche Tierarznei einhalten, muss bei jährlichen Kontrollen im Betrieb nachgewiesen werden.

Imker bewirtschaften in der Regel kein Land, sie müssen im Umgang mit den Bienen und ihren Produkten aber strenge Kriterien einhalten.

Jetzt fragen sich viele, wie der Imker es anstellt, seinen Bienen beizubringen, nur Nektar von Bio-Feldern zu sammeln. Das ist bei einem Flugradius von rund drei Kilometern in einem intensiv genutzten Land wie Deutschland kaum möglich. »Wir Imker können zwar die Landschaft nicht verändern, aber die Art und Weise, wie wir mit unseren Bienen umgehen«, erklärt Kramer.

Angefangen bei den Bienenwohnungen: In der Bio-Imkerei müssen sie aus natürlichen Materialien wie Holz, Stroh oder Lehm bestehen. Andreas Kramer bevorzugt Holz als Material für die Beuten. Auch der Außenanstrich muss frei von Schadstoffen sein. Er streicht seine Holzkästen als Schutz vor der Witterung mit lösungsmittelfreien Lasuren auf Bio-Pflanzenölbasis. Herkömmliche Farben, Lacke oder Styroporbeuten sind tabu.

Wachskreislauf ist entscheidend

Ein entscheidender Punkt in der Bio-Imkerei ist der Wachskreislauf. Grundsätzlich darf kein fremdes Wachs zugekauft werden. Die Bienen produzieren im Laufe eines Jahres etwa ein Kilo Wachs, um daraus ihre Waben zu bauen. Bienenwachs hat die Eigenschaft, fettlösliche Stoffe wie eben Pestizide aufzunehmen und zu speichern. Das ist ein Risiko für unerwünschte Stoffe im Honig. Deshalb entnehmen Bio-Imker stetig altes Wachs aus der Bienenwohnung, so dass die Bienen immer frisches Wachs produzieren und darauf brüten und den Honig einlagern. Das schmälert den Honigertrag. Die Wachsqualität wird bei der Biokontrolle eigens kontrolliert. Die Kontrolleure entnehmen bei der jährlichen Zertifizierung eine Wachsprobe, die im Labor untersucht wird. Weitere Kriterien betreffen unter anderem das Füttern der Bienen im Spätsommer und Herbst. Hierzu verwenden Bio-Imker Biozucker statt herkömmlichen. Es macht nämlich einen großen Unterschied, wie er erzeugt wird. Im konventionellen Anbau kommen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Düngemittel zum Einsatz. »Das belastet Klima und Boden«, sagt Kramer. Durch die Verwendung von Biozucker schonen Bio-Imker die Umwelt. Es gibt viele weitere Unterschiede zur konventionellen Imkerei. Unter anderem in der Behandlung der Varroa-Milbe, die zu den größten Bedrohungen der Bienenvölker zählt. Der aus Asien eingeschleppte Parasit vermehrt sich im Sommer rasant im Bienenvolk und schädigt die Bienen. Oft leiden sie als Folge an Infektionskrankheiten. Solche Völker sterben dann meist im Winter. Der Einsatz von Medikamenten gegen die Milben ist bei Bio-Imkern erheblich eingeschränkt. Es sind nur organische Säuren wie Ameisen- und Oxalsäure erlaubt.

Lückenlose Dokumentation

Damit die Kontrolleure der Bio-Kontrollstellen den Betrieb lückenlos überprüfen können, müssen Tierbestand, Erntemengen, Futtermittel und Warenflüsse vom Bio-Landwirt detailliert dokumentiert werden. »Das ist alles sehr aufwendig«, sagt Kramer. »Wenn der Prüfer kommt, ist er den ganzen Tag bei uns und schaut sich die Bücher, Lager und die Bienenstände an«. Da müsse man voll hinter dem Konzept stehen.

Denn die Arbeit nach Bio-Kriterien verursacht höhere Kosten. Das Konzept vermittelt der Imker gerne anderen. Deshalb gehört sein Betrieb zu den 290 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft benannten Demonstrationsbetrieben für ökologischen Landbau. Dort können sich Verbraucher und Berufskollegen informieren.

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