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Hansjörg Scheidler zeigt seine grüne Seele auch zu Weihnachten. Er verzichtet als grüner Kommunalpolitiker auf so manchen traditionellen Weihnachtsbrauch.

Wie feiert man ökologisch Weihnachten?

Grävenwiesbach. An Weihnachten hat jede Familie eigene Rituale und Traditionen. Die Frage dabei ist jedoch: Ist das alles noch zeitgemäß? Der Klimawandel lässt schließlich grüßen. Wer, wenn nicht die Grünen, müssten doch mit gutem Beispiel vorangehen und die ökologische Weihnacht zelebrieren. Doch wie sieht die aus? Was könnte jeder tun, um an Weihnachten auch an die Nachhaltigkeit zu denken?

»Ob Grüne wirklich anders feiern, kann ich nicht sagen«, meint Hansjörg Scheidler, Mitglied des Gemeindevorstands,. Er persönlich geht tatsächlich etwas andere Wege, was die Traditionen angeht. »Meine Nachhaltigkeit in Bezug auf Weihnachten beschränkt sich darauf, keinen Baum aufzustellen, egal, ob er im Topf oder geschlagen angeboten wird«, berichtet er. Und so besteht die weihnachtliche Dekoration im Hause Scheidler »nur« aus einem Adventsgesteck mit vier Kerzen, die aus Bienenwachs bestehen und die Scheidler in der Werkstatt des Internationalen Bundes kauft.

Und gibt es im Hause Scheidler noch einen großen Unterschied zu anderen Weihnachtsbräuchen: keine Geschenke, keine Bescherung. »Das ist mir ganz wichtig«, betont er. Es gebe auch keine Weihnachtskarten, höchstens elektronische Weihnachtsgrüße sowie keine Besuche: »Weder besuchen noch empfangen«, fügt er hinzu und verlebt daher mit seiner Ehefrau traditionell ein ruhiges und gemütliches Weihnachtsfest.

»Aber es gibt einen traditionellen Lammbraten vom Wanderschäfer aus der Nachbarschaft oder einen Rehrücken vom Jagdpächter unseres Reviers.« Dazu serviert der Hobbykoch regionales Saisongemüse und Kartoffeln. »Als Nachtisch gibt es entweder selbst gebackene Plätzchen ohne Schokolade oder Bratapfel mit heimischem Bio-Honig vom Imker in Naunstadt«, erzählt er. Es gebe sicherlich noch mehr, was man für ein nachhaltiges Weihnachten tun könnte, meint Scheidler. »Aber das ist unser Beitrag dazu.«

Veganes Menü

Bei Michael Thiele, dem Vorsitzenden der Grävenwiesbacher Grünen, geht es nicht ganz so reduziert zu. »Einen Weihnachtsbaum sucht man aber auch bei uns vergebens«, sagt er. Gefeiert wird aber dennoch bei Thieles, allerdings in Etappen, denn es gelingt nicht, alle Familienmitglieder an einem Tag zusammen an den Tisch zu bekommen. Und da die Hälfte des Thiele-Clans sowieso vegan isst, kommen auch noch unterschiedliche Speisen auf diesen Tisch. »Die vegane Kost besteht meist aus selbstgemachten Ravioli, gefüllt mit Pesto«, berichtet er. Für die Fleischesser gibt es Lammkeule im Salzteig. Das Fleisch stammt vom Türken in Usingen, »weil es dort das beste Lammfleisch gibt«, sagt er. Für die Zubereitung der Lammkeule geht die meiste Zeit drauf. Das ist dann schon ein kleines Ritual. Sie werde bei Niedrigtemperatur drei bis vier Stunden lang gegart.

Geschenke gibt es auch, aber nur Kleinigkeiten. Für die Verpackung sammeln er und seine Frau zuvor genutzte Geschenktüten und -papier. »Die werden bei uns sehr oft verwendet.« Eine Wanderung im Familienverbund steht übrigens ebenfalls auf der To-Do-Liste. Thiele geht mit Weihnachten nach seiner ureigenen Motivation um: Einzigartig ist besser als perfekt. MONIKA SCHWARZ-CROMM

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